Sonderveröffentlichung
Themenspecial Nur Mut

Kino auf der Couch

KINO II: In Zeiten von Corona bleiben die Kinosessel leer – auf neue Filme oder Spin-Offs müssen passionierte Kinogänger aber nicht verzichten. Mit einem Video-on-Demand-Dienst bietet Cineplex jetzt eine Alternative und bringt mit einem Popcorn-Lieferdienst Kinoflair direkt nach Hause.

Nicht selten entdecken Filmfans einen Streifen erst dann, wenn er schon nicht mehr auf der Kino-Leinwand zu sehen ist. Mit dem Video-on-Demand-Service der Mannheimer Filmtheaterbetriebe Spickert kann das Vergnügen nachgeholt werden.BILD: CINEPLEX

26.06.2020
Kino auf der Couch Image 1

Not macht erfinderisch: Ab sofort bieten die Filmtheaterbetriebe Spickert (Cineplex Mannheim, Neustadt, Bruchsal) in Zusammenarbeit mit dem Cineplex-Kinoverbund und Videociety einen eigenen Video-on-Demand-Dienst an. „Wir sind froh, dass wir diesen Zusatznutzen unseren Gästen ab sofort anbieten können. Somit konnten wir in der kinofreien Zeit Filme anbieten und mit dem Popcornlieferservice Kinoflair nach Hause bringen,“ so Frank Noreiks, Geschäftsführer der Filmtheaterbetriebe Spickert. Auch wenn sich diese Neuigkeit nahtlos in die Meldungen der vergangenen Tage einzureihen scheint: Dass Cineplex gerade jetzt einen eigenen VoD-Dienst (Video-on-Demand, deutsch:Video auf Abruf) an den Start gebracht hat, ist natürlich erst einmal Zufall. Umso mehr, als die Kinobetreiber sich bereits vor Jahren mit der Thematik beschäftigt, aber zunächst einmal von der Idee eines eigenen Angebots Abstand genommen hatte.
   
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Weshalb nun also der Kurswechsel? Der Grund dafür liegt in der Neubewertung des potenziellen Nutzens einer solchen Offerte für eine Kinogruppierung – und hängt eng damit zusammen, dass das Cineplex sich mitten in der Entwicklung eines neuen Loyalty-Programms befindet. In diesem Zusammenhang hatte man das Thema VoD vor rund einem Jahr wieder auf die Agenda gesetzt. Der grundlegende Gedanke, Kunden nicht nur über ihr Besuchsverhalten vor Ort, sondern auch ihren sonstigen Medienkonsum besser kennenzulernen, verspricht eine noch bessere Basis für die gezielte Anfrage zu schaffen und eröffnet nicht zuletzt die Möglichkeit neuer Angebote, die auch als Cross-Promotion fungieren können. „So können wir unseren Gästen jetzt nicht nur gezielt Filme empfehlen, die sie bei uns vielleicht verpasst haben, sondern auch zu aktuellen Neustarts passende Titel – wie Vorgänger oder Spin-Offs – aus dem Repertoire empfehlen und anders herum“, erklärt Noreiks.

Als Partner für das VoD-Engagement wählte Cineplex das Unternehmen Videociety, das unter anderem mit der auch hier genutzten Brand „meinVOD“ bereits eine WhiteLabel-Plattform etabliert hat, die unter anderem von der Drogeriekette Müller genutzt wird. Ein gewichtiges Argument für die Entscheidung war, dass meinVoD bereits mit praktisch allen relevanten Verleihern Vereinbarungen getroffen hat. Ein wesentlicher Punkt: Cineplex Home ist kein Abo-Angebot, sondern bietet ausschließlich Einzelabrufe an – und das je nach Titel zur Leihe über 48 Stunden und/oder zum Kauf. Der Nutzer muss sich bei Cineplex Home also nicht für einen bestimmten Zeitraum verpflichten, sondern kann ganz gezielt das nutzen, was ihn interessiert. Zudem ist ein großer Vorteil, dass zahlreiche Neuveröffentlichungen im Home Entertainment auf einem TVoDPortal (Transactional VoD, Inhalte werden im Einzelabruf aberechnet) wie diesem erheblich früher zu finden sind als bei einem SVoD-Angebot (Subsciption VoD, deutsch: Abonnierte Videos auf Abruf) wie Netflix. An Auswahl mangelt es bei meinVOD jedenfalls nicht, so umfasst das Angebot neben diversen Serien auch mehrere tausend Filme – und das bei ausgewählten Titeln sogar in einem Format, das derzeit weder Netflix noch Amazon als Stream oder Download anbieten – nämlich 3D.
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Wie aber beurteilt Cineplex die kommerziellen Aussichten der neuen Offerte – könnte sie womöglich sogar ausfallende Kinobesuche kompensieren? Frank Noreiks: „Nein, aber das war auch nie die Absicht. Viele Filme sind durch die optimierten Auswertungen auf der Leinwand oftmals schon nicht mehr in Kino zu sehen, wenn der ein oder andere Kinobesucher den Film für sich entdeckt hat. Nun kann der Besucher den Film dann eben auf unserer eigenen Plattform sehen. Die Meldung, dass ein Film nicht mehr verfügbar ist, ist damit Vergangenheit.“

