Sonderveröffentlichung
Themenspecial Immojournal Mai 2020

Tausende Mieter haben Geldsorgen

Tausende Mieter haben Geldsorgen

Trotz Geldsorgen bei den Mietern, halten sich die Mietausfälle bei den großen Wohnungsunternehmen in Grenzen. BILD: DPA-TMN

19.05.2020
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Tausende Mieter in Deutschland haben sich in der Corona-Krise wegen Geldsorgen an ihre Vermieter gerichtet. Da viele Menschen in der Pandemie mit weniger Einnahmen zurechtkommen müssen, häufen sich die Anfragen. Die Mietausfälle zumindest bei großen Wohnungsunternehmen halten sich aber in Grenzen, zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Immobilienkonzernen sowie Mieter- und Eigentümerverbänden. Demnach hat die Pandemie die allermeisten Mieter bislang nicht in große finanzielle Nöte gestürzt.

Bei einer Umfrage für den Eigentümerverband Haus & Grund haben mehr als drei Viertel der befragten Mieter angegeben, sie hätten aktuell genug Einkommen und Rücklagen oder erhielten staatliche Hilfe, um ihre Miete zahlen zu können. Etwas mehr als sechs Prozent berichteten, bei ihnen führten Einkommenseinbußen wegen der Pandemie dazu, dass sie die Miete nicht zahlen könnten, so Haus & Grund. „Noch wirken viele Auffangmaßnahmen, die es den Mietern ermöglichen, weiter ihre Miete zu zahlen“, sagte Verbandspräsident Kai Warnecke. Die Maßnahmen liefen jedoch irgendwann aus. „Wir befürchten, dass dann die Zahl derer, die nicht mehr zahlen können, deutlich steigt.“
Bowien & Bowien GmbH
In den meisten Wohngeldstellen der Städte sind die Anfragen von Mietern seit Mitte März deutlich gewachsen, berichtete der Deutsche Städtetag. „Der Beratungsbedarf in Folge von Corona ist enorm“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. Meist gehe es aber um eine erste allgemeine Beratung und nicht um vollständige Wohngeldanträge. „Deshalb rechnen die Wohngeldstellen mit einer deutlichen Steigerung vollständiger Wohngeldanträge erst im Verlaufe dieses Monats“, erklärte Dedy.

Bei Berlins größtem Vermieter Deutsche Wohnen sind bisher beispielsweise rund 1100 Anfragen von Mietern eingegangen, berichtete der Konzern auf Anfrage. In der Mehrzahl gehe es um vorfühlende Schreiben, wonach es Probleme geben könnten, erklärte der Immobilienkonzern, der mehr als 160 000 Wohnungen besitzt. Tatsächliche Mietausfälle seien die Ausnahme.
Schimmelfuchs Roland Palz
Kündigungen von Mietern wegen Zahlungsproblemen seien in der Corona-Krise ausgeschlossen ebenso wie Mieterhöhungen, betont das Unternehmen. „Es wird keine Zwangsräumungen geben.“ Man habe Möglichkeiten wie Stundungen aber auch Mietenverzicht.

Die Bundesregierung hatte beschlossen, Mieter in der Corona-Krise bei Zahlungsschwierigkeiten zu schützen. So dürfen Eigentümer Mietern nicht kündigen, wenn diese wegen der Corona-Krise die Miete nicht zahlen können. Das gilt für Mietschulden von April bis Ende Juni. Erst, wenn Mieter die Zahlungsrückstände aus diesem Zeitraum nach zwei Jahren nicht beglichen haben, kann ihnen gekündigt werden.
Der Deutsche Mieterbund vermutet, dass sich die Pandemie erst zeitverzögert bei den Menschen niederschlägt. Bei den Vereinen gebe es bereits Beratungen wegen Zahlungsschwierigkeiten aufgrund der Corona-Krise. Wahrscheinlich werde die Zahl der Menschen, die ihre Miete nicht oder nicht vollständig zahlen könnten, steigen, je länger sie von Kurzarbeit oder Einkommensausfall betroffen sind.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert, den gesetzlichen Kündigungsschutz für Mieter in der Corona-Krise bis mindestens Ende September zu verlängern. „Es ist absehbar, dass die wirtschaftlichen Folgen der Krise über den Juni hinaus zu spüren sein werden“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Bei vielen Beschäftigten in Kurzarbeit würden die finanziellen Reserven bald aufgebraucht sein. Vor allem Geringverdiener und Familien werden Schwierigkeiten haben, auflaufende Mietschulden abzustottern, vermutet der DGB. dpa