Sonderveröffentlichung
Themenspecial Nur Mut

Vom „Denkarbeiter“ zum „Handarbeiter“

ROCHE DIAGNOSTICS: Zusammen halten, gemeinsam stark sein – für die Mitarbeiter des Pharmakonzern Roche sind das nicht nur einfach gesagte Floskeln. Im Gegenteil. Während der Corona Pandemie zeigten die Kollegen mit einer ungewöhnlichen Initiative, was Solidarität bedeutet. „„Standig Together“ heißt das Projekt, bei dem in der Hochphase rund 200 Mitarbeiter den Arbeitsplatz wechselten und in Unternehmensbereichen aushalfen, in denen Not am Mann war.

Zwei von rund 200 Mitarbeitern am Mannheimer Standort von Roche Diagnostics, die das Solidaritätsprinzip tatkräftig mit Leben gefüllt haben: Péter Brantzen und Gerlinde Franz haben in der Pandemie-Hochphase den Kolleginnen und Kollegen in anderen Abteilungen unter die Arme gegriffen, in denen Engpässe entstanden waren. BILDER: ROCHE DIAGNOSTICS

26.06.2020
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Mitte März hatten wir den Großteil der Belegschaft ins Home Office geschickt. Gleichzeitig mussten viele Bereiche vor Ort die Lieferfähigkeit von lebenswichtigen Medikamenten und Diagnostika sicherstellen. Anfang Mai kam dann noch der SARS-CoV-2- Antikörpertest dazu und viele Abteilungen, wie beispielsweise die Diagnostik-Produktion hatten alle Hände voll zu tun. Viele Mitarbeitende, die ihrer Arbeit von zuhause aus nicht mehr wie gewohnt nachgehen konnten und somit Kapazitäten übrig hatten, signalisierten ihre Bereitschaft, in den geschäftskritischen Bereichen zu unterstützen“, erinnert sich Asli Feick, die Initiatorin des Projekts „Standing Together“. Eine Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft schwappte durch das ganze Unternehmen. Innerhalb nur einer Woche wurde das Projekt auf die Beine gestellt und für die Mitarbeitenden an den Standorten Mannheim und Penzberg angeboten. „Damit kamen wir dem Wunsch vieler Kolleginnen und Kollegen nach, dort zu helfen und anzupacken, wo Unterstützung am dringendsten benötigt wird“, blickt Feik zurück. 200 freiwillige Helfer machten mit und sind zum Teil noch mit dabei. „Wir haben die Initiative Ende März gestartet. Mittlerweile normalisiert sich die Situation in den geschäftskritischen Bereichen aber immer weiter, weshalb auch der Bedarf an Unterstützung weniger wird. Wir gehen daher davon aus, dass wir die Initiative nach und nach ausklingen lassen werden“, betont die Initiatorin. Sofort Feuer und Flamme waren auch Susanne Miedreich, Péter Brantzen, Gerlinde Franz, als sie von dem Projekt hörten.

Was war der Ansporn, über den Tellerrand des eigenen Jobs zu schauen und mitzuhelfen?

Péter Brantzen: Ich habe keine Sekundegezögert. Während der SARS-Pandemie 2002/ 2003 war ich in der Luftfahrtbranche tätig und damals in Kurzarbeit beschäftigt. Neben einem spürbar gekürzten Gehalt, war vor allem die Unsicherheit und Angst um meinen Arbeitsplatz zu dieser Zeit allgegenwärtig. Heute bin ich in einer anderen Branche tätig und es bewegt mich sehr, dass in der Corona-Krise alle Mitarbeitenden bei Roche weiter voll bezahlt werden – dies empfinde ich als großes Privileg. Von daher war es meine Art, meine Dankbarkeit zu zeigen und etwas zurückzugeben.

Susanne Miedreich: Der Großteil meiner Familie arbeitet im Krankenhaus. Sie arbeiten draußen, in vorderster Reihe und packen im wahrsten Sinne des Wortes an. Und das wollte ich auch machen: rausgehen, anpacken, etwas Physisches tun! Das war mit dem Standing Together-Projekt möglich und der Grund wieso ich ohne lange zu überlegen diese Chance ergriffen habe.

