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Themenspecial Gesund leben!

Pflege beugt Symptomen vor

Pflege beugt Symptomen vor

Ein unbeschwerter Sommer im Freien bleibt vielen Allergikern verwehrt. Zum Heuschnupfen gesellen sich oft Hautprobleme. BILD: DJD/LETI PHARMA GMBH/J. HEILMANN

29.04.2020
Immer mehr Menschen leiden unter Allergien – in Deutschland schon fast jeder Dritte. Meist liegt dem eine sogenannte Atopie zugrunde. Das ist die Neigung des Körpers, eigentlich harmlose Substanzen aus der Umwelt mit einer Überempfindlichkeitsreaktion zu bekämpfen. Die Folge sind Erkrankungen wie Neurodermitis, Heuschnupfen und allergisches Asthma. Juckende, manchmal blutig gekratzte Haut, Niesanfälle, tränende Augen und Atemnot können Betroffene extrem belasten. 

FREIE BAHN FÜR ALLERGENE 

Eine wichtige Rolle bei vielen Allergien spielt unser größtes Organ, die Haut: Denn bei atopischer Haut ist die Barrierefunktion gegenüber der Außenwelt gestört – wie bei einer rissigen, löchrigen Mauer. Bestandteile von Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaaren und Nahrungsmitteln können so leichter in den Körper eindringen. Gleichzeitig geht viel Feuchtigkeit verloren, was die Abwehr zusätzlich schwächt. „Jeder fünfte Allergiker leidet unter trockener, juckender Haut – in diesem Symptomkomplex auch bekannt als Neurodermitis“, erklärt der Allergologe, Kinder- und Jugendmediziner Dr. Hans-Jörg Köhler.

Neurodermitis ist chronisch und verläuft typischerweise in Schüben. Oft werden die Symptome schlimmer, wenn der Neurodermitiker in Kontakt mit Allergenen kommt. Auch sind Babys, die an Neurodermitis leiden, später anfälliger für Heuschnupfen und Asthma. „Je früher wir in diesen allergischen Prozess eingreifen, desto besser“, weiß Köhler. Ganz zentral und oft vernachlässigt sei eine gute medizinische Hautpflege. „Sie helfen, die kaputte Hautbarriere zu reparieren und das Hauptsymptom Juckreiz positiv zu beeinflussen.“, führt Köhler aus. Regelmäßiges Cremen kann die gestörte Hautbarriere wiederherstellen, das Jucken unterbinden, vor Reizen schützen und die Gefahr einer Besiedelung mit unerwünschten Bakterien verringern. Bei akuten, quälenden Juckreizattacken – für viele Betroffene das schlimmste Symptom der Neurodermitis – kann außerdem der Einsatz eines kühlenden Anti-Juckreiz-Hydrogels ratsam sein. Es kann die Beschwerden schnell lindern und für Stunden Ruhe verschaffen.

„Wer neben Neurodermitis zusätzlich unter einer Pollen- oder Milbenallergie leidet, dem empfehle ich eine Hyposensibilisierung“, ergänzt der Allergologe. „Bei dieser Therapie wird das Immunsystem des Patienten langsam an das Allergen gewöhnt. Es gibt zudem Hinweise, dass sich eine Hyposensibilisierung auch positiv auf die Neurodermitis auswirken kann.“ djd

Ganzheitlicher Ansatz

Prävention mit Landluft

Seit 1990 hat sich die Häufigkeit von Allergien nahezu verdoppelt. Erst kürzlich meldete das Robert-Koch-Institut, dass fast jeder dritte Deutsche betroffen ist. Gerade im Frühjahr und Sommer quält wieder der Heuschnupfen viele Menschen. Aber auch Allergien gegen Tierhaare, Hausstaub, bestimmte Nahrungsmittel oder Medikamente sind weit verbreitet. Dabei scheint die Bedeutung unseres Lebensstils größer zu sein, als man in der Vergangenheit angenommen hat. Dementsprechend spielt eben dieser in der Behandlung und Vorbeugung von Allergien in der Anthroposophischen Medizin eine zentrale Rolle – das gilt auch und besonders für Kinder, die immer häufiger betroffen sind. Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Prof. Dr. Alfred Längler, spezialisiert auf Anthroposophische Medizin, erläutert: „Wir gehen davon aus, dass die Allergieprävention ganzheitlich ansetzen sollte. Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass Kinder aus dem ländlichen Umfeld – insbesondere von Bauernhöfen – ein deutlich geringeres Allergierisiko als Stadtkinder haben.“ Auch wenn nun nicht jede Familie aufs Land ziehen könne und wolle, sei es wichtig, dass Kinder viel draußen spielen und mit Waldboden, Pflanzen sowie Bauernhoftieren in direkte Berührung kommen. Ebenso zähle zur Vorbeugung eine gesunde Ernährung – qualitativ hochwertig, regional, frisch und naturbelassen. djd
     
Praxis Dr. med. Körner-Halbritter