Sonderveröffentlichung
Themenspecial Ratgeber Pflege

Urlaub vom Alltag

Pflegehotels: Auszeit für die Angehörigen

Die Pflege von Verwandten kann für Angehörige eine Vollzeitaufgabe sein. Pflegehotels bieten ihnen die Möglichkeit, neue Kraft zu schöpfen. Doch es gibt bisher nur wenige Angebote – auch, weil der Gesetzgeber an solche Einrichtungen nicht gedacht hat.

Margret Surmann ist eine Pflegekraft, die fast nie Feierabend hat: Ihr Mann hatte vor zehn Jahren einen Schlaganfall. Seitdem pflegt sie ihn. Dabei ist sie mit 82 Jahren in einem Alter, in dem viele Senioren selbst Hilfe brauchen. An Urlaub sei nach dem Schlaganfall zunächst nicht zu denken gewesen, sagt Surmann. Heute kann das Paar zumindest zeitweise ausspannen. Obwohl ihr Mann ein Pflegefall ist, machen beide Urlaub – im Pflegehotel.

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„Pflegende Angehörige brauchen solche Auszeiten, weil sie sonst keine Kraft mehr haben“, sagt Waltraud Rebbe-Meyer. Sie ist Geschäftsführerin eines kleinen Hotels. 15 Plätze für Pflegebedürftige und bis zu sechs Plätze für pflegende Angehörige hat das Haus. Die Kombination aus Pflege und Hotel ist nach Einschätzung des Vereins Pflegende Angehörige noch selten in Deutschland. Offizielle Zahlen fehlen – auch, weil sich hinter dem Begriff „Pflegehotel“ verschiedene Konzepte verbergen können. Laut Rebbe-Meyer werden in den meisten Pflegehotels Pflegeleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst erbracht. Das Konzept von Rebbe-Meyer ist anders: Es handelt sich rechtlich gesehen um eine Pflegeeinrichtung, die auch Hotel- und Rehaleistungen erbringt und allen entsprechenden Prüforganen und Vorschriften unterliegt. Pflegeversicherungstechnisch gesehen handelt es sich um Kurzzeitpflege, also die stationäre Aufnahme in eine Einrichtung. Eine Tagespflege, eine Betreuung nur tagsüber, gibt es ebenfalls.

Ziel des Pflegehotels sei, dass die Pflegebedürftigen durch professionelle Pflege-, Betreuungs-, Therapieund Wohlfühlleistungen, in einer abwechslungsreichen Urlaubsatmosphäre – und wenn möglich gemeinsam mit ihren Angehörigen – wieder Kraft und Energie erhalten. „Wir dürfen uns Hotel nennen, weil wir die Annehmlichkeiten eines Hotels bieten“, sagt die Geschäftsführerin. Die Angebote gehen weit über ein Pflegeheim hinaus: In einem Raum können sich die Gäste begleitet von Meeresrauschen mit Licht bestrahlen lassen. Nebenan steht ein neues Therapiegerät für Schlaganfallpatienten. Es gibt altersgerechte Trainingsgeräte, Massagen, einen Sole- und Sauerstoffraum. Vorgeschriebene Zeiten – wie viele Minuten pro Person für die Pflege zur Verfügung stehen – gebe es hier nicht, sagt Hotelgeschäftsführerin Rebbe-Meyer. Die Kombination von Pflege und Hotel unter ständiger Beobachtung der Angehörigen sei eine große Herausforderung: „Wir dürfen nicht schwächeln“, meint sie. Zudem sei es teuer, das Personal für den Service wie in einem Hotel bereitzuhalten.“ Es ist ein schwerer Kampf, dass sich das alles am Ende des Tages rechnet.“

Ein Urlaub im Pflegehotel kostet Pflegebedürftige und Angehörige Geld. Die Pflegekasse übernimmt in der Regel nur die Pflegekosten. Unterkunft und Essen müssen selbst bezahlt werden. Etwa 150 Euro mache das bei einem Paar in der Regel pro Tag aus. Zwar gebe es theoretisch noch Zuschüsse für die pflegenden Angehörigen für ambulante Kuren, die würden aber von Kassen oft abgelehnt, sagt Rebbe-Meyer.

Für den Verein Pflegende Angehörige sind Hotels wie diese ein Modell mit Zukunft: „Das ist eine tolle Geschichte“, sagt die Vorsitzende Kornelia Schmid. Wichtig sei, dass die Hotels auch die Bedürfnisse des pflegenden Angehörigen berücksichtigten. Dass es bisher nur wenige solcher Einrichtung gebe, liege daran, dass das Thema Pflege „noch gar nicht angekommen ist in unserer Gesellschaft“. Für die Pflegekassen existieren Pflegehotels praktisch nicht. Der Einrichtungstyp sei „gesetzlich nicht vorgesehen“, sagt eine Sprecherin des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Grundsätzlich sei Kurzzeitpflege in entsprechenden Einrichtungen aber „eine hilfreiche und sinnvolle Unterstützung für den Pflegebedürftigen, aber auch die pflegenden Angehörigen“. dpa
   
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