Sonderveröffentlichung
Themenspecial Gesund leben!

Therapeuten am Limit

#Kreideaktion: Langfristige Verbesserungen gefordert


Im August rief die Aktionsgruppe „Therapeuten am Limit“ zur bundesweiten #kreideaktion in Deutschland auf – und das erfolgreich. In 280 Städten hatten sich rund 10 000 Menschen an den Protesten beteiligt. Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten, Podologen und Diätassistenten demonstrierten dabei gegen die sich rapide verschlechternde Versorgung von Patienten. Diese bekommen zunehmend schwieriger freie Termine bei ihren Therapeuten. Nicht alle bisherigen Leistungen wie Hausbesuche oder die Lymphdrainage können noch ausreichend abgedeckt werden. Grund hierfür sind die verheerenden und unattraktiven Rahmenbedingungen der Therapeuten. Geringe Vergütungen durch die Krankenkassen, hoher Bürokratischer Aufwand und fehlende Arbeitskräfte verschärfen die Situation der Heilmittelerbringer weiter drastisch und nötigen zunehmend mehr Kollegen zur Praxisschließung.

Aktuell liegt das durchschnittliche Bruttogehalt für eine Vollzeitstelle in Deutschland bei circa 2200 Euro. Der aktuelle Aufwand durch die bürokratischen Vorgaben der Krankenkassen wird durch die Vergütungen nicht honoriert und kostet eine durchschnittliche Praxis im Schnitt 56 Arbeitstage pro Jahr. Für alle frei en Praxen zusammen bedeutet das rund eine Milliarde Euro Verlust. Durch praktikablere und praxisnahe Lösungen, könnten die Therapeuten wieder ihrer eigentlichen Profession nachgehen und junge Therapeuten aus der Physio-, Ergo- und Logopädie würden nicht so häufig frühzeitig das Handtuch werfen.

Bei der #kreideaktion malten Therapeuten daher den Schriftzug „Therapeuten am Limit“ auf öffentliche Wege und Straßen, um mit Passanten über ihre Situation ins Gespräch zu kommen. Dass die Not deutschlandweit sehr groß ist, zeigte sich schon in der Organisation. Innerhalb weniger Wochen hatten sich zahlreiche Orts- und Regionalgruppen gebildet. Diese planten den Protesttag bei sich vor Ort.

Die bundesweite Protestbewegung ging auf eine Aktion von Heiko Schneider zurück, der zu Beginn des Jahres mit dem Fahrrad von Frankfurt am Main nach Berlin gefahren war, um seinen und 1000 weitere Brandbriefe Jens Spahn im Bundesgesundheitsministerium zu übergeben. Denn die schlimmen Bedingungen für die Heilmittelerbringer durch die Krankenkassen gefährden nicht nur deren Zukunft, sondern auch die Grundversorgung der Bevölkerung mit notwendigen Heilmitteln vor Ort. red
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