Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Vorfreude auf Meisterwerke

AUSSTELLUNGEN: Weltberühmte Gemälde, prachtvolles Gold, ungewöhnliche Fotografien – drei ganz besondere Ausstellungen sind im Herbst in der Kunsthalle und den Reiss-Engelhorn-Museen zu sehen. Für „Inspiration Matisse“ kommen Leihgaben aus aller Welt nach Mannheim, für „Javagold“ 400 einzigartige Goldschätze aus den historischen Königreichen Indonesiens.

Von Peter W. Ragge  

Das Metropolitan Museum in New York willigte nach langem Zögern ein, die National Gallery in Washington, auch große Sammlungen in Europa: „Absolute Hauptwerke“, so die bisherige Direktorin Ulrike Lorenz, werden präsentiert, wenn die Mannheimer Kunsthalle als große Herbst-Ausstellung am 26. September „Inspiration Matisse“ eröffnet, die bis Januar 2020 läuft. Lorenz ist schon nicht mehr in Mannheim, denn sie übernimmt ab August die Führung der Klassik Stiftung Weimar. Aber bevor sie Mannheim verließ, hat sie einen Großteil der Vorbereitungen erledigt.

Anlass der Sonderschau: Vor genau 150 Jahren erblickte der französische Maler, Graphiker und Bildhauer Henri Matisse (1869–1954) das Licht der Welt. Matisse hat die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt – in seinem Heimatland, aber auch international, bezeichnet ihn Lorenz als „Ausnahmekünstler“: „Er setzte neue Maßstäbe und verblüffte durch unkonventionelle Malerei.“ Schon um 1905/06 ließen sich zahlreiche Künstler der Avantgarde von seiner expressiven Malerei inspirieren.
           
Bosco-Automat-Sofortbild: Henri Matisse, Albert Weisgerber und Hans Purrmann (v.r.n.l.), Löwenbräukeller, München, 1910. BILD: HANS-PURRMANN-ARCHIV, MÜNCHEN
Bosco-Automat-Sofortbild: Henri Matisse, Albert Weisgerber und Hans Purrmann (v.r.n.l.), Löwenbräukeller, München, 1910. BILD: HANS-PURRMANN-ARCHIV, MÜNCHEN
Die Kunsthalle Mannheim präsentiert in ihrer großen Herbst-Ausstellung gut 125 ausgewählte Gemälde, Plastiken und graphischen Arbeiten. Landschaftsbilder, darunter berühmte mediterrane Szenen, seien vertreten, aber auch Stillleben, Atelierbilder und Porträts sowie eine Serie von Rückenakten und Figuren im Raum, so Lorenz. Höhepunkt der Schau bilden vier lebensgroße Rückenakte, die zwischen 1909 und 1930 entstanden.

Gleichzeitig spürt die Schau seinen Anregungen im Werk geistesverwandter Zeitgenossen in drei zentralen kunsthistorischen Feldern nach: im französischen Fauvismus, im deutschen Expressionismus sowie unter den deutschen Schülerinnen und Schülern der Académie Matisse. Lorenz will ausdrücklich nicht allein Matisse präsentieren. Er habe die Kunst des 20. Jahrhunderts so nachhaltig geprägt, dass sie ihn als „Pionier der Moderne“ und beispielgebenden „Künstler für Künstler“ im Kreis seiner „jüngeren Zeitgenossen, die ihn auch inspirierten“ ausstellen werde, kündigt sie an.

Neben Matisse präsentiert die Mannheimer Ausstellung zentrale Werke von André Derain, Georges Braque, Charles Camoin, Kees van Dongen, Raoul Dufy, Henri Manguin oder Albert Marquet sowie von Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, August Macke, Gabriele Münter und Max Pechstein und schließlich von Rudolf Levy, Oskar und Margarete Moll, Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller. Dabei gehe es nicht darum, vermeintliche oder tatsächliche Einflüsse und Abhängigkeiten zu suggerieren, sondern deutlich zu machen, „dass Matisse formal wie inhaltlich neue Wege wies und zugleich wie ein Katalysator für jeweils individuelle künstlerische Befreiungen wirkte“.
           
