Sonderveröffentlichung
Themenspecial 150 Jahre Galopprennsport in Mannheim

Sympathie vor Geldpotenzial

Stephan Buchners Trainerherz schlägt nicht nur für Gewinner


Mit dem Ehrgeiz von Schalke wäre Kashani ein richtig guter Galopper“, vergleicht Besitzertrainer Stephan Buchner sein derzeitiges Rennpferd mit einer ehemaligen Stute, die ihm besonders ans Herz gewachsen ist. „Ich lernte sie 2001 in Iffezheim kennen, wo ich – damals ohne eigenes Pferd – für andere Trainer ritt. Schalke war eher erfolglos, ich kaufte sie für 1000 D-Mark und hatte fünf Jahre mit ihr sehr viel Spaß.“ Sie erreichte meistens die Geldränge, für den dauerhaften ganz großen Erfolg fehlte ihr aber der Speed. Den hätte Kashani. Doch dem fünfjährigen mangelt es an Ehrgeiz. „Er läuft nur, wenn er Lust hat. Wenn nicht, hört er plötzlich auf. Im Gegensatz zu Schalke interessieren ihn andere Artgenossen überhaupt nicht. Deswegen kann man mit ihm im Wald und auch sonst überall wunderbar reiten. Schalke wollte andere Pferde unbedingt überholen.“

Schon aus dieser Schilderung wird klar, dass der Rechtsanwalt, der in vier Berufen seine Brötchen verdient (Kanzlei, Geschäftsführer M3, Geschäftsführer des Galopp-Dachverbandes BGG, sportlicher Leiter der Rennbahn in Leipzig) seine Pferde nicht nach ihrem Geldpotenzial aussucht, sondern nach Sympathie. Denn auch die erste Begegnung 2016 mit Kashani war keine mit einem Sieger. Im Gegenteil. „Er gefiel mir einfach, auch wenn er Letzter wurde. Ich kaufte ihn, obwohl er sich verletzte. Unsere Zusammenarbeit begann also mit einer langen Sport-Pause.“ Fünfmal ist der Fuchswallach bisher gelaufen, sein fünfter Platz im Juni in Mannheim machte dem Coach viel Hoffnung. „Da zeigte er erstmals Kampfgeist.“

Buchners Liebe zu Pferden und dem Rennsport begann vor 30 Jahren. „Ich studierte Ende der 80er Jahre in Heidelberg Jura, hatte eine Freundin, die aus dem Schwarzwald zu mir zog und unbedingt auch hier reiten wollte. Wir fanden ein Pferd bei Horst Rudolph, und ich besuchte mit ihr auch einen Renntag in Frankfurt. Dort wurde ich vom Virus infiziert“, beschreibt der gebürtige Würzburger, der mit 16 nach Mannheim kam, seine erste Berührung mit dem Turf. „Ich wollte ein eigenes Pferd und als ich nach dem Studium mein erstes Geld verdiente, kaufte ich mir 1994 eines.“ Daraus wurden bald sogar drei, die beim Berufstrainer Klaus Wilhelm im Saarland standen. An den Wochenenden ritt Buchner seine Tiere selbst. „Mit der richtigen Statur wäre ich bestimmt Jockey geworden.“ 1998 machte er die Lizenz zum Besitzertrainer, feierte mit Nightrain auf Anhieb einen Sieg und lernte nach einer kurzen pferdelosen Phase 2001 Schalke kennen und lieben.

Seit vielen Jahren engagiert er sich ehrenamtlich und nebenberuflich im Turf – unter anderem für den Badischen Rennverein Mannheim-Seckenheim (BRV) –, ab Ende 2013 arbeitete er sogar hauptberuflich als Hoppegarten-Geschäftsführer in Berlin. 2016 kam er mit seiner Frau Natascha und der damals 14-jährigen Tochter Chiara zurück nach Mannheim und fasste sofort an allen seinen alten Wirkungsstätten wieder Fuß. Im Sattel von Kashani findet er beim täglichen Training (zwei Stunden reiten, eine Stunde Stallarbeit) Ausgleich zum Beruf, dazu an den Renntagen auch den durchaus gewünschten Nervenkitzel. „Meine Familie unterstützt mich. Während meine Frau allerdings vor Pferden großen Respekt hat, reitet meine Tochter selbst. Doch fanatisch ist sie nicht. 80 Prozent der familiären Leidenschaft entfallen auf mich.“ sd

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