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Mehr als nur Kopfweh

Primäre Kopfschmerzen: Wie Betroffene mit ihrem Leiden zurechtkommen


Dass einem mal der Schädel brummt, das kennt wohl jeder. Was dahintersteckt, bekommt man oft gar nicht raus. Denn laut Prof. Hartmut Göbel, Gründer und Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, gibt es mehr als 360 Formen des Kopfschmerzes. Aber bei manchen Menschen ist es mehr, als ab und an mal Kopfweh zu haben. Bei ihnen ist der Kopfschmerz kein Symptom für eine andere Erkrankung, der Kopfschmerz ist die Erkrankungen selbst. Zu diesen sogenannten primären Kopfschmerzen gehören Migräne, Cluster- und Spannungskopfschmerz. Ein Überblick.

Migräne: Unter 100 Menschen haben laut Göbel 15 bis 20 Migräne. Frauen sind zwei bis drei Mal häufiger betroffen als Männer. Der Schmerz ist in der Regel einseitig, sehr stark behindernd, hämmernd oder pochend und zwingt Betroffene zur Bettruhe. Zusätzlich ist ihnen oft übel, sie müssen sich übergeben, sind licht-, lärm- und mitunter auch geruchsempfindlich. Die Attacken dauern vier Stunden bis drei Tage. Bestimmte Faktoren können Migräne auslösen – Mediziner sprechen von sogenannten Triggern. Dazu zählen etwa Stress, grelles Licht, laute Musik oder Alkohol.

Günter Rambach, Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga, hat – unter anderem – Migräne. Manchmal an bis zu 20 Tagen pro Monat. Bestimmte Gerüche, Lichteffekte, Wetterumschwünge und Stress, egal ob positiv oder negativ, triggern bei ihm Migräneattacken. „Die Migräne lauert permanent im Hintergrund, sie ist ja nie weg.“ Betroffene ziehen sich während einer Attacke meist zurück in einen dunklen, möglichst ruhigen Raum. Rambach versucht, sich während der Attacken mit Reizen, die er schon kennt, abzulenken: zum Beispiel mit Landschaftsfilmen und Filmen aus seiner Jugend, die er bis ins Detail kennt, wie Winnetou oder Michel.

Körperliche Aktivität verschlimmert die Schmerzen. Bei leichteren Attacken können frei verkäufliche Schmerzmittel helfen, bei schwereren Attacken reichen diese nicht. Dann kommen sogenannte Triptane zum Einsatz – spezifische Migränemittel, die gezielt gegen Migräne wirken.

Um Attacken vorzubeugen, sollten Betroffene sich einen konstanten und regelmäßigem Lebensstil angewöhnen. „Regelmäßige Schlaf- und Pausenzeiten sowie regelmäßige Essenszeiten können sich günstig auf den Verlauf der Migräne auswirken“, erklärt Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Er empfiehlt zudem regelmäßigen Ausdauersport wie Schwimmen, Joggen, Radfahren oder Walken sowie gezielte Entspannung – etwa in Form von progressiver Muskelrelaxation nach Jacobson. Zudem gibt es Medikamente, darunter Betablocker, Antiepileptika und Antidepressiva, die vorbeugend eingesetzt werden.

Spannungskopfschmerzen: Mehr als die Hälfte aller Kopfschmerzen ist von diesem Typ, wie Göbel sagt. Die Schmerzen sind weniger stark als die bei Migräne, werden von Patienten als dumpf-drückend beschrieben, treten meist beidseitig auf und können zwischen 30 Minuten und einer Woche andauern. „Die Kopfmuskeln weisen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit auf, sie sind reflektorisch angespannt“, erklärt Göbel. Spannungskopfschmerzen treten zum Beispiel auf, wenn jemand den ganzen Tag am PC gesessen hat und Schultern und Nacken zu lange einseitig aktiviert sind.

Auch diese Art des Kopfschmerzes kennt Rambach aus eigener Erfahrung. Meist stecke dahinter Stress von außen. „Ich bemerke zunächst eine Versteifung der Muskulatur im Schulter-Nacken-Bereich. Dies führt schleichend zu Kopfschmerzen.“ Dann müsse er zusehen, dass er diese Spannung wegbekommt – etwa, indem er sich gezielt entspannt oder bewegt. Manchmal sei schon die Wärme eines Körnerkissens hilfreich.

Zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen empfiehlt Gaul, Pfefferminzöl auf die Schläfen aufzutragen oder ein Analgetikum. Aber: „Die Einnahme von Schmerzmitteln sollte nur dann erfolgen, wenn sie aufgrund der Schmerzintensität unverzichtbar erscheinen.“ Vorbeugend hilft ebenfalls Bewegung und Entspannung. Bei chronischem Spannungskopfschmerz, der häufiger als an 15 Tagen im Monat auftritt, können vorbeugend auch Antidepressiva helfen.

Clusterkopfschmerz: Vom Clusterkopfschmerz ist unter 1000 Menschen nur ungefähr einer betroffen. „Diese Form wurde früher auch Suizidkopfschmerz genannt“, sagt Göbel. Es handele sich um einen einseitigen, lebensvernichtenden Schmerz im Augenbereich, der sich anfühlt, als ob ein Messer durch ein Auge in den Kopf gestochen wird.

Die Attacken können zwischen 15 und 180 Minuten dauern und mehrfach am Tag auftreten. Begleitend hängt oft ein Augenlid herab, die Nase läuft oder ist verstopft, oder das Auge tränt. Behandelt werden die Betroffenen mit Triptanen – entweder als Nasenspray oder als Injektion – oder mit Sauerstoff, den sie über eine Maske inhalieren. Vorbeugend können Betroffene unter anderem mit Cortison behandelt werden. dpa-tmn
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