Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

„Wir glauben, dass es hier auf Franklin gut wird“

NEUE HEIMAT: Im Benjamin Franklin Village haben früher US-Soldaten mit ihren Familien gelebt. Jetzt entsteht im Mannheimer Nordosten ein Stadtteil für knapp 10 000 Menschen, der von der Mietwohnung bis zum Einfamilienhaus unterschiedlichste Angebote macht. Eine Rundfahrt.

Von Timo Schmidhuber  

Bettina Löble steht in der Eingangstür ihres neuen Eigenheims und wirkt ziemlich zufrieden. Im Februar ist sie mit ihrem Mann Matthias und den beiden kleinen Söhnen von Neckarau in das 144 Quadratmeter große Gebäude in Franklin-Mitte gezogen. Alle Häuser in der Straße sehen gleich aus: schickes Weiß, drei Stockwerke, Flachdach, daneben eine Garage. Bezogen sind noch nicht alle. „Wir glauben, dass es hier auf Franklin gut wird“, sagt Bettina Löble. „Ich finde es im Neubaugebiet schön, ich bin selbst in einem aufgewachsen. Es gibt viele Kinder, jeder ist neu, jeder will Kontakt knüpfen, die Nachbarschaft hier ist super.“
           
Wohnt seit Februar mit ihrer Familie in Franklin-Mitte: Bettina Löble.              BILDER: BLÜTHNER
Wohnt seit Februar mit ihrer Familie in Franklin-Mitte: Bettina Löble.              BILDER: BLÜTHNER
Neubau und Sanierung in Franklin-Mitte.
Neubau und Sanierung in Franklin-Mitte.
Auf Funari läuft derzeit die Erschließung.
Auf Funari läuft derzeit die Erschließung.
Dreieinhalb mal so groß wie der Luisenpark ist die frühere US-Militärfläche Benjamin Franklin Village im Nordosten Mannheims. Bis 2025 sollen hier knapp 10 000 Menschen eine neue Heimat finden. Investoren und Privatpersonen schaffen unter Federführung der städtischen Projektentwicklungsgesellschaft MWSP insgesamt 4400 Einheiten, von der Wohnung bis zum Einfamilienhaus. 60 Prozent werden zum Kauf angeboten, der Rest zur Miete. Die ersten „Neubürger“ sind vor rund einem Jahr nach Franklin gezogen, aktuell leben circa 750 in dem werdenden Stadtteil, der allerdings noch eine große Baustelle ist, wie bei einer Rundfahrt mit MWSP-Sprecherin Laura Todaro deutlich wird. Franklin besteht aus fünf Teilbereichen: Franklin-Mitte, Sullivan im Osten, Funari im Südwesten, Columbus im Süden und die Offizierssiedlung im Nordwesten (siehe Grafik). Für alle gibt es unterschiedliche planerische Schwerpunkte, alle sind unterschiedlich weit gediehen. Gerüste – sie beherrschen neben Lastwagen und Baukränen das Bild in Franklin-Mitte. Die Gerüste umgeben zum einen die Rohbauten von meist Mehrfamilienhäusern, die dort in die Höhe wachsen und denen alte Soldatenunterkünfte weichen mussten. Aber nicht alle früheren Gebäude wurden abgerissen, viele werden auch saniert – und sind ebenfalls von Gerüsten umschlossen. Manche Gebäude sind bereits fertig, die Gärten angelegt, etwa die Mehrfamilienhäuser der Baugesellschaft Evohaus, die ihre Energie mit Solarzellen selbst produzieren. Hier sind 2017 die „Franklin-Pioniere“ eingezogen. Auch verschiedene Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser sind bereits bewohnt – wie das von Familie Löble. Trotzdem steht in Franklin-Mitte noch einiges an, unter anderem der Bau von vier Hochhäusern, die eine neue Stadtsilhouette bilden sollen: Die Gebäude werden jeweils die Form eines „H“, eines „O“, eines „M“ und eines „E“ haben, was das englische Wort „Home“ („Zuhause“) ergibt. Noch in der Planungsphase ist MWSP-Sprecherin Todaro zufolge der „Hügel“, ein Gebäude in Hügelform mit begrünter Oberfläche. Es soll einmal das Zentrum von Franklin-Mitte bilden, unter anderem mit Supermarkt.
                
