Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil - Frühjahr 2020

Trage, was du willst

MÄNNERMODE: Designer nutzen lange verpönte Schnitte und Farben. Dazu gesellt sich eine Lässigkeit – etwa für Anzüge.

Mode ist ein Spiegel gesellschaftlicher Debatten. Das sieht man auch der aktuellen Männermode an. Typisch männliche Elemente braucht sie nicht mehr – vielmehr ist erlaubt, was gefällt und die Vielfalt ausdrückt, die in jedem Menschen steckt.

Nicht nur Frauen durchleben im Moment intensiver als noch vor einigen Jahren eine Emanzipation. „Auch viele Männer haben darauf gewartet, durch die Mode ihre innere Feminität herauslassen zu können“, sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. Selbst auf den Laufstegen der Modeschauen werden männliche Models nicht mehr wie Machos inszeniert. In der Mode im Handel fällt das konkret bei den Farben auf: Divers bezeichnet sie Patrick Pendiuk, Leiter des Online-Ressorts Mode des Männermagazins „GQ“. „Bei den Anzügen wird mitunter viel mit soften Farben gearbeitet: Pastelltöne, Off-White, Rosa, Creme.“ Für Pendiuk erleben die 80er-Jahre in der Männermode ein Comeback. Dazu gehören glänzende Stoffe. „Das reicht von Nylon bis hin zu glänzendem Satin und Seidenstoffen“, so der Modeexperten. Und das auch an Teilen, die bisher traditionell in anderen Stoffen geschneidert wurden: Die Workwearhose nennt Professor Claus Bortas von der Akademie für Mode und Design in Berlin als Beispiel. Ursprünglich wurde sie aus dickem Twill oder Denimstoff gemacht, jetzt werde ein leichter Satin verwendet. Praktisch sollen die Outfits dennoch sein. So lässt sich eine Tunika zum Beispiel mit schweren Outdoor-Sandalen kombinieren. „Funktionalität mit schickem Design“, nennt Bortas das. Auch sportlich dürfen die Outfits wirken, gefragte Elemente sind etwa die Saharajacke oder die Cargo-Hose.

„Modisch wünschten sich die Menschen im Moment mehr ,Entspannung und Bewegungsfreiheit’“, erklärt Müller-Thomkins. Darauf reagieren die Designer etwa mit weniger steifen Anzügen, die vielmehr eine Lässigkeit besitzen, „als ob man eben darin Joggen gehen könnte“, ergänzt Bortas. Und hier kommen auch wieder die für die Männermode neuen Farben ins Spiel: Statt Schwarz, Grau und Blau tragen sie nun auffällige Farben oder als dezente Alternative Pastelltöne. „Das kann ein blauer Anzug in Kombination mit einem pastelligen Blau oder Roséton sein“, sagt Pendiuk. Weniger steif zum Sakko wirken im Sommer auch die weiterhin angesagten kurzen Anzughosen. Kurze Hosen waren für Männer lange nur in der Freizeit tragbar – seit einiger Zeit aber versucht die Modewelt, sie auch in der Geschäftswelt zu etablieren. „Während die lange Hose aber schmal und locker bleibt, dehnt sich die kurze Hose aus und wird weiter“, erklärt Pendiuk. Ein Must-have der Saison für Männer haben die Experten auch schon ausgemacht: „Revershemden werden indiskutabel wichtig sein“, drückt es Pendiuk aus. Sie haben eine kastenförmige Form und werden oft in bunten Farben und wilden Mustern angeboten.

No-name-Shirts

Wer sich weder mit einem Hemd, noch etwa mit Blumenmustern anfreunden kann, für den sind die sogenannten Normcore-Shirts eine Alternative. Normcore steht für Unisex-Mode, die sich durch unauffällige Kleidung auszeichnet. Bei den Shirts heißt das etwa, dass man T-Shirts von keinen bekannten Marken trägt. Ansonsten sind weiterhin angesagt „klassische Oberhemden, die überweit und gerade geschnitten sind“, sagt Pendiuk. „Sie werden nicht in die Hose gesteckt, sondern als luftige und schlichte Kleidung getragen.“ dpa/tmn

Expertenmeinung

INSPIRATION UND SPASS

„Lässig, lockere Anzüge oder Kombinationen in Pastelltönen oder mit farbenfroh-abstrakten Mustern – aber auch in Animal-Prints – dürfen mit Sneakern oder Sandalen zu einem sportlich entspannten Look gestylt werden“, sagt Stephanie Karg, Dozentin am Berufskolleg für Mode und Design, Akademie für Kommunikation in Mannheim. „Dazu trägt Mann ein ärmelloses Tank-Top aus leichtem Strick, ein transparentes Oberteil, zum Beispiel aus Spitze, oder die Sportlichen und ganz Mutigen nackte Haut. Auffällige Statement-Sonnenbrillen, Halstücher oder eine möglichst kreative Tasche runden den Look ab. Es gilt: Die neuen Trends nicht zu ernst nehmen. Sie können Inspiration sein und sollen Spaß machen.“ imp  
  
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