Sonderveröffentlichung
Themenspecial Abschied nehmen

Nicht zugelassene Trauer kann krank machen

Trauerbewältigung: Unterstützung und Halt finden

Körper und Seele sind eine Einheit, deshalb können sich starke Emotionen wie Trauer auf das vegetative Nervensystem, den Stoffwechsel und das Immunsystem auswirken. Bluthochdruck, Gelenkentzündungen und Kopfschmerzen zählen zu den Beschwerden, die psychisch bedingt sein können.

Trauerbewältigung braucht Zeit und Raum

Wie sehr die Seele den Körper beeinflusst, wird oft bei Menschen deutlich, die tiefe Traurigkeit erlebt haben. Der Tod eines lieben Menschen setzt intensive Gefühle frei, die erst einmal verarbeitet werden müssen. Der Prozess des Trauerns verläuft sehr individuell und kann sich über Jahre hinziehen. Nicht immer jedoch gelingt der Heilungsprozess. Wer etwa mitten im Berufsleben steckt, hat oft das Gefühl, wieder ganz schnell funktionieren zu müssen. Oder man zieht sich in die Isolation zurück, weil man im sozialen Umfeld nicht genügend Verständnis für seine Situation erfährt. Die nicht gelebte Trauer kann sich dann in psychosomatischen Erkrankungen manifestieren.

Eine professionelle Trauerbegleitung gibt den Betroffenen Raum und Zeit, um ihren Verlusterfahrungen heilsam begegnen zu können. Dazu gehört nicht nur das Erzählen dürfen und das empathische Zuhören, sondern auch das Gestalten und Ausdrücken des inneren Befindens und der eigenen Bedürfnisse durch Malen, Schreiben oder Symbole aufstellen. „Für die Patienten bedeutet es sehr viel, sich mitteilen zu dürfen und mit der Trauer nicht alleine zu sein“, weiß Dipl.-Theologin Erika Hieble, Seelsorgerin und Trauerbegleiterin.

Halt in der therapeutischen Gemeinschaft finden

Ambivalenz oder Gefühle wie Wut, Hass, Groll und Schuld bekommen ihre Berechtigung und werden in adäquater Form ausgedrückt. Mit dem Sterben von Angehörigen wird man vielleicht auch damit konfrontiert, was in der Beziehung an Anerkennung, Nähe und Wertschätzung vermisst wurde. Dabei bricht besonders bei Menschen, die in dysfunktionalen Familien aufwuchsen oder in Familien, in denen psychische oder physische Gewalt herrschte, viel Schmerz über die nicht gelebte Kindheit mit auf. In der therapeutischen Gruppe finden sie Halt, Trost und Frieden.

Es wird gemeinsam geweint und gelacht. Mit heilsamen Ritualen können Abschiede nachgeholt und bewusst gestaltet werden. Am Ende des seelischen Genesungsprozesses steht die Erkenntnis, dass in jedem Herbst der nächste Frühling schon naht.

Für trauernde Eltern bietet sich auch das Sorgentelefon „Oskar“ als Unterstützung an. Die telefonische Seelsorge wird vom Bundesverband Kinderhospiz getragen. Geschulte Mitarbeiter bieten sowohl Eltern Hilfe, die ein schwerkrankes Kind haben, als auch für die, die um ein verstorbenes Kind trauern. Unter der aus dem Festnetz kostenlosen Telefonnummer 0800/ 88 88 47 11 erreichen Betroffene rund um die Uhr jemanden, auch an Feiertagen. Auf Wunsch können Erwachsene sich auch anonym beraten lassen oder sich an Fachleute wie Ärzte, Psychologen und Trauerbegleiter vermitteln lassen. djd/imp
   
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