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(siehe Grafik). Für alle gibt es unterschiedliche planerische Schwerpunkte, alle sind unterschiedlich weit gediehen.
In der Offizierssiedlung sind ebenfalls schon viele Häuser bewohnt. Unter hohen Bäumen stehen hier auf großen Grundstücken die Doppelhäuser, in denen einst die Führungskräfte der US-Armee gelebt haben. Knapp 60 solche Häuser hat der Investor Sahle verkauft. Die Bewohner schwärmen vom vielen Grün und der guten Nachbarschaft. Doch so weitläufig wie bisher bleibt es in der Offizierssiedlung nicht: Auf Teilflächen baut Sahle 220 Reihen- und Doppelhäuser in quaderförmiger Architektur. Manche befinden sich noch im Roh-, bei anderen läuft schon der Innenausbau.
              
Neue und alte Gebäude: die Offizierssiedlung.
Neue und alte Gebäude: die Offizierssiedlung.
Noch vergleichsweise am Anfang steht die Entwicklung auf Funari und Sullivan. Auf Funari sind Wohnen und Gewerbe geplant, – ein Gesundheitszentrum mit Arztpraxen, Pflegedienst und Apotheke feiert dieser Tage Richtfest. Herzstück von Funari wird eine Reihenhaussiedlung mit bunten Fassaden und gemeinsamen grünen Innenhöfen, die der niederländische Architekt Winy Maas und der Wiesbadener Projektentwickler Traumhaus geplant haben. Die ersten dieser Häuser seien frühestens „im Winter 2020/2021“ fertig, so MWSP-Sprecherin Todaro. Aktuell läuft auf Funari die Erschließung mit Kanalnetz und Straßen, an manchen Stellen ist der Boden aufgegraben, und lange Rohre werden verlegt. Ein Gewerbegebiet mit viel Grün soll im Columbus-Quartier entstehen. Der größte Teil der hellbraunen ehemaligen Soldaten-Wohnhäuser hier – direkt an der B 38 – wird derzeit abgerissen. Berge mit Schutt in verschiedener Körnung bleiben davon übrig. Künftig wollen sich hier unter anderem das Möbelhaus Seegmüller und die Baumarktkette Bauhaus ansiedeln.
             
Auf Sullivan können Privatpersonen ihr Eigenheim bauen.
Auf Sullivan können Privatpersonen ihr Eigenheim bauen.
Auch auf Sullivan sind viele alte Militärgebäude Opfer der Bagger geworden – diejenigen, die noch stehen, sollen größtenteils hochwertig saniert werden. Aber auch planierte Flächen, derzeit noch von Schotterpisten erschlossen und von rot-weißem Flatterband begrenzt, prägen im Moment das Areal. Hier hat die Stadt 64 Bauplätze an private Bauherren verkauft, die ersten Grundstücke sind Anfang Juni – zum Ärger vieler Käufer mit Verzögerung – übergeben worden. Auf Sullivan wird auch ein großer Park entstehen. Die Arbeiten dafür sollen „Ende des Jahres“ starten, so Todaro.
             
Im Columbus-Quartier sind die Bagger unterwegs
Im Columbus-Quartier sind die Bagger unterwegs
„Jetzt muss die Infrastruktur noch kommen“, sagt Bettina Löble. Ein Teil davon ist schon da, Löbles älterer Sohn besucht die Anfang des Jahres neu eröffnete Kita in der George-Washington-Straße, nach den Sommerferien startet auch eine neue Grundschule. Was aber laut Löble noch fehlt, sind Bürgersteige, Straßenschilder, Läden und ein Stadtbahn-Anschluss. Und auch auf Internet-, Telefon- und Fernsehanschluss warten sie und ihre Nachbarn noch. Gerade die Verzögerungen mit dem Internet seien schon „arg lang“, sagt Löble. Es ändere aber nichts an ihrer positiven Bewertung des Projekts Franklin.
              

Warum Mannheim Heimat ist ...

BILD: FELIX ZEIFFER
BILD: FELIX ZEIFFER
Christian Haas
Geschäftsführer ABSOLVENTUM

„Unser wunderschönes Barockschloss
mit dem internationalen Flair des Campus, die Besuche im Nationaltheater und in der Kunsthalle, die tollen Shopping-Angebote mit exzellenter Gastronomie, die fließenden Übergänge zwischen den Stadtbereichen und die unglaublich offenherzigen Menschen die hier leben. Ansteckend und inspirierend ist die allgegenwärtige Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement und zur Kooperation über Fach- und Kulturgrenzen hinweg. Das ist der sprichwörtliche „Blick über den Tellerrand“ hinaus, eine Einstellung, die die Akteurinnen bei uns auszeichnet. Das ist einmalig – diese Einstellung ist mir anderswo so nie begegnet!“
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