Sonderveröffentlichung
Themenspecial Abschied nehmen

Nachlass frühzeitig regeln

Erbe: Mit dem Vermächtnis Freunde und Verwandte bedenken

Wer seinen Nachlass regelt, legt fest, wer was bekommen soll. Über ein Vermächtnis werden auch Freunde und Verwandte bedacht, die sonst außen vor bleiben – oder sogar Tiere. Vererben, vermachen: Bei der Verteilung des Nachlasses machen die meisten Menschen zwischen den beiden Worten keinen Unterschied. Den gibt es dennoch, etwa beim bürokratischen Aufwand. Fragen und Antworten zu Besonderheiten des Vermächtnisses.

Wann ist ein Legat hilfreich?

Zum Beispiel, wenn in Patchworkfamilien Kinder aus früheren Beziehungen etwas vom Vermögen abbekommen, aber bei der Verteilung des Erbes nicht mitreden sollen. Oder wenn Freunde, Bekannte, Lebenspartner, Vereine, Kirchen und Tiere zum Zuge kommen sollen. Der Vorteil: Anders als Erben müssen die so Bedachten weder Schulden aus dem Nachlass begleichen noch die mit dem Tod des Erblassers verbundene Bürokratie abwickeln, etwa Erbschein beantragen und Wohnung auflösen.

Wer bestimmt den Inhalt?

Der Erblasser ordnet testamentarisch an, wer was erhält. Das reicht von der Briefmarkensammlung über Omas Perlenkette und Fotos bis hin zu Immobilien, Aktien und Geld. Die zugedachten Dinge sind präzise zu beschreiben. „Alles muss so eindeutig sein, dass jeder sofort weiß, was gemeint ist“, sagt der Notar Thomas Wachter.

Bei der Perlenkette sind das zum Beispiel Angaben zu Länge und Farbe, bei Depots Nummer, Bank, Ansprechpartner, bei Firmen und Häusern Handelsregister- und Grundbuchauszug. Bei Geld wird entweder der genaue Betrag genannt oder eine Quote. Letzteres empfiehlt sich, wenn unklar ist, wie viel Geld jemand hinterlässt. „Nach Abzug aller Nachlassverbindlichkeiten erhält meine Nachbarin Else Müller von meinem verbliebenen Bankguthaben 20 Prozent“, könnte eine Formulierung lauten.

Wer kann bedacht werden?

„Jede natürliche und juristische Person“, sagt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV). Besonders gerne werden ihm zufolge Legate genutzt, um Tiere zu versorgen. Das geht indirekt. „Der Person meines Vertrauens wende ich ein Vermächtnis mit der Auflage zu, dieses für die Pflege meines Tieres zu verwenden.“ Zur Kontrolle werde ein Testamentsvollstrecker eingesetzt. Auch Erinnerungsstücke kommen häufig über ein Vermächtnis in neue Hände. Pflegekräfte können nichts erhalten – dem stehen die Heimgesetze entgegen.

Wie kommen Vermächtnisnehmer an das ihnen Zugedachte?

Ansprechpartner sind die Erben. „Von ihnen wird das Vermächtnis eingefordert“, erläutert Bittler. Dazu bleiben mindestens drei Jahre Zeit ab dem Ende des Jahres, in dem der Bedachte von dem Passus zu seinen Gunsten erfährt. Er muss die Erbschaftssteuer auf das Legat zahlen. Erben sind zur Herausgabe des Legats verpflichtet. Wer Streit zwischen Erben und Vermächtnisnehmer vorbeugen will, setzt den Vermächtnisnehmer zum Testamentsvollstrecker in eigener Sache ein. „Er kann dann die ihm zugedachten Sachen an sich selbst herausgeben“, erläutert Roglmeier.

Können auch Erben mit Vermächtnissen bedacht werden?

Ja, das geht. Der Fachbegriff heißt Vorausvermächtnis. Der oder die Erben erhalten das Zugedachte vorab zusätzlich zu ihrem Erbteil. Mit diesem wird das Legat nicht verrechnet, weil Bedachte das Vermächtnis vor Verteilen des Erb-Kuchens wegnehmen. So kann der Erblasser Einzelne im Vergleich zu Miterben begünstigen. Mit dem Steuer-Vermächtnis kann Erbschaftssteuer gespart werden. Sie bietet sich Roglmeier zufolge zum Beispiel bei einem Berliner Testament an. Dabei setzen sich Ehepartner zunächst gegenseitig als Alleinerben ein. Die Kinder kommen erst nach dem Tod beider Elternteile zum Zuge. Die Eltern können jedoch über eine Vermächtnisklausel im Testament festlegen, dass der Überlebende den Kindern bereits beim ersten Erbfall ein Vermächtnis von maximal der Höhe des Erbschaftssteuerfreibetrags aus dem Nachlass auszahlt. Nach dem Tod des zweiten Elternteils können Kinder diesen Freibetrag ein zweites Mal nutzen.

Welche Fehler lauern?

„Den gesamten Nachlass nur über Vermächtnisse zu verteilen und nicht zu bestimmen, wer erbt.“ In der Praxis führe das zu Verwirrung: Es sei unklar, wen Bedachte ansprechen müssen, um ans Vermächtnis zu kommen. „Daher ist es ganz wichtig, auch Erben zu benennen“, sagt der Anwalt. Notar Wachter blickt nach vorne: „Dinge ändern sich. Deshalb sollte ich überlegen, was zum Beispiel passiert, wenn der Bedachte vor mir stirbt und das im Testament regeln.“ Gleiches gelte für den Fall, dass ein zugedachtes Depot oder Konto nach dem Tod des Gebers leer oder nicht auffindbar sei. dpa
   
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