Sonderveröffentlichung
Themenspecial DHBW Infotag 2019

Wir haben einen eingebauten Qualitätsmechanismus

HINTERGRUNDGESPRÄCH: Rektor Prof. Dr. Georg Nagler sowie die Prorektoren Prof. Dr. Jörg Baumgart und Prof. Dr. Andreas Föhrenbach sprechen über die Chancen und Herausforderungen von Digitalisierung, das Erfolgsmodell Duales Studium und die Entwicklung der DHBW.

Wer ist für das Studium geeignet? 

Föhrenbach: Ganz formal kann man sagen: Wir gehen von der allgemeinen Hochschulreife aus. Akkreditiert ist unser Studium als ein Intensivstudium und daher sollte sich jeder Bewerber bewusst sein, dass er im Studium zwar viel leisten muss, dafür aber auch viel bekommt. Wir arbeiten in Kleingruppen mit enger Betreuung. Während der Praxisphasen gehen die Studierenden in die Unternehmen, um dort ihr Wissen aus den Theoriephasen zu erweitern und anzuwenden. Der Wechsel zwischen Theorie und Praxis im dualen Studium ist dabei gleichermaßen vorteilhaft für die persönliche als auch für die fachliche Entwicklung der Studierenden. Zudem werden sie vom Unternehmen bezahlt. Das heißt, dass die Studierenden finanziell unabhängig studieren können, auch während der Theoriephasen.

Nagler: Die Auswahlentscheidung treffen unsere Dualen Partner. Die Studierenden bewerben sich bei ihnen und werden dann bei uns zum Studium zugelassen.

Föhrenbach: Im Durchschnitt haben wir die Studierenden mit den besten Abiturnoten. Aber, und darauf sind wir stolz, wir haben auch eine relativ gute Streuung. Dies korrespondiert mit der Auswahl unserer Dualen Partner. Wenn die Unternehmen einen Bewerber finden, der in ihr Anforderungsprofil passt, dann kann es auch vorkommen, dass jemand mit einem 3,0-Abi bei uns anfängt. Es gibt durchaus Persönlichkeiten, die sich erst im Studium entwickeln, und das merkt man bei einem Unternehmens-Accessement wahrscheinlich besser als bei der reinen Betrachtung der Abiturnote.

Baumgart: Dank der intensiven Betreuung im dualen Studium können auch Studierende, die sich zunächst vielleicht etwas schwerer tun mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ihr Studium erfolgreich abschließen.

Warum ist das Konzept für Unternehmen attraktiv?

Nagler: Ein dualer Studienplatz kostet ein Unternehmen insgesamt etwa 50 000 Euro. Aber der Return on Invest ist hier so essentiell wie bei keiner anderen Studienform. Er wird unter anderem dadurch gewährleistet, dass Absolventen ohne Praxisschock und ohne Traineephasen nach dem Studium direkt im Beruf starten können. Außerdem können die Unternehmen eine Selektion on the Job machen, die Studierenden über drei Jahre begleiten und sie mit ausbilden.

Baumgart: Wir haben ja quasi einen eingebauten Qualitätsmechanismus. Wenn die Firmen nicht zufrieden mit uns wären, würden sie uns keine Studierenden mehr schicken. Das ist nicht der Fall, im Gegenteil die Nachfrage ist ungebremst.

Föhrenbach: Unternehmen haben außerdem den Vorteil, dass sie ihre akademischen Fachkräfte direkt nach dem Abitur akquirieren. So haben sie drei Jahre Zeit, den späteren Einsatzort des Studierenden genau auszuwählen und damit Planungssicherheit.

Nagler: Auch sollte man den Wert der Bachelor-Arbeit nicht unterschätzen. Die Studien- beziehungsweise Projektarbeiten bereiten eine Bachelor-Arbeit vor, die in der Regel zu einer Problemlösung im Betrieb beitragen soll, also einen sehr hohen Realitätsbezug aufweist. Föhrenbach: Einen Punkt, den ich noch einbringen möchte, ist die Internationalisierung. Ich denke für beide Seiten ist es ein großer Benefit, dass die Studierenden mindestens eine Praxisphase im Ausland verbringen. So entwickeln sie Kompetenzen, die man, auch wenn man ein Semester im Ausland studiert, nicht erhalten hätte.

