Sonderveröffentlichung
Themenspecial Nur Mut

Limburgerhof: Alte Kampfkunst auf neuen Wegen

SPORTVEREINE: おはようございます – das ist Japanisch und heißt auf Deutsch „Guten Morgen“. Der kleine Jan aus Limburgerhof weiß das, gehört es doch zu seinem wöchentlichen Lernpensum. Nein, der Sechsjährige will nicht in das Land der Morgenröte auswandern. Dieses neue Wissen hat Jan der Corona-Krise zu verdanken. Statt zu resignieren, hat sein Verein der Tatsu-Ryu-Bushido Limburgerhof (TRB) während der Pandemie besonders viel Kreativität bewiesen.

Endlich wieder gemeinsames Training im Freien: Mitglieder des TRB Limburgerhof bei einer Übungseinheit im Park.

26.06.2020
Alte Kampfkunst auf neuen Wegen Image 1

Schon vor dem Shutdown haben wir geahnt, dass da etwas auf uns zukommt und sehr früh reagiert“, erinnert sich Christian Wiederanders, Gründer und Leiter des TRB. Statt in Angst und Stillstand zu verfallen, gingen die Verantwortlichen in die Offensive und setzten ganz auf digitale Online-Technik. „Mit einer Kommunikationssoftware für Online-Konferenzen und -Unterricht haben wir schnell ein adäquates Programm für Mitglieder und Interessierte zur Verfügung gestellt, das benutzerfreundlich ist und den direkten Live-Kontakt ermöglicht“, erklärt Wiederanders, der im IT-Bereich tätig ist. Der Athlet mag es, die traditionelle Kampfsportart seines Vereins mit modernster Technik zu verbinden. Neue Wege zu gehen, ist deshalb kein Problem für Wiederanders. Bereits zu den Anfängen des Vereins war es sein Hauptanliegen diese traditionelle Kampfsportart, die auf den Künsten des japanischen Schwertkämpfers Miyamoto Musashi und seiner Lehre der fünf Elemente basiert, im modernen Gewand zu vermitteln.
   
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1987 hatte er den Vorgänger seines Vereins als Kampfkunst-AG/Freizeitgruppe ins Leben gerufen. Vier Jahre später wurde der eingetragene Sportverein „Sport Club Limburgerhof e.V.“ – später Budo-Club-Limburgerhof e.V. und heute „Tatsu--Ryu-Bushido Limburgerhof e.V.“ – gegründet. Inzwischen sind 300 Sportbegeisterte dort Mitglied. Viele davon – Wiederanders schätzt fast 90 Prozent – haben das Online-Angebot des Vereines genutzt und tun es auch zurzeit noch. „Zunächst einmal war es unser Bestreben während des Kontaktverbots unsere Mitglieder und Interessierte zu erreichen und weiterhin zu unterrichten“, betont der Vorsitzende.
   
Der Verein Tatsu-Ryu-Bushido Limburgerhof ist längst im digitalen Zeitalter angekommen
Der Verein Tatsu-Ryu-Bushido Limburgerhof ist längst im digitalen Zeitalter angekommen
Vor allem um die Kinder sorgten sich die Verantwortlichen. „Keine Schule, Spielplätze geschlossen, kein Unterricht im Verein und kein Kontakt zu Freunden. Da kam uns die Idee ein gutes Wochenprogramm auf die Beine zu stellen, dass neben praktischen Übungen auch einen Theorieunterricht im Angebot hat“, berichtet der Kampfsportler. Und da die Sportart des Vereins aus Japan kommt, lag es nahe, den Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren Begriffe in dieser Landesprache beizubringen. Aber auch die Bedeutung der Gürtel stand auf dem Stundenplan. Zahlreiche Kinder loggten sich dazu regelmäßig ein. „Es hat uns allen so viel Spaß gemacht, dass wir es vermutlich auch noch in den Zeiten nach Corona beibehalten werden“, so Wiederanders. „Wir haben aber natürlich mehr als nur Unterricht gegeben. Wir haben auch Seminare und Vorträge organisiert“, erzählt der IT-Spezialist. So gab es ein Fitness-Programm, Infos in Sachen Datenschutz und auch der Kinderschutzbund Landau kam zu Wort. Über 80 Stunden hat das Team bisher absolviert und sogar Fans an Nord- und Ostsee gewonnen. Hierbei nutzte der Tatsu-Ryu-Bushido Limburgerhof die sozialen Medien als Werbeplattform.
    
Wie kann man sich so einen Online-Unterricht eigentlich vorstellen? „Wir waren immer zu zweit. Ein Trainer hat die Übungen vorgeführt. Der andere hat die Teilnehmer bei der Ausführung beobachtet und bei Bedarf korrigiert oder Hinweise gegeben. Es ist fast wie Live-Training. Nur, dass der unmittelbare Kontakt fehlt“, sagt Wiederanders. Doch gerade Live-Training hat für den Sportbegeisterten natürlich seinen eigenen Reiz. „Denn so schön es auch ist, über Laptop und Co. fehlt der unmittelbare Austausch“, beschreibt der Rheinland-Pfälzer das Feeling. Schon deshalb war er mit seinem Verein gleich einer der ersten, die die Chance nutzten, wieder Training im Freien abzuhalten. Am 17. Mai fand der erste Unterricht mit Mitgliedern im Park von Limburgerhof statt. „Wir haben natürlich alle Vorschriften und Regeln, was Abstand und Hygiene betrifft, eingehalten“, sagt der Trainer, der jetzt den Outdoor-Unterricht auch die kommenden Sonntage wieder anbieten will. Der Zuspruch sei bisher etwas bescheiden. „Die Leute sind zurückhaltend. Sie haben noch etwas Angst und natürlich ist es nicht unbedingt angenehm mit Maske zu trainieren. Aber immerhin waren zwölf Mitglieder vor Ort“, zeigt Wiederanders Verständnis für seine Schützlinge.
  
Christian Wiederanders. BILDER: TATSU-RYU-BUSHIDO LIMBURGERHOF
Christian Wiederanders. BILDER: TATSU-RYU-BUSHIDO LIMBURGERHOF
Konkurrenz mache ihm dabei natürlich auch sein eigener Online-Unterricht. „Da fühlen sich die Menschen im Moment noch sicherer. Aber ich muss sagen, ich habe den Kontakt vermisst“, gibt der Sportler offen zu. Er ist sich sicher, dass bald wieder mehr Teilnehmer dabei sein werden. Nach der Krise will er sich der Website widmen. „Die wollen wir umstrukturieren, das ist durch Corona etwas ins Hintertreffen geraten. Aktuell sind wir jedoch durch Facebook und vor allem durch unsere eigene App sehr präsent“, sagt der Vorsitzende. Auch schon bei der App hat der TRB Mut für Fortschritt bewiesen. „Unsere App kann im Google- oder Apple-Store heruntergeladen werden. Darauf finden Interessierte natürlich auch alles über unseren Online-Unterricht, aktuelle Termine, Infos über uns und sogar ein Quiz haben wir installiert“, freut sich Christian Wiederanders.

Von Swenja Knüttel