Blick in die Ausstellung „Javagold – Pracht und Schönheit Indonesiens“: Elefantengott Ganesha (Java, 7. bis 15. Jahrhundert n. Chr.). BILD: MAURO MAGLIANI
Blick in die Ausstellung „Javagold – Pracht und Schönheit Indonesiens“: Elefantengott Ganesha (Java, 7. bis 15. Jahrhundert n. Chr.). BILD: MAURO MAGLIANI
Laut Kunsthalle handelt es sich um die „weltweit erste Zusammenschau“ kostbarer Leihgaben aus Museen und privaten Sammlungen in Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Schweden, der Schweiz, Spanien und den USA.

Unter den Leihgebern sind: Nationalgalerie (Berlin), Pinakothek (München), Städtische Galerie im Lenbachhaus (München), Staatsgalerie (Stuttgart), Musée Matisse (Nizza), Tate (London), Nasjonalgalleriet (Oslo), Fondation Beyeler (Riehen / Basel), Museo Thyssen-Bornemisza (Madrid), Art Institute (Chicago), National Gallery (Washington) und Metropolitan Museum (New York). Das sei aber „teilweise schon harte Arbeit“ gewesen, so Lorenz: „Matisse leiht keiner gerne aus, und schon gar nicht über das Meer, aber wir haben die Zusagen“, freut sie sich.
          
„Antanas Sutkus: KOSMOS“ ist ab 8. September in der Galerie Zephyr zu sehen – hier „Marathon in Universitates Street“, 1959. BILD: ANTANAS SUTKUS
„Antanas Sutkus: KOSMOS“ ist ab 8. September in der Galerie Zephyr zu sehen – hier „Marathon in Universitates Street“, 1959. BILD: ANTANAS SUTKUS
Schätze ganz anderer Art zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen mit „Javagold – Pracht und Schönheit Indonesiens“ ab 15. September bis 13. April 2020 – und das durch einen Glücksfall. Ein Privatsammler bat die Experten der Reiss-Engelhorn-Museen, die sich darauf spezialisiert haben, die Echtheit einiger Stücke zu prüfen. Daraus entstand die Idee einer Ausstellung, und bei der ist „ein Großteil der aus einer Privatsammlung stammenden Kostbarkeiten erstmals öffentlich zu sehen“, so Generaldirektor Alfried Wieczorek. Mit Java verbindet man Impressionen tiefer Regenwälder, gefährlicher Vulkane und geheimnisvoller Tempel. Über 1000 Jahre lang war die indonesische Inselwelt Heimat mächtiger hinduistischer und buddhistischer Königreiche. Zeitlos schöne Schmuck- und Kultgegenstände künden in der Ausstellung von ihrer längst vergangenen Pracht und Kunstfertigkeit. Gefertigt sind sie aus jenem Material, das die Menschen seit Jahrtausenden in den Bann zieht – Gold, das für die javanischen Herrscher in direktem Bezug zur Götterwelt steht, aber auch Pfeiler ihrer wirtschaftlichen Macht darstellt. Mit rund 400 einzigartigen Schätzen biete man den Besuchern ein „faszinierendes Kaleidoskop der hinduistischen und buddhistischen Handwerkskunst“. Dazu zählen goldene Meisterwerke wie Ringe, Arm- und Halsreifen sowie beeindruckende Diademe, wobei die filigran verzierten Kleinodien neben ihrer dekorativer Funktion auch stets rituelle oder soziale Bedeutung haben.

Und noch eine besondere Ausstellung bereiten die Reiss-Engelhorn-Museen vor. Ihre Galerie Zephyr plant im September mit „KOSMOS“ die erste umfassende Retrospektive von Antanas Sutkus in Deutschland. Antanas Sutkus zählt zu den großen humanistischen Fotografen Europas und der Welt. Seine Bildsprache erinnert manche an Henri Cartier-Bresson. Ende der 1950er-Jahre begann Sutkus, die Menschen seines Heimatlandes Litauen zu fotografieren, das damals eine besetzte sowjetische Teilrepublik war. Hätte es nicht der Eiserne Vorhang verhindert, wäre er vermutlich als Mitglied der Agentur Magnum berufen worden. Mit gut 200 Arbeiten, von denen viele erstmals gezeigt werden, bietet sie eine überraschende Neubewertung seines OEuvres. Die große Überblicksschau wurde erstmals in Vilnius gezeigt und ist ein Geschenk der Länder Frankreich und Deutschland zum 100. Geburtstag der Wiedergründung der Republik Litauen. Nun kommt sie ab 7. September bis Januar 2020 nach Mannheim.
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