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Zurück ins Büro: Bye-bye Home-Office

ARBEITSPLATZ: Für die meisten begann der Arbeitsalltag mit der Fahrt ins Büro – das war vor Corona. Mit dessen Ausbruch schickten zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Home Office. War dies bislang vielerorts nur in Ausnahmefällen üblich, wurde es schnell zur Normalität. Nun steht in vielen Firmen die Entscheidung an: Wann kommen die Mitarbeiter wieder zurück ins Büro?

Die Telefonkonferenz aus dem Wohnzimmer gehört für die meisten Arbeitnehmer schon wieder der Vergangenheit an. BILD: DPA

26.06.2020
Zurück ins Büro: Bye-bye Home-Office Image 1

Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitsschutz für Beschäftigte in der Verantwortung des Arbeitgebers liegt. Dieser ist verpflichtet, den Arbeitsschutz gegebenenfalls anzupassen. „In der aktuellen Situation ist daher die bestehende Gefährdungsbeurteilung zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren“, heißt es auf Nachfrage vonseiten der IHK Rhein-Neckar. Doch kann der Arbeitgeber die Rückkehr aus dem Home Office einfach erzwingen? „Generell gilt: Der Arbeitgeber darf das Arbeiten von Zuhause weder einseitig anweisen noch darf er ohne entsprechende Grundlage eine Vereinbarung zum Homeoffice – sofern es eine gab – einfach beenden“, informiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf seiner Internetseite. Firmen müssten sich hierbei an die Regeln, Fristen und Bedingungen halten, die etwa in einer Betriebsvereinbarung zur Heimarbeit festgehalten wurden.

Besonders positiv tun sich in Sachen Krisenmanagement dabei vor allem Familienunternehmen hervor. Diese setzen besonders auf Zusammenhalt und gehen auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern ein. „Dies zeigt sich dann in einer überdurchschnittlich guten Krisenperformance“, so Jan-Philipp Ahrens vom Institut für Mittelstandsforschung und Entrepreneurship der Universität Mannheim.
    
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Auf Home Office setzt auch das in Mannheim tätige Beratungsnetzwerk Ernst & Young. „Das Arbeiten von Zuhause ist bis auf weiteres unser Grundprinzip bei EY, um die Gesundheit unserer Beschäftigten und Mandaten zu sichern“, erklärt Oliver Simon, HR-Direktor für EY Deutschland. Das erhaltene Feedback von Beschäftigten und Kunden sei dabei durchweg positiv. „Das flexible Arbeiten von Zuhause, war bereits vor der Corona-Krise gelebte Praxis“, berichtet Simon. „Zusätzlich haben wir eine Vielzahl an Angeboten entwickelt, um Eltern in der Phase von Kita- und Schulschließungen zu unterstützen.“ Auch in Mannheim setze das Unternehmen auf möglichst ungebundene Arbeitsplatzgestaltung, ergänzt der Mannheimer Stadtortleiter Helge-Thomas Grathwol. „Dazu zählt prinzipiell das ortsunabhängige Arbeiten, sei es im Open Space, in Ruhezonen oder in Konferenzräumen – oder wie eben derzeit verstärkt auch von zu Hause.“ Eine Rückkehr von Angestellten an den Arbeitsplatz sei generell möglich, sagt Simon. „Das Arbeiten von Zuhause bleibt dennoch die präferierte Option.“ Trotzdem habe das Unternehmen ein umfassendes Hygieneund Abstandskonzept entwickelt. „Es wurden Arbeitsplatz-Buchungssysteme installiert, um die Auslastung der Bürokapazitäten steuern und somit die Abstandsregelungen einhalten zu können. Und allen Mitarbeitenden werden zwei Stoffmasken zur Nutzung in den Büros oder beim Mandanten zur Verfügung gestellt“, erläutert Simon.
     
