Sonderveröffentlichung
Themenspecial 4 Wände - Das Bau-, Wohn- und Gartenmagazin

Nicht ganz dicht

FENSTER: Wenn Lärm als Stress empfunden wird, können Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Folge sein. Das eigene Haus lässt sich dagegen schützen – mit Schallschutzfenstern.

Die Lösung für Wohngegenden mit viel Lärm vor dem Haus: Der Austausch der üblichen Fenstern gegen Schallschutzfenster. BILD: Krakenimages.com - stock.adobe.com

10.07.2020
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Wärm ist lästig und man entkommt ihm selbst in der eigenen Wohnung kaum. Straßen- und Flugverkehr, vorbeifahrende Züge – vor allem in Städten leiden viele Menschen unter ständigem Krach, den ihre üblichen Fenstern nicht draußen halten. Die Lösung in manchen Fällen: Schallschutzfenster. Schallschutzfenster halten den gröbsten Lärm draußen – vorausgesetzt, es sind die richtigen und sie werden fachgerecht montiert. „In Wohngebieten sind Schallschutzfenster sogar gesetzlich vorgeschrieben, wenn der Umgebungslärm bestimmte Grenzen überschreitet“, erklärt Marc Ellinger vom Verband Privater Bauherren.

Was können Schallschutzfenster?
    
Sucietto + Wöschler GmbH
Gegenüber normalen Fenstern haben Schallschutzfenster eine stärkere Verglasung mit asymmetrischem Aufbau und im Glas integrierten Schallschutzfolien. Auch Rahmen und Dichtungen werden extra isoliert. Es gibt diese Fenster mit verschieden hohen Schallschutzwerten: Normale Fenster mit Isolierglas begrenzen Geräusche von außen um etwa 32 Dezibel. Einfache Schallschutzfenster schaffen Werte von 40 bis 42 Dezibel, sogenannte Verbundfester bis 50 Dezibel und Kastenfenster 55 Dezibel, zählt Jürgen Benitz-Wildenburg vom ift Rosenheim, einem Prüfinstitut für Fenstertechnik auf.

Welches Fenster brauche ich?

„Werden zum Beispiel draußen 80 Dezibel gemessen, innen sollen aber leise 30 Dezibel erreicht werden, braucht man Fenster mit einem Schallschutzwert von 50 Dezibel“, erklärt Benitz-Wildenburg. Bei einem niedrigen Außenschalldruckpegel von etwa 60 Dezibel würde schon die normale Isolierverglasung ausreichen.

Kann ich die Fensterwahl selbst analysieren?

„Mit dem Handy vor die Tür zu gehen und den Lärm aufzunehmen, bringt nicht viel. Das ergibt Abweichungen von mindestens fünf bis zehn Dezibel“, sagt Benitz-Wildenburg. Durch Fenster, die mit zehn Dezibel zu wenig gedämmt wurden, höre man den Lärm mit mindestens doppelter Lautstärke als bei exakter Auslegung. Umgekehrt macht es keinen Sinn, sicherheitshalber 20 Dezibel mehr als notwendig zu kaufen. „Das ist eher unangenehm, weil es zu stark isoliert. Man kommt sich dann vor wie in einem Schallschutzraum.“ Aber man kann sich vorab informieren: Städte und Gemeinden, auch die Deutsche Bahn haben sogenannte Lärmkarten erstellt, in denen man sich über die Situation in seinem Wohnumfeld informieren kann.

Ich habe solche Fenster, und sie bringen wenig. Wie kann das sein?

„Für den Schallschutz muss man die gesamte Wand mit dem Fenster und allen Fugen betrachten. Der Schallschutz kann in der Summe immer nur so gut sein, wie das schwächste Glied der zusammengesetzten Bauteile“, erklärt Frank Koos vom Verband Fenster + Fassade. Selbst winzige Öffnungen oder Undichtigkeiten etwa beim Rollladen können Schall durchlassen. „Vor allem die Ausführung der Anschlussfugen ist maßgeblich für die Schalldämmung des gesamten Bauteils“, so Koos. Diese müssen innen und außen umlaufend abgedichtet und mit Dämmstoff verfüllt werden. Zudem empfiehlt es sich, den Rollladenkasten zu dämmen.  Katja Fischer, dpa