Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil - Frühjahr 2020

Mit Stiefeln durch den Sommer

GUT ZU FUSS: Modetrends kommen, gehen und kehren zurück. Aber ein neuer Schuhtrend war so in den vergangenen Jahren noch nicht da: Stiefel im Sommer. Dabei liegt die Idee geradezu nahe.

Diese Sommermode überrascht: In den Schuhregalen des Handels finden sich tatsächlich Stiefel für die warmen Tage des Jahres. Claudia Schulz vom Deutschen Schuhinstitut spricht von einem „Top-Thema dieser Saison“. Warum passiert das? Der Grund ist tatsächlich naheliegend: Das Wetter im Sommer ist oft nicht sommerlich – und bei Regen sind Stiefel nun mal unschlagbar. Die Grenzen zwischen den Mode-Saisons verwischen außerdem zunehmend, erläutert Alexander Radermacher, Fashion Director der Schuhmesse Gallery Shoes in Düsseldorf, die Hintergründe dieses Trends. „Und dazu gehört eben, dass Stiefel auch im Sommer getragen werden.“ Allerdings sind diese aus leichten Materialien und zeigen transparente Details wie Loch-Stickereien. Sie verleihen den Schuhen einen luftigen Eindruck. Angesagt bleibt die Form, die bereits im Herbst in Mode war: „Gerade geschnitten und bis unter das Knie reichend“, so Radermacher.

Angesagte Cowboy-Variante

Aber auch Stiefeletten bleiben angesagt, ergänzt Schulz. „Sie werden gern zum Rock kombiniert – und zwar sowohl in der klassischen Variante mit kleinem Absatz als auch in der Cowboy-Variante.“ Auch wenn Stiefel nun ein Trend sind – ein Sommer ohne Sandalen ist auch nicht denkbar. Entsprechend gibt es sie in großer Vielfalt: „Man sieht viele Riemchen, aber auch Flechtungen oder Kettendetails“, zählt Schuhexpertin Schulz Beispiele auf. Ein Tipp für elegante und schicke Gelegenheiten sind die Sandalen mit filigranen Riemchen. Diese werden „naked sandals“ genannt, weil sie viel Haut zeigen.

Trend Fabrik

Die Alternative zur Sandale sind erhöhte, hinten offene Damenschuhe namens Sabots. „Sie wirken angezogener als Riemchen-Sandalen und passen deshalb auch gut zum Job-Outfit“, findet Schulz. Ihr Favorit: „Pumps und Mules mit extremen Steppungen, die sind ein echter Hingucker.“ Damit sind Schuhe gemeint, die ein wenig wie ein gestepptes Ledersofa wirken.

Die Form der Saison ist eckig. Die Sohle unter den Zehen ist also nicht abgerundet oder spitz, sondern kantig. „Ganz neu und schon ein schöner Ausblick auf den Sommer sind Flip-Flop-Varianten oder Absatzsandalen mit feinen Riemchen, beide in Karreeform“, sagt Radermacher. Er rät, Schuhe mit Karreeform immer anzuprobieren und die Wirkung auf den Fuß zu prüfen: „Einige Modelle verlängern den Fuß nämlich optisch, und das ist nicht in jedem Fall gewollt.“ Die mächtigere Optik der Karreeform korrespondiert mit einem weiteren Trend, der optisch in die gleiche Richtung geht: Die sogenannten Flatforms sieht man nun immer öfter im Handel. Dabei handelt es sich um Plateauschuhe mit durchgehend gleichhoher Sohle. „Ihn sieht man jetzt als Sandale, aber auch als Sneakers-Variante“, sagt Schulz. Daneben sind Blockabsätze beliebt – sind sie doch auch gut zu tragen. Allerdings sieht man auch geschwungene Absatzformen gerade häufiger, etwa an der beliebten Pumps-Form Mary Jane – ein Pump mit einer Schlaufe oder Spange am Rist und einer breiten abgerundeten Kappe. Berühmt machte diese Schuhe in den 60er Jahren das britische Model Twiggy.

Wie in eigentlich allen Bereichen des Lebens nimmt auch bei der Schuhmode die Nachhaltigkeitsfrage zunehmend einen Platz ein. Hier äußert sich das zum einen durch die verstärkte Verwendung von natürlichen Materialien – laut Schulz sind das oft Stoffe, aber auch Korbgeflecht und Sisal.

Vor allem aber wird mit Farbe Bezug auf die Natur genommen: Beige und Braun, eigentlich Klassiker der Schuhmode, sind nun auch im Trend, außerdem Grün und Gelb in den Neonvarianten. „Dazu kommt ein warmer Orangeton in Richtung Terrakotta der besonders schön auf Veloursleder zur Geltung kommt“, sagt Schulz. Andrea Abrell/dpa
  
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