Sonderveröffentlichung
Themenspecial Generation 50 Plus

Powerfrau auf und neben der Eisfläche

PERSÖNLICH: Wie MERC-Vizepräsidentin Gundi Pawasserat den Alltag zwischen Klinikum, Familie und Short-Track-Training meistert.

In ihrem Element: Gundi Pawasserat gibt auf der Eisbahn Gas. BILD: MICHAEL RUFFLER

23.10.2019
Von Sibylle Dornseiff 

Gundi Pawasserat ist eine Powerfrau, die seit Jahrzehnten ein enormes Pensum mit Familie, Beruf und Hochleistungssport erledigt und dabei immer gut gelaunt ist. An erster Stelle steht für die 56-Jährige aus Oggersheim die Familie mit Ehemann, vier Kindern zwischen knapp zwölf und 31 Jahren sowie dem zweijährigen Enkel Luke. Sport und Arbeit sind gleichrangig, denn eigentlich sind es zwei Berufe, die sie ausübt. In dem als Krankenschwester im Klinikum Ludwigshafen verdient sie Geld, den Job als Short-Track-Trainerin übt sie seit 1992 ehrenamtlich aus. Siebenmal pro Woche, mindestens zweieinhalb Stunden, es können durchaus auch mal vier sein. Darüber hinaus ist sie nicht nur Ehrenmitglied, sondern auch Vizepräsidentin und Abteilungsleiterin des Mannheimer ERC. „Der Verein funktioniert sehr gut, wir arbeiten alle toll zusammen. Ohne Spaß an der Sache würde es nicht gehen“, erklärt sie.

Ehemann Rudolf, den sie 1988 heiratete, macht alles klaglos mit. „Er hat mich und die Kinder schon immer unterstützt, er ist sehr stolz auf uns.“ Dazu hat er allen Grund. Alle seine Sprösslinge Jennifer (31), Desiree (26), Patrick (23) und Nadine (fast 12) waren oder sind erfolgreich auf dem Eis, seine Frau Gundi scheffelt seit 1981 nationale sowie internationale Medaillen und Titel am laufenden Band. Zu ihren rund 50 DM-Medaillen im Long- und Short-Track – dem Eisschnell-Lauf auf Langbahn (400 m) und Kurzbahn (111 m) – gehören 31 „Goldene“ bei den Aktiven und in der Masterklasse. Dazu kommt 20-faches Edelmetall bei zwanzig WM-Teilnahmen und anderen internationalen Wettkämpfen.

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Im Long-Track denkt Pawasserat, die bis zu ihrem zwölften Lebensjahr mit derselben Intensität Kunst- und Schnell-Lauf trainierte, besonders gern an ihren ersten Master-WM-Titel 1995 in Alkmaar zurück, wo sie die frisch gekürte Aktiven-Weltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann kennenlernte und seither mit ihr befreundet ist. Im Short-Track erfüllen sie ihre Erfolge bei den seit 2017 alle zwei Jahre stattfindenden Master-Weltmeisterschaften mit Stolz: „In London vor zwei Jahren und im April in Australien habe ich jeweils Gold gewonnen – und zwar in einer gemeinsamen Altersklasse (AK) 30. Im Sprint sogar mit Bestzeit. Dass das in meinem Alter noch geht, dass ich keinerlei körperliche Beschwerden habe, zeigt, dass ich vieles richtig mache und gemacht habe.“

Gundi Pawasserat stellt klar: „Ohne Sport, ohne Bewegung könnte ich nicht leben.“ BILD: MICHAEL RUFFLER
Gundi Pawasserat stellt klar: „Ohne Sport, ohne Bewegung könnte ich nicht leben.“ BILD: MICHAEL RUFFLER
Auch als Trainerin wird sie immer wieder darin bestätigt, dass das, was sie anpackt, auch Hand und Fuß hat. „Egal wo wir sind: immer fällt die gute Technik und Athletik der Mannheimer auf“, legt sie im Verein extremen Wert auf diesen Teil der Ausbildung und bringt sich auch national in der Nachwuchsakademie ein. „Das ist ein Förderprogramm, in der junge Leute mit Perspektive dreimal pro Jahr geschult werden. Ihre Heimtrainer erhalten ein ausführliches Feedback und Anleitungen für die Arbeit zu Hause. Ich gebe bei diesen Lehrgängen viel Input“, steht sie voll und ganz hinter dem Konzept. „Denn ich sehe es mit Skepsis, wenn junge Leute schon mit 14 oder 15 Jahren von zu Hause weg sollen“, ist sie keine Befürworterin einer zu frühen Zentralisierung.

Calgary 1988: Ein Trauma mit Lerneffekt fürs Leben

Dass sie Vielem skeptisch begegnet, hat sie durch eine eigene, unschöne Erfahrung gelernt – ein Erlebnis, das sie sogar als Schlimmstes ihrer Karriere einstuft. Die Olympischen Spiele in Calgary 1988 hatte sie als Teilnehmerin der damals noch Demo-Sportart Short-Track erlebt und sich für Albertville 1992 dann als eindeutig beste Deutsche offiziell qualifiziert. „Es durften nur eine Frau und ein Mann aus Deutschland starten.“ Doch nach der Akkreditierung in Albertville tauchte das Problem auf, dass noch ein weiteres deutsches, angeblich nominiertes Paar vor Ort war. „Letzten Endes durfte keiner von uns laufen“, ärgert sie noch immer, dass der Vorgang niemals so richtig geklärt wurde. „Ich habe mir dort zwar ganz viel anderen Sport angeschaut, aber es hat weh getan. Denn Karl Hager, Christel Petzschke und ich haben in den 80er Jahren Short-Track in Deutschland überhaupt erst aufgebaut. Unser Trio vom MERC hat den Eisschnell-Lauf auf der Kurzbahn vor allem in Inliner-Hochburgen präsentiert.“ Die Mannheimer hatten die nötige Erfahrung, schließlich mussten sie Schnell-Lauf schon immer auf der Eishockey- und Kunstlauf-Fläche trainieren – wenn auch in Long-Track-Schuhen.