Gerlinde Franz: Ich arbeite seit 26 Jahren bei Roche, habe noch bei Boehringer Mannheim meine Ausbildung gemacht und mich im Anschluss im Unternehmen kontinuierlich weitergebildet. Als ich nun von ‚Standing Together’ gehört habe, war mir klar, dass ich meiner Firma auch mal etwas zurückgeben kann und möchte.Für mich ist es wichtig, dass man nicht alles als selbstverständlich nimmt, sondern auch dankbar ist.

Wie ist es in andere Bereiche hineinzuschnuppern?

Péter Brantzen: Ich habe einen Bereich kennengelernt, von dem ich vorher nicht einmal wusste, dass es ihn gibt. Ich bin vom ‚Denkarbeiter zum Handarbeiter’ geworden. Eine Woche lang durfte ich an unserer Handverpackungslinie in der Spätschicht mitarbeiten. Und die Arbeitsumgebung am Band ist ganz anders als ich das aus meinem Büroalltag gewohnt bin: es ist ein komplett anderes Arbeitsumfeld, der Geräuschpegel ist höher als am Schreibtisch und die Arbeit am Fließband körperlich anspruchsvoll. Mein Respekt gegenüber den Kolleginnen und Kollegen in der manuellen Produktion ist nochmals gestiegen und ich kann es jedem empfehlen dies, wenn sich die Möglichkeit ergibt, auszuprobieren und selbst die Erfahrung zu machen.

Susanne Miedreich: Einfach super und es hat meinen Horizont erweitert! Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit und es war interessant einen weiteren Teil unseres großen Unternehmens kennenzulernen. So war mir zuvor auch nicht bewusst, wie viel unserer Produkte manuell verpackt werden.

Gerlinde Franz: Ich wurde sehr freundlich und von Beginn an als vollwertiges Teammitglied aufgenommen, was mir nicht nur den Einstieg sehr erleichtert, sondern vor allem auch sehr viel Freude bereitet hat. Deshalb war für mich eigentlich auch das Zurechtfinden in einem neuen Gebäude die größte Herausforderung (lächelt). Und auch die Schichtarbeit, die sich je Woche ändert, war für mich eine neue Erfahrung.
    
Auch Susanne Miedreich war für das Projekt „Standig Together“ mit Eifer bei der Sache.
Auch Susanne Miedreich war für das Projekt „Standig Together“ mit Eifer bei der Sache.
Was hat Ihnen am besten gefallen?

Péter Brantzen: Dieses unglaublich große Zusammengehörigkeitsgefühl. An der Verpackungslinie werden wichtige Produkte verpackt, die zeitkritisch sind und dies stärkt das Teamgefüge zusätzlich. Der Produktionsbereich ist aufgrund der angepassten Schichtzeiten in dieser Zeit und der hohen Nachfrage nach den Produkten personell angespannt und so waren wir in meiner Schicht beispielsweise ungefähr 30 Prozent an Kolleginnen und Kollegen, die dort als freiwillige Helfer unterstützten. Ich bin glücklich, dass ich auf diese Weise einen Beitrag leisten konnte, dass diagnostische Tests in der gewünschten Menge und in der vorgesehenen Zeit ausgeliefert werden konnten. Denn in meiner alltäglichen Tätigkeit im Personalbereich komme ich sonst nur selten unmittelbar mit unseren Produkten in Kontakt.

Susanne Miedreich: Die Möglichkeit zu haben, in solch einer Situation neue Kollegen und Kolleginnen kennenzulernen und am Ende des Tages mit dem Gefühl nach Hause zu gehen, etwas getan zu haben, damit wir alle diese Krise bestmöglich überstehen.

Gerlinde Franz: Vor allem die Organisation des Projektes hat mir sehr gut gefallen. So sind, von meinem Entschluss bei Standing Together mitzumachen bis zu meinem „ersten Arbeitstag“ lediglich drei Tage vergangen. Und das zeigt einem, dass man wirklich gebraucht wird und dieses Gefühl ist es, wofür wir das doch auch alle so gerne machen (lächelt).

Hat das die Einstellung zum eigenen Einsatzgebiet beeinflusst?

