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Raus ans Licht

Kurzsichtigkeit: Wie man der Myopie vorbeugen kann


In der Nähe ist alles klar, doch ferne Gegenstände verschwimmen. Sie lassen sich bestenfalls mit zusammengekniffenen Augen erkennen. Dazu kommen Kopfschmerzen und matte Augen. Bei diesen Anzeichen empfiehlt sich ein Termin beim Augenarzt. Es könnte eine Myopie dahinterstecken, besser bekannt als Kurzsichtigkeit.

Wie erkennt man, dass man kurzsichtig ist? Der griechische Begriff „myops“ bedeutet so viel wie blinzeln – ein typisches Anzeichen für Myopie. Betroffene erkennen in der Ferne weniger, sehen aber in der Nähe klar. Augenärzte bezeichnen das nicht als Krankheit, sondern als Abweichung von der Norm.

Eine unkorrigierte Kurzsichtigkeit kann schwere Folgen wie eine Netzhautablösung nach sich ziehen. Darum sollte sie frühzeitig von einem Augenarzt diagnostiziert werden. Er verwendet dafür spezielle Geräte, die durch den Einsatz von Lichtstrahlen die Brechkraft des Auges messen. Mit einem zusätzlichen Sehtest überprüft der Arzt die Ergebnis – und bestimmt dann, welche Brillengläser oder Kontaktlinsen der Patient für eine klare Sicht benötigt.

Was macht ein Auge kurzsichtig? „Kurzsichtigkeit entsteht meist dadurch, dass der Augapfel physikalisch gesehen zu lang ist“, erklärt Professor Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen. Beim Sehen fällt das Licht eines entfernten Gegenstands durch die Augenlinse auf die Netzhaut. Die Augenlinse bricht die Strahlen in einem bestimmten Winkel nach innen.

Der Winkel wird gesteuert von Muskeln, die die Linsenkrümmung und damit die Brennweite der Linse verändern. Diese Muskeln sind bei der Nahsicht angespannt, die Linse ist mehr gekrümmt. Das Bild wird auf der Netzhaut scharf abgebildet. Beim Sehen in die Ferne entspannen sich die Muskeln, die Linse wird flacher und die Brennweite länger. Da der Augapfel eines Kurzsichtigen zu lang ist, wird das Bild kurz vor der Netzhaut abgebildet. „So erzeugt ein um einen Millimeter zu langes Auge beim Erwachsenen eine Myopie von 2.7 Dioptrien“, sagt Schaeffel.

Was sind die Ursachen für Kurzsichtigkeit? Kurzsichtigkeit entwickelt sich meistens zwischen dem sechsten und dem 25. Lebensjahr, sagt Wolfgang Wesemann, fachlicher Berater für die Initiative Kuratorium Gutes Sehen. Warum der Augapfel bei manchen Menschen zu lang wird, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Veranlagung sei dabei eher nebensächlich, sagt Ian Morgan vom Forschungsinstitut für Biologie an der Australian National University in Canberra. Stattdessen machen Forscher Umweltfaktoren für die Entwicklung verantwortlich.

Heute verbringen Kinder viel Zeit drinnen – beim Lesen und Schreiben in der Schule, mit einem Buch, vor dem PC oder Smartphone zu Hause. Dieses ständige Nahsehen und vielleicht auch der Mangel an Tageslicht scheinen Kurzsichtigkeit zu begünstigen. Warum das allerdings so ist – da tappt die Wissenschaft immer noch im Dunkeln.

Kann Kurzsichtigkeit behandelt werden? Das Fortschreiten der Myopie kann man nur im Schulalter beeinflussen, sagt Wissenschaftler Morgan. Kinder sollten so viel wie möglich im Freien spielen und so auch für die Augen einen Ausgleich schaffen. Eine hemmende Wirkung auf das Fortschreiten der Myopie können laut Schaeffel auch Augentropfen mit dem aus der Tollkirsche gewonnenen Wirkstoff Atropin sowie spezielle Linsen haben.

Und bei Erwachsenen? Wenn die Myopie bei Erwachsenen erst mal da ist, bekommt man sie nicht mehr weg, sagt Wesemann. Ab 30 Jahren kann man lediglich etwas gegen die Symptome unternehmen. Betroffene sollten eine passende Brille oder Kontaktlinsen tragen. Angst, dass sie dadurch immer kurzsichtiger werden, müssen sie nicht haben: Dieser Mythos sei mittlerweile widerlegt worden. Wichtig ist aber, dass Betroffene eine genau auf ihre Bedürfnisse angepasste Sehhilfe tragen. Für eine regelmäßige Überprüfung der Sehstärke reicht der Besuch beim Optiker, solange keine Beschwerden auftreten. dpa-tmn

Das Augenlicht – ein kostbares Gut 

Doppeltsehen, Blitze, Rußregen: Bei welchen Symptomen ein Arztbesuch sinnvoll ist

Viele Menschen wollen nicht mit jedem Zipperlein zum Arzt gehen. Brennt oder juckt das Auge zum Beispiel, warten sie lieber erstmal ab. Tatsächlich entwickeln sich viele Augenerkrankungen nur langsam. Es gibt aber auch Situationen, in denen es auf jede Minute ankommt. Der Berufsverband der Augenärzte erklärt, welche das sind.

Lichtblitze: Wer Blitze sieht, ohne dass es tatsächlich in seiner Umgebung blitzt, sollte sofort zum Augenarzt gehen. Die Wahrnehmung von Lichtblitzen kann ein Zeichen für den Beginn einer Netzhautablösung sein. Zum Beispiel mit einer Laserbehandlung kann der Arzt eventuell verhindern, dass die Netzhaut weiter Schaden nimmt.

Farbige Ringe: Sieht jemand farbige Ringe um Licht quellen herum, deutet das auf einen starken Anstieg des Augendrucks hin – einen sogenannten Glaukomanfall. Dabei droht der Patient zu erblinden. Deswegen ist schnelles Handeln gefragt. Ein anderes Anzeichen für einen Glaukomanfall sind starke Schmerzen im Auge.

Rußregen: Rieseln kleine schwarze Punkte von oben nach unten durchs Auge, gab es möglicherweise eine Blutung im Auge.

Doppelbilder: Dass man Dinge doppelt sieht, kann mehrere Ursachen haben – darunter sind auch ernstzunehmende Erkrankungen. So können Doppelbilder durch eine Entzündung in der Augenhöhle, einen Tumor oder einen Schlaganfall verursacht werden. Weil dann eine schnelle Behandlung entscheidend ist, sollten Patienten nicht abwarten, sondern schnell zum Arzt gehen.

Rotes Auge: In trockener Luft zum Beispiel kann es passieren, dass das Auge kurz gerötet ist. Geht die Rötung aber nicht von allein zurück, kann das auf eine ernste Entzündung hindeuten. Auch damit ist nicht zu spaßen – sie kann sogar zum Sehverlust führen.

Schlecht sehen: Lässt das Sehvermögen ganz plötzlich nach oder sieht jemand von jetzt auf gleich nichts mehr, steckt eventuell ein Arterienverschluss dahinter. Darauf kann ein Schlaganfall folgen. Auch deshalb schnelles Handeln wichtig. dpa-tmn

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