So sei man auch überzeugt davon, mit Cineplex Home ein wertvolles neues Marketingtool zu haben, mit dem man die vorhandene Filmkompetenz perspektivisch voll ausspielen könne. „Perspektivisch“ deshalb, weil derzeit nur die erste Phase live gegangen ist, in der beispielsweise die Kuratierung (also die Auswahl der jeweils empfohlenen Filme) noch über Videociety erfolgt. Eine Aufgabe, die Cineplex künftig schon deshalb übernehmen will, weil sich auf den Film-Detailseiten der Kino-Websites dann passende Empfehlungen ausspielen lassen. Auch zur Gestaltung möglicher Reihen hat man sich bereits Gedanken gemacht. „Die Anreicherung des Kinoprogramms über begleitende Online-Angebote ist ein Bereich, in dem man wunderbar experimentieren kann“, so Kim Koch, Geschäftsführer des Kinoverbundes Cineplex Deutschland.

Derartige Maßnahmen wären indes Teil der zweiten Phase, die nicht nur eine „spürbare Akzeptanz“ des Angebots durch die Kunden erfordert, sondern auch die Verknüpfung mit dem aktuell noch in Vorbereitung befindlichen Loyalty-Programm, über das die gewonnenen Erkenntnisse dann zusammengeführt würden. Aktuell findet der „Check-Out“-Prozess noch über Videociety statt. Mittelfristiges Ziel sei Nutzungs-übergreifende Kundenbindungsmaßnahmen aufzusetzen beziehungsweise bestehende mit den VoD-Abrufen zu verknüpfen. Die Cineplex-Betreiber haben diesbezüglich schon eine ganze Menge Ideen, wobei die Naheliegendste ist, für ein gewisses Volumen an VoD-Nutzung ein Gratis-Kinoticket zu gewähren. „Schließlich liegt es zuallererst in unserem Interesse, gerade die Leute, die viel online konsumieren, wieder zum einen oder anderen Kinobesuch zu animieren“, so Koch.

Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich über Cineplex Home (deckungsgleich zu mein-VOD) Filme und Serien direkt im Browser betrachten, über die meinVOD-App auf SmartTVs und iOS-Geräte, zudem werden ausgewählte Set-top-Boxen unterstützt. Für Cineplex Home hat Noreiks schon einen Filmtipp: Das perfekte Geheimnis. „Als die Kinos schließen mussten war der Film mit der Starbesetzung noch am Laufen. Jetzt haben alle die Gelegenheit sich die deutsche Komödie auf bequem von zu Hause anzuschauen.“ red/zg

Video-on-Demand

Video-on-Demand (VoD) beschreibt die Möglichkeit, Videos wie Filme und Serien auf Anfrage von einem Online-Dienst herunterzuladen oder direkt zu streamen, also anzusehen. Dabei werden verschiedene Varianten der Nutzung angeboten. Die häufigste Art ist Download-to-Rent (DtR), bei der ein Nutzer Inhalte in einem zeitlich begrenzten Rahmen so oft wie gewünscht abspielen kann. Filme und Serien können aber auch nach dem Pay-per-View-Prinzip (Transciptional VoD) gestreamt werden, also Inhalte im Einzelabruf, die nach tatsächlicher Nutzung abgerechnet werden. Aber auch Subsriptional-VoD ist eine beliebte Nutzungsart, bei der ein Abonnement, meist für einen Monat, pauschal abgerechnet wird. soz