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Themenspecial Gesund leben!

Wearables – Gesundheit zum Anziehen

Fitnessarmband & Co.: Wie nützlich sind die Gesundheitsgeräte?

Die Uhr misst den Puls, das Blutdruck-Messgerät funkt Daten ans Smartphone. Immer mehr vernetzte medizinische Geräte kommen auf den Markt. Aber woran erkennt man gute Wearables, also tragbare Technik?

Das Blutdruckmessgerät der Zukunft ist beispielsweise vernetzt und kann dazu noch ein EKG schreiben und die Herzklappen überwachen. Das ist nur ein Beispiel für die Entwicklung der Medizintechnik-Branche in Richtung Wearables, tragbare Technik also. Gesundheitsgeräte werden zunehmend kleiner, vernetzter und vielseitiger. Auf Verbraucher kommen Sportuhren zu, die nicht nur den Herzschlag, sondern auch ein EKG erfassen können. Dazu vernetzte Blutzucker-Messgeräte, App-verwaltete Kegel-Trainingsgeräte oder Sensorgürtel für werdende Mütter, die Sorge um ihr Baby haben – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Viele Hersteller mit vielen Geräten für noch mehr Anwendungsmöglichkeiten kämpfen um die Gunst der Käufer. Aber was davon braucht man eigentlich? Und was ist eher Unsinn? „Bislang waren das eher Nischenprodukte, aber seit einigen Jahren werden die Produkte auch im Medizinbereich zunehmend kommerzialisiert“, hat Oliver Amft festgestellt. Er ist Professor und Leiter des Lehrstuhls für Digital Health an der Universität Erlangen-Nürnberg und sieht den Einsatz von Gesundheitswearables zunächst einmal positiv.

Facharztpraxis Hochdrei Am Lindenhof

„Die Wearables bieten die Möglichkeit, Vitalfunktion, Verhalten und Einfluss von Umweltfaktoren im Alltag zu messen“, sagt er. Mit der richtigen Technik könnten Ärzte viel genauer hinsehen und etwa den Blutdruck eines Patienten über Tage und Wochen beobachten – und so etwa die Auswirkungen von Medikamenten beobachten oder Symptome erfassen, die in der Arztpraxis nicht feststellbar waren.

Auch Marcel Weigand, Vorstandsmitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit, sieht viele praktische Anwendungsfelder. Kardiologen könnten in den per Wearable und App gesammelten Daten schneller Hinweise auf Herzrhythmusstörungen finden, Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig prüfen und automatisch dokumentieren. So bleibe im Arzt-Patienten-Alltag mehr Zeit für das, was Weigand „die sprechende Medizin“ nennt.

Und es gibt einen weiteren Aspekt: Die Eigenständigkeit, im Alter etwa. Manche Sportuhren können etwa erkennen, wenn ein Träger stürzt. Nach einer Minute ohne Reaktion wird ein Notruf abgesetzt. „Wenn durch solche Geräte ermöglicht wird, dass Patienten länger eigenständig bleiben, ist das eine gute Sache“, sagt Weigand. Auch der Wohlfühl-Effekt darf nicht vernachlässigt werden. Fühlt sich etwa ein Herzpatient nicht gut, und die Technik am Handgelenk kann Entwarnung geben, macht das manchen Besuch in der Notaufnahme vielleicht unnötig. Oder im Gegenzug: Technik, die rechtzeitig vor ungewöhnlichen oder kritischen Zuständen warnt, erhöht das Sicherheitsgefühl.

Oliver Amft, von Haus aus Elektrotechniker, spricht den Geräten am Markt eine gewisse Genauigkeit zu. Geräte großer Hersteller von Sportuhren, Fitness-Armbändern und ähnlichen Geräten seien sehr gut validiert in ihrem bestimmten Anwendungsbereich. Der Herzschlag etwa könne damit gut erfasst werden. „Mit gut meine ich nicht so genau wie unter klinischen oder Laborbedingungen“, schränkt er allerdings ein. Viele der angebotenen Wellness-Wearables seien als Ergänzung zur Gesunderhaltung geeignet – aber eben nicht so präzise wie wesentlich teurere Spezialgeräte. Und egal, wie gut sie nun messen oder nicht: Einen Arztbesuch könne das Tragen solcher Geräte nicht ersetzen, sagt Gesundheitswissenschaftler Marcel Weigand. Vielleicht können sie aber zu einem nötigen Arztbesuch animieren.

Aber wie findet man nun heraus, welche Gerät taugt und welches nicht? Das ist gar nicht so einfach, erklärt Oliver Amft. Er rät, auf Zulassungen als Medizinprodukt zu achten. Die sind aber noch eher selten. Einige Hersteller werben etwa mit einer Zertifizierung durch die US-Behörde FDA. Laut Amft ein“ganz guter Hinweis auf eine gewisse Leistungsfähigkeit“.

Allerdings solle man solche Siegel nicht überbewerten. Wichtig sei, wofür genau diese Zertifizierung bestehe. Marcel Weigand sieht das ähnlich. „Es ist ein Anhaltspunkt, sagt aber nichts darüber aus, ob ein Produkt in Deutschland zugelassen wird oder ob Krankenkassen ein Produkt erstatten würden.“ So sieht das auch Marcel Weigand: „Es wäre vermessen, wenn ein Fitnessarmband behaupten würde, dass darüber Krankheiten erkannt und behandelt werden können“, sagt er über Geräte, die angeblich sehr viele Dinge auf einmal können. Ihre unterstützende Funktion kann für den ein oder anderen Sportler aber durchaus nützlich sein. dpa/imp
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