Die Arbeitswelt entwickelt sich beständig weiter. Welche Rolle wird da ein duales Studium in Zukunft einnehmen? Welche Kompetenzen werden für Berufe in der Zukunft wichtig sein?

Baumgart: Für viele Firmen stellt sich mittlerweile die Frage, wie sie überhaupt noch passendes Personal finden können. Wir beobachten zum Beispiel, dass das duale Studium im baden- württembergischen Modell zunehmend bei kleinen Firmen in den Fokus rückt. Themenfelder, die die Wirtschaft prägen und die zukünftig eine Rolle spielen, lassen wir in unsere Lehrpläne einfließen. So erleben wir derzeit einen Run auf Studienplätze im Kontext der Digitalisierung.

Föhrenbach: Das möchte ich unterstreichen: Die Innovationsfähigkeit des Studienangebots an der DHBW ist sehr hoch. Von daher können wir sehr schnell auf Veränderungen in den Unternehmen reagieren – wir nehmen sie wahr, weil die Unternehmen bei uns Partner sind und wir regelmäßig mit ihnen in Kontakt stehen. Innerhalb der Angebote ist es uns auch aufgrund der hohen Anzahl an externen Lehrbeauftragten aus den Unternehmen relativ schnell möglich zu reagieren und die inhaltliche Ausgestaltung zu verändern. Zudem veraltet Faktenwissen immer schneller. Daher ist eine Änderung des Kompetenzfelds in Richtung Handlungsfähigkeit, Transferfähigkeit und Urteilsvermögen zu beobachten. Diese überfachlichen Kompetenzen werden in Zukunft immer wichtiger. Und genau das wird im dualen Studium durch die Wechsel zwischen Theorie und Praxis gefördert. Auf die Veränderung des erforderlichen Kompetenzprofils kann das duale System perfekt reagieren.

Wie werden Kompetenzen vermittelt?

Föhrenbach: Wir entwickeln die Studiengänge intensiv weiter. Nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch, was beispielsweise die Lehrformen angeht. Unser Digital Learning Center konzentriert sich aktuell auf die Verbesserung des E-Learning-Angebots. Zudem bieten wir Projekte, wie die „Formula Student“ oder die „Robocops“, bei denen die Studierenden interdisziplinär zusammenarbeiten können, an. Auch haben wir das Portfolio an Prüfungsformen erweitert, um von den klassischen Klausuren wegzukommen. Auf Arbeitsebene läuft also schon sehr viel, um das neue Kompetenzprofil besser abzudecken.

Nagler: Die Kombination macht‘s. Wir werden die Wissensbasiertheit niemals aufgeben, aber wir kennen den Wert der Praxisorientierung und daraus lässt sich ein gutes Portfolio für neue Kompetenzen entwickeln.

Inwieweit wollen Sie das Angebot ausbauen?

Föhrenbach: In der Technik starten in diesem Jahr zwei neue Studiengänge, Cyber-Security und Integrated Engineering. Letzterer ist ausgerichtet auf eine überfachliche Ingenieurkompetenz: Es ist ein gleichwertig technisches Studium in E-Technik, Maschinenbau, Mechatronik und Informatik kombiniert mit einem Teil BWL. Durch diese breite Grundlage wird Integrationsfähigkeit und Interdisziplinarität gelehrt.

Nagler: In der Wirtschaft sind wir mit den neuen Studienrichtungen Digital Business Management, E-Goverment und E-Health gut gestartet und planen momentan ein Studienangebot im Bereich Digital Commerce Management, denn der Handel über Internetplattformen wird weiter zunehmen. Im Bereich Gesundheit diskutieren wir in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Mannheim über die Einführung des Studiengangs Physician Assistant.

Baumgart: Im Allgemeinen prüfen wir, aus welchen Bereichen man Dinge zusammenführen kann, um ein attraktives Gesamtpaket zu erhalten. Da gehören beim Handel zum Beispiel zukünftig auch verstärkt Logistikaspekte dazu. Das ist sicherlich das nächste Projekt, das wir landesweit – zusammen mit anderen Standorten der DHBW – anschieben wollen. Im Finanzbereich denken wir über Digital Finance nach. Hier sind wir noch in der Konzeptionsphase und im Gespräch mit unseren Dualen Partnern. Wie sind die Übernahmechancen Ihrer Studierenden?

