Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil

Nicht nur für Friesen

REGENMÄNTEL: Der Friesennerz macht sich stadtfein: Wasserabweisende Jacken, die jedem Platzregen trotzen, sind längst nicht mehr nur funktionell, sondern auch schick.

INDIVIDUELL

WIEDERGEBOREN. Die Trends für Frühjahr und Sommer 2019 nehmen Modebewusste mit auf eine Reise in die Vergangenheit – und irgendwie auch wieder nicht. Von den 70er, 80er und 90er Jahren inspiriert, werden einige alt bekannte Looks in Sachen Frisuren, Kleidung oder Schmuck kreativ und modern in die heutige Zeit geführt – neu kreiert, neu kombiniert, neu inszeniert. Bei so vielen Möglichkeiten ist eines sicher: Individualität wird groß geschrieben. Der neu aufbereitete Retro-Style bietet jedem die Freiheit, seinen persönlichen Stil auszuleben. Es kann schick mit lässig kombiniert werden, sportliche Highlights sorgen für den perfekten Freizeitlook beziehungsweise werden durch einige stilistische Varianten auch für den Alltag und das Berufsleben salonfähig. Die Farbe – oder von vielen auch als „Nicht-Farbe“ bezeichnet – Beige kommt wieder; und das völlig entstaubt und elegant. Als praktisches Utensil für unterwegs ist der gute alte Jutebeutel – diesmal aus feinerem Stoff und mit viel Kreativität bedruckt – dank des immer stärker werdenen Nachhaltigkeitsgedankens salonfähig geworden.

TEXT: Ute Maag, BILD: Adobe Stock/mahony 


Schietwetter“ nennen die Hamburger jene windig-nasse Heimsuchung, die sie regelmäßig in seltsamer Koinzidenz mit Premieren des John-Neumeier-Balletts oder sonstigen gesellschaftlichen Ereignissen ereilt. Und so sieht man dann im Foyer der Hamburger Staatsoper, wie sich wohlfrisierte Damen aus triefnassen Regenmänteln schälen und Halt an der Schulter des mitgebrachten Gatten oder Sohns suchen, um klobige Gummistiefel von den Füßen zu streifen. Das elegante Schuhwerk hat den Weg ins Theater im Jutebeutel angetreten, der Wechsel vollzieht sich zügig und routiniert, wie immer, „wenn dat pladdert“.

Es ist sicher kein Zufall, dass gleich zwei Labels aus der Hansestadt dafür gesorgt haben, dass der Wind sich gedreht hat: Der praktische Friesennerz ist nicht mehr peinlich, sondern elegant und stadtfein, und das traditionelle Gelb auch nicht mehr die alles überstrahlende Farbe. 1968 hatte die dänische Firma Jeantex diesen Klassiker, der in den 70ern an fast jedem Kleiderhaken hing, auf den Markt gebracht. 2010 wurde die Produktion eingestellt, auch weil vielfältige Funktionskleidung und neue synthetische Materialien dem unförmigen Wendemantel aus PVC mit der riesigen Kapuze eine steife Brise ins Gesicht bliesen. Labels wie „Schmuddelwedda“ oder „Derbe“ erfanden ihn nun neu: als schmal geschnittenen Parka oder Anorak, der modischen Schnickschnack auf Tunnelzug und Schwalbenschwanz begrenzt, farblich jedoch die ganze Palette abdeckt. Die wasserundurchlässigen, aber atmungsaktiven Mäntel mit textiler Innenseite gibt es von Sonnengelb über Mittelmeerblau bis hin zum Oliv der aufgepeitschten Nordsee oder dem Grau eines wolkenverhangenen Himmels. Und natürlich in Signalfarben wie Pink oder Orange.
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Auch weiter im Norden segelt der wetterfeste Streetstyle derzeit hart am Wind: In Schweden kokettiert das Label „Stutterheim“ mit den häufigen Schlechtwetterfronten rund um Stockholm und fordert auf, „den Regen zu umarmen“, was in mehrfarbigen, glänzenden wie matten und auch transparenten Jacken sogar Spaß macht, zumal, wenn die Füße in abgestimmten, ebenso wasserdichten Chelseaboots stecken. Und im dänischen Hornbaek lässt sich die Designerin Ilse Jacobsen vom kleinen Hafen, den breiten Sandstränden und dem unbeständigen Wetter ihrer Heimatstadt zu Alltagsmode und ihrer „Rub & Rain“-Kollektion inspirieren. Für ihre handgefertigten „Rubber Boots“ verwendet sie natürlichen Kautschuk, der mit einem speziellen Pflegeöl geschmeidig gehalten wird. Die Sohlen sind rutschfest und für eine Wanderung durch den Regenwald ebenso geeignet wie für die Fahrt mit dem Rad ins Büro oder den Weg zur Premiere in der Oper. Schietwetter hin oder her.

Expertentipp

Kontrastreich 
„Ob wattierte Steppungen oder Breitcord: Volumen und Struktur sind die Must-haves progressiver Materialpaletten. Dem gegenüber bringen natürliche Materialqualitäten wie Tweed, Loden oder klassische Wolle natürliche Bodenständigkeit in die neuen, von Kontrasten dominierten Looks“, sagt Manuel Fritz, Schulleiter der Modedesignschule Manuel Fritz in Mannheim, zu den aktuellen Stoffen und Materialien. imp
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