Péter Brantzen: Auf jeden Fall. Vieles wird mit der Zeit irgendwie als selbstverständlich hingenommen und eine solche Zeit wie wir sie aktuell erleben, lässt einen nochmals stärker reflektieren. Mir ist nochmal sehr bewusst geworden, wie gut es mir eigentlich geht und was für eine top Arbeitsumgebung ich habe. Ich gehe meiner Arbeit mit einer größeren Dankbarkeit nach.

Susanne Miedreich: Ja, sehr sogar. Denn es hat mir gezeigt, wie flexibel und abwechslungsreich wir arbeiten dürfen.

Gerlinde Franz: Klar! Ich musste mehr körperlich arbeiten, war viel unterwegs. Das ist natürlich zur Laborarbeit, die ich sonst verrichte, ein großer Unterschied. Mein Respekt gilt hierbei vor allem den „Mädels“ des Teams, in dem ich eingesetzt wurde. Sie leisten großartige Arbeit!

Wie hat sich seitdem das Verhältnis zu den Kollegen geändert?

Péter Brantzen: Zum einen habe ich neue Kollegen kennen gelernt und damit mein persönliches Netzwerk erweitert. Und ich werde diese neuen Kontakte definitiv weiter pflegen. Und zum anderen war ich der erste aus meinem Personalbereich, der im Rahmen der Initiative Standing Together erfolgreich an einen anderen Bereich vermittelt wurde. Das hat sich nicht nur schnell herumgesprochen, sondern vor allem viele meiner HR-Kollegen bewegt, sich ebenfalls zu engagieren.

Susanne Miedreich: Viele meiner Kolleginnen und Kollegen fanden meine Initiative sehr positiv, waren aber auch überrascht, dass ich mich ‚raus traue’. Grundsätzlich hat sich aber an dem Verhältnis zu ihnen, da dieses bereits zuvor sehr gut war, nichts verändert.

Gerlinde Franz: „Die meisten meiner Kollegen fanden meinen Einsatz sehr positiv, vor allem unsere Abteilungsleitung unterstützte die Aktion. Manche waren jedoch auch über meine Initiative verwundert und fragten sich warum man das „sichere“ Homeoffice verlässt. Ich auf jeden Fall, will die Zeit nicht missen und würde mich wieder melden.

Was sagen die Familien dazu, was Kollegen, die vielleicht nicht mit dabei sind?

Péter Brantzen: Ich habe ausschließlich positive Resonanz erhalten. Viele haben das als ein starkes Signal gesehen. Manche haben sogar vorgeschlagen, solche Arbeitseinsätze auch in normalen Zeiten zu machen. Und ich konnte das Ganze auch nur machen, weil sich meine Lebensgefährtin in der Zeit um unseren dreijährigen Sohn gekümmert hat.

Susanne Miedreich: Ich konnte nur teilnehmen, weil ich die Unterstützung meines Vorgesetzten und meines Team hatte – wofür ich sehr dankbar bin. Meine Familie war begeistert von der Idee und auch jeden Tag sehr interessiert wie es war. Auch wenn es natürlich verglichen mit einem Krankenpfleger oder einer Krankenschwester ein eher kleinerer Beitrag ist.

Gerlinde Franz: Meine Familie hat mich in meiner Entscheidung an der Initiative teilzunehmen bestärkt. Besonders meine drei Kinder, die schon im Teenageralter sind und sich zuhause um alles kümmerten. Ich selbst komme aus einer Großfamilie, da war es kein Thema, da wir zum Helfen erzogen wurden. Anpacken wo es nötig ist, das war immer die Devise. Meine Mutter, sie hat sechs Kinder großgezogen, sagte nur, als ich ihr von der Initiative und meinem Einsatz erzählte: „Da scheine ich alles richtig gemacht zu haben.

Und was hat das Unternehmen daraus mitgenommen? „Gerade in turbulenten Zeiten ist Solidarität wichtig, denn Herausforderungen sind leichter zu meistern, wenn alle an einem Strang ziehen. Wie gelebte Solidarität aussieht, haben die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer gezeigt, die im Rahmen von ‚Standing Together’ dort angepackt haben, wo Unterstützung gerade am dringendsten benötigt wurde“, betont Asli Feick.

Von Swenja Knüttel