„Meine ersten Short-Track-Schuhe habe ich mir 1981 angeschafft.“ Das war nach einer Stippvisite in Den Haag, wo sie erstmals hautnah mit den schnellen Kurvenflitzern in Berührung kann. „Der Kampf mit mehreren macht mehr Spaß, als das paarweise Gegeneinander auf der Großbahn.“ Weil sie aber beides liebt, freut sich Gundi Pawasserat schon jetzt auf den Januar 2020, denn da will sie bei den Masters-Weltspielen endlich als aktive Teilnehmerin olympisches Flair genießen. „In Innsbruck finden erstmals Wettkämpfe im Short- und Longtrack statt“, fiebert sie einem Mammut-Programm entgegen, denn sie startet in beiden Disziplinen. „Drei Tage Short-Track im Mehrkampf, zwei Tage Pause, dann die 500 und 1000 Meter im Longtrack.“

Es erfordert einiges an Organisations-Talent, das eigene tägliche Trainingspensum zu absolvieren, ohne ihre Tätigkeit als Coach zu vernachlässigen. Auch deshalb hat sie sich schon vor langem entschlossen, nur noch Nachtdienste zu machen. Ihre 17 bis 18 Einsätze pro Monat „in einer schweren Station mit unter anderem allen Arten von Krebspatienten“, kann sie flexibel wählen. „Ich werde vom Klinikum einfach toll unterstützt.“ Ihr Lebensmotto „das Leben genießen und an allem Freude haben“ rührt auch von den Begegnungen mit dem Tod auf der Station. Der Urlaub geht für die Wettkampfbegleitung ihrer Schützlinge drauf, das Geld, das sie als Krankenschwester verdient, zum großen Teil für die Reisen. „Die werden nur zu einem kleinen Teil finanziert.“ Doch das mindert ihr Engagement in keiner Weise. „Ohne Sport, ohne Bewegung könnte ich nicht leben.“

Prallvolle Tage als Krankenschwester, Mutter und Trainerin

An einem normalen Tag kommt sie nach dem Nachtdienst gegen sieben Uhr morgens nach Hause, bereitet ihre jüngste Tochter Nadine auf die Schule vor, füllt die täglich laufende Waschmaschine, schläft bis 13 Uhr und kocht danach Mittagessen. Nach Nadines Hausaufgaben fahren Mutter und Tochter um 16 Uhr von Oggersheim ins Mannheimer EZ Herzogenried. „Die Brückenschließung ist eine Katastrophe, wir brauchen rund eine Stunde länger.“ Ohne Umweg begibt sie sich nach dem Trainingsende um 19.30 Uhr zum nächsten Nachtdienst. Samstags genießt Pawasserat direkt nach der nächtlichen Arbeit einige freie Stunden für sich auf dem Eis, bevor ihre Schützlinge kommen. Sonntags beginnt um 8.30 Uhr die allgemeine Eislaufschule des MERC, die sie leitet. Zu ihrer eigenen Abteilung gehören über 80 Personen, darunter sind 30 Hobbyläufer und 50 Menschen zwischen sechs und über sechzig Jahren, die an Wettkämpfen teilnehmen. Die betreut sie zusammen mit ihrem Trainerteam: „Wir achten sehr darauf, dass wir immer genügend Nachwuchs ausbilden“, haben gerade zwei junge Männer, die selbst noch aktiv sind, ihre Prüfung bestanden. „Es macht mir einfach Spaß, Kinder aufs Eis zu bringen und junge, leistungswillige Leute zielgerichtet zu entwickeln“, ist Pawasserats Antrieb und ihre Motivation für ihr prallvoll gepacktes Leben. Wenn sich dann auch Erfolge einstellen, ist sie rundum glücklich: „Es waren tolle, emotionale Momente, als Ina Sinn im Star-Class-Europafinale eine Medaille gewann, oder Till Schäfer zum zweiten Mal deutscher Meister wurde.“

Zur Person

Gundi Pawasserat wurde am 5. Dezember 1963 in Mannheim geboren, wuchs als jüngstes von acht Geschwistern in Oggersheim auf und verschrieb sich früh dem Eissport.

Mit zweieinhalb Jahren begann sie als Kunstläuferin, zwischen neun und zwölf machte sie parallel Kunst- und Schnell-Lauf. Zunächst nur Long-Track, ab 1981 auch Short-Track. Bis heute macht sie beide Disziplinen.

Sie hat im April ihren Masters-WM-Titel im Short-Track verteidigt, ihre Edelmetall-Bilanz bei den Aktiven und in der Master-Klasse umfasst 50 nationale Medaillen (darunter allein 18 Titel bei den Aktiven) und über 20 internationale Medaillen (darunter sieben WM-Titel). Die Krankenschwester am Klinikum Ludwigshafen hat mit Ehemann Rudolf, mit dem sie seit 1988 verheiratet ist, vier Kinder zwischen fast zwölf und 31 Jahren. Die jüngste Tochter Nadine steht am Beginn ihrer Karriere, die Großen Jennifer, Desiree und Patrick waren auf dem Eis erfolgreich und sind jetzt Trainer oder Schiedsrichter. Auch der zweijährige Enkel Luke steht bereits auf Schlittschuhen. sd
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