Sonderveröffentlichung
Themenspecial Abschied nehmen

Neue Art der Erinnerung

Trauerkultur: Rituale und Trauerschmuck helfen bei der Bewältigung

Was bleibt, wenn ein geliebter Mensch stirbt? Immer mehr Angehörige verzichten auf ein Grab auf dem Friedhof, zu dem man ab und zu Blumen bringen kann. So steigt die Zahl anonymer Rasengräber und auch die Bestattung in Friedwäldern oder das Verstreuen der Asche im Meer nimmt zu. Doch es gibt noch weitere Unterschiede zu früher. Volkskundler Professor Norbert Fischer von der Uni Hamburg stellt einen klaren Wandel fest. Er spricht von einer neuen kreativen Trauerkultur, in der es auf andere Weise als früher darum geht, Sterben, Tod und Trauer als Bestandteil des eigenen Lebens zu betrachten.

Wer trauert, trägt zum Beispiel Schmuckstücke, in die Haare oder Asche des Verstorbenen, aber auch Blüten in eine unsichtbare Kammer eingeschlossen sind. Dieser Vorgang kann auch mit den Hinterbliebenen als eine Art Zeremonie stattfinden, als ein zusätzlicher Moment der Trauerbewältigung. Nach dem Verschließen kann das Schmuckstück nie wieder geöffnet werden. Für Schmuckanhänger mit Fingerabdrücken des Verstorbenen werden diese vom Bestatter mit einem Spezialverfahren ohne Farbrückstände abgenommen. Ein kleines Schmuckstück, auf das mit einem Laser der Fingerabdruck aufgetragen wurde, wird ebenfalls gern dezent am Arm oder um den Hals getragen. Immer mehr Bestatter bieten diese Möglichkeit zur Trauerbewältigung an.

Der Erinnerungsschmuck ist eine weitere private Facette in der Reihe individueller Rituale, die Trauernden heutzutage den Abschied erleichtern können. Nach dem Motto: Das Leben geht weiter, aber ein Teil des Verstorbenen ist immer bei mir. Hilfreich kann es zum Beispiel auch sein, die Lieblingsschallplatte des Verstorbenen gemeinsam zu hören oder ein Licht am Haus des Toten zu entzünden. djd/imp

Trauerfeier ganz individuell gestalten

Trauerredner: Trost und Unterstützung

Wenn ein Familienmitglied oder enger Freund verstirbt, wünschen sich die Hinterbliebenen eine würdevolle Trauerfeier. Früher hielt man diese in einem religiösen Rahmen ab, heutzutage ist das kein Muss mehr. Falls der Angehörige nicht Mitglied einer Kirche war oder die Familie keine kirchlich geprägte Feier wünscht, bietet sich eine weltliche Form des Abschieds an. Bei solch einer freien Zeremonie steht nicht der Gedanke an Gott, sondern der Verstorbene selbst, sein Leben und sein Charakter im Mittelpunkt. Eine freie Trauerfeier muss nicht nach starren Regeln ablaufen, sondern lässt sich im Gegenteil genauso individuell abhalten, wie das Leben des Verstorbenen war. Ein Trauerred ner begleitet die Hinterbliebenen. Unmittelbar nach dem Tod des geliebten Menschen fällt es schwer, eine schöne Gedenkfeier zu organisieren und womöglich noch selbst über die verstorbene Person zu sprechen.

Diese Aufgabe übernimmt oft ein Trauerredner. Er hilft bei der Organisation der Feierlichkeit, gestaltet den Tag im Sinne des Verstorbenen und begleitet die Trauergäste beim letzten Gang. „Die Zeremonie sollte immer individuell gestaltet werden und die Persönlichkeit des Verstorbenen widerspiegeln“, erklärt Andreas Schaufler, zertifizierter Trauerredner. „Trotzdem können Rituale den Familienmitgliedern Sicherheit geben und bei der Trauerbewältigung helfen.“ Wichtig ist, dass ein Trauerredner sich im Vorfeld viel Zeit für das Vorgespräch nimmt.

Bei dieser Gelegenheit erläutert die Familie ihre Wünsche und Vorstellungen für die Feier und erzählt aus dem Leben des Verstorbenen. Gemeinsam legt man dann unter anderem fest, wie die Trauerrede gestaltet sein soll und welche Musik erklingt. So ist es beispielsweise möglich, dass Lieder ausgewählt werden, die der Verstorbene gern gehört hat, die im Kontext zu ihm stehen oder die ganz einfach Trost spenden. djd/imp
   
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