Nagler: Aus der Struktur des dualen Studiums und der gemeinsamen Qualifizierung der Studierenden leitet sich natürlich schon ab, dass die Unternehmen an der Übernahme der erfolgreichen Absolventen höchst interessiert sind. Für sie ist das auch die Grundannahme der Kosten-Nutzen- Rechnung dieses Studienmodells. Die Übernahmequote liegt, inklusive der Wahrnehmung von Masterangeboten, bei über 90 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Weniger als fünf Prozent verlassen die Hochschule mit unbekanntem Ziel. Die Meisten werden sofort vom Betrieb übernommen.

Was unternimmt die DHBW, um Schulabgängerinnen für MINT-Studiengänge zu begeistern?

Föhrenbach: Nach wie vor ist die MINT-Begeisterung bei den Mädchen unterdurchschnittlich und unbefriedigend. Dabei merke ich immer wieder, dass sich die MINT-Begeisterung vor der zehnten Klasse entscheidet. Daher ist es für uns als Hochschule schwierig, Motivation zu wecken. Wir haben aber dennoch inzwischen mit „Mach Mut für MINT“ ein Mädchen-Mentoren-Programm im Haus. Eine Gruppe von Studentinnen fungiert hier als Ansprechpartner für neu immatrikulierte Studentinnen und nimmt Termine an Schulen wahr. Regelmäßig beteiligen wir uns auch an Events zur Förderung des MINT-Interesses, wie zum Beispiel Girls’Day oder der Meet & Code im Technoseum und wir arbeiten intensiv mit anderen Organisationen zusammen. Erst letzte Woche war im Rahmen des ersten Ingenieurtags in der Metropolregion „expedition d“ bei uns zu Gast. Ein Truck, der Schülern, das Thema Digitalisierung in MINT-Berufen näher bringen will.

Wie lautet das Feedback Ihrer Alumni?

Baumgart: Immer wieder erhalten wir von unseren Alumni die Rückmeldung, dass ihre Entscheidung für ein duales Studium die richtige war. Das liegt daran, dass viele Absolventen gute Karrieren in ihren Unternehmen machen oder erfolgreich im eigenen Unternehmen sind.

Föhrenbach: Viele Absolventen werden später selbst Ausbildungspartner bei uns. Eine Betreuerin erzählte mir einmal, dass sie das Organigramm des Unternehmens zeigt, wenn bei ihr im Unternehmen die Frage nach dem Return on Invest aufkommt und alle markiert, die von der dualen Hochschule kommen. Danach ist die Diskussion beendet.

ZUM STUDIENINFOTAG

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„Bildungswillige junge Menschen sind das Wertvollste, das unsere Gesellschaft besitzt. Deshalb stehen sie im Zentrum all unseres Tuns an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Das duale Studium an der DHBW zeichnet sich durch die besondere Verknüpfung wissenschaftsbasierter Lehre an der Hochschule mit praxisorientiertem Lernen in Unternehmen und sozialen Einrichtungen aus. Neben dem Erwerb von Fachkompetenz geht es uns immer um die Entwicklung praktischer Handlungskompetenz, die Fähigkeit zu kritischem und unternehmerischem Denken und die Persönlichkeitsentwicklung unserer Studierenden. Diesen besonderen Bildungsauftrag erfüllen wir in enger Zusammenarbeit mit rund 9000 Dualen Partnern, die Mitglieder unserer Hochschule sind und die Lehrinhalte gemeinsam mit uns weiterentwickeln und an sich verändernde Bedarfe anpassen. So bereiten wir unsere Absolventinnen und Absolventen auf das Berufsleben vor, eröffnen ihnen Zukunftschancen und leisten unseren Beitrag zu Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlicher Entwicklung in Baden-Württemberg.“