Mobiles Arbeit bei Roche Diagnostics: Yvonne Penderak aus der Personalabteilung. BILD: ROCHE
Mobiles Arbeit bei Roche Diagnostics: Yvonne Penderak aus der Personalabteilung. BILD: ROCHE
Auch bei Roche setzt man auf das Arbeiten im Home Office. „Seit Beginn der Krise halten wir unsere Mitarbeitenden an, im Home Office zu arbeiten, falls sie keine geschäftskritische Tätigkeit ausführen, die ihre physische Anwesenheit erfordert“, informiert Lena Raditsch, Sprecherin des Unternehmens. Um seine Mitarbeiter in dieser lange andauernden Home-Office-Phase zu unterstützen gebe die Firma zahlreiche Hilfestellungen und Tipps. „Dazu gehören beispielsweise Empfehlungen rund um einen ergonomischen Arbeitsplatz, gesunde Ernährung, Meditation und Achtsamkeit oder Möglichkeiten, den sozialen Kontakt zu Kollegen virtuell aufrecht zu erhalten“, so Ratitsch. „Wir stellen fest, dass selbst Bereiche, die bislang selten die Möglichkeit des Home Office genutzt haben, positive Erfahrungen machen.“ Dennoch plane das Unternehmen eine Rückkehr seiner Angestellten an den Arbeitsplatz. „Seit gut sechs Wochen stocken wir die Mitarbeiterzahl am Standort nach und nach wieder auf.“ In verschiedenen Phasen, die jeweils einige Wochen andauern, werden dabei zunächst geschäftskritische Bereiche wieder aufgestockt und anschließend solche, die nach Abfrage, eine zunehmend physische Anwesenheit der Mitarbeitenden wünschen. Am Standort Mannheim arbeiten derzeit wieder über die Hälfte aller Mitarbeitenden vor Ort.

„Wir sehen derzeit, dass immer mehr Menschen an den Arbeitsplatz zurückkehren. In der Woche vom 12. bis 18. Juni haben rund 70 Prozent der Beschäftigten wieder ausschließlich vor Ort gearbeitet.“

Maximiliane Reifenscheid, Sozialforscherin und Mitarbeiterin an der Mannheimer Corona-Studie

Maximiliane Reifenscheid gehört zum Team der Universität Mannheim, dass seit Pandemie- Ausbruch die Folgen der Corona-Krise auf verschiedene Lebensbereiche untersucht. BILD: UNIVERSITÄT MANNHEIM
Maximiliane Reifenscheid gehört zum Team der Universität Mannheim, dass seit Pandemie- Ausbruch die Folgen der Corona-Krise auf verschiedene Lebensbereiche untersucht. BILD: UNIVERSITÄT MANNHEIM
Einen Trend in Richtung Rückkehr aus dem Home Office zeigt auch die Mannheimer Corona-Studie auf. Seit dem 20. März untersucht diese täglich, wie die aktuelle Krise das Leben der Menschen in Deutschland beeinflusst. Die Sozialforscher Katja Möhring, Elias Naumann und Maximiliane Reifenscheid haben sich hierin mit den sozioökonomischen Unterschieden in der Erwerbstätigkeit befasst. Inzwischen greifen auch Krisenstäbe der Bundesministerien auf die Studie zurück, um notwendige Entscheidungen zu fällen. Maximiliane Reifenscheid erklärt hierzu über die Situation in Deutschland: „Wir sehen derzeit, dass immer mehr Menschen an den Arbeitsplatz zurückkehren. In der Woche vom 12. bis 18. Juni haben rund 70 Prozent der Beschäftigten wieder ausschließlich vor Ort gearbeitet.“ Im selben Zeitraum arbeiten noch rund acht Prozent der Beschäftigten ausschließlich im Home Office. Der Trend scheint also deutlich. Zum Vergleich: Anfang Mai arbeiteten 66 Prozent der Arbeitnehmer ausschließlich vor Ort und 13 Prozent im Homeoffice.

Von Katja Tamakloe