Prof. Arnold van Zyl
PhD / Univ. of Cape Town
Präsident der DHBW

Einblicke ins Hochschulleben

Digitalisierung, Big Data, Industrie 4.0, Internet der Dinge, Energiewende, E-Mobilität, Cyber-Security – zahlreiche innovative Technologien verändern Gesellschaft und Wirtschaft und sind inhaltlich längst in das Studienangebot der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW Mannheim) eingeflossen. Gemeinsam mit rund 2000 Partnerunternehmen bietet die DHBW Mannheim über 40 duale Bachelor- Studienrichtungen in den Bereichen Technik, Wirtschaft und IT, die mit der Entwicklung der Wirtschaft Schritt halten. Ein Konzept, das seit 45 Jahren Erfolgsgeschichte schreibt und auf einzigartige Weise Fachwissen, Anwender-Know-How, Soft-Skills und Berufserfahrung verknüpft. 210 ECTS Punkte, ein monatliches Gehalt und das Studieren in kleinen Gruppen machen das duale Studium zusätzlich attraktiv Wer sich darüber informieren und die DHBW Mannheim, ihre Partnerunternehmen und das Studienkonzept kennenlernen möchte ist zum Studieninformationstag der DHBW Mannheim am 25. Mai eingeladen. 150 Partnerunternehmen und Institutionen präsentieren zusammen mit der DHBW Mannheim von 9 bis 15 Uhr am Campus Coblitzallee das komplette Studienangebot in den Bereichen Betriebswirtschaft, Gesundheitswesen, Informatik, Ingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik und Medien und zeigen berufliche Perspektiven auf. Ein umfangreiches Programm mit 60 Vorträgen und spannende Aktionen begleiten den Tag. Erstmalig können Studieninteressierte schon im Vorfeld über ein Termin-Matching mit den ausstellenden Unternehmen einen Beratungstermin für den Studieninformationstag vereinbaren.

Im Gespräch mit Unternehmen und DHBW

Am Studieninformationstag sind nahezu alle großen Konzerne, aber auch viele kleine und mittelständische Unternehmen aus der Metropolregion Rhein-Neckar und aus anderen Bundesländern vertreten. Neben der umfassenden Information steht ganz klar das persönliche Gespräch im Vordergrund. Studienplatzsuchende und Unternehmen treffen hier sehr gezielt zusammen – nicht selten der Beginn eines gemeinsamen Berufs- und Karriereweges, denn bei über 80 Prozent der Absolventen schließt sich unmittelbar an das duale Studium ein Arbeitsplatz als Betriebswirt, Ingenieur oder Informatiker an – meist im gleichen Unternehmen.

Das Studium hautnah erleben

Hautnah erleben kann man das duale Studium außerdem in einem der zahlreichen Vorträge, Schnuppervorlesungen und bei der Besichtigung von studentischen Projekten. So lädt die Roboterfußballmannschaft TIGERs zu einem Match und im Fahrsimulator des Rennwagenteams CURE kann man mit Vollspeed seine Geschicklichkeit testen. Zahlreiche Studienprojekte werden vorgestellt und der online-Mathetest MathX3 bietet die Möglichkeit, herauszufinden, ob die Mathematikkenntnisse für ein duales Studium schon ausreichen oder ob noch etwas Nachholbedarf besteht. Außerdem vor Ort sind die Studienberatung der DHBW Mannheim, das International Office, das Center of Advanced Studies (CAS) für die Master-Programme der DHBW, die Agentur für Arbeit, das Studierendenwerk Mannheim und die IG Metall, so dass auch organisatorische Fragen rund um das Studium geklärt werden können. Die Mensaria Metropol versorgt die Besucher mit Kaffee, Getränken, Snacks und Mittagsgerichten.

Anreise

Besucher werden gebeten, mit dem ÖPNV (Straßenbahnlinie 5 (OEG); Haltestelle Duale Hochschule) anzureisen, bzw. die Besucherparkplätze am Maimarktgelände zu nutzen und von dort aus kostenlos zum Campus zu shutteln. Am Campus selbst stehen keine Parkplätze zur Verfügung. Eine Anmeldung zum Studieninformationstag ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

Umfangreiche Informationen zum Studieninformationstag, die Liste der teilnehmenden Unternehmen sowie Informationen zum Studium an der DHBW Mannheim und den kooperierenden Partnerunternehmen unter www.dhbw-infotag.de.
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