Sonderveröffentlichung
Themenspecial Die Adler Saison 2020/2021

Große Ziele trotz einiger Fragezeichen, so Adler-Trainer Pavel Gross

Vorschau: Im Sturm müssen die Adler mit Abgängen rechnen und flexibel reagieren

Er weiß, wo das Tor steht: Brendan Shinnimin (l.) gilt als Top-Neuzugang im Sturm. BILD: SÖRLI BINDER

17.12.2020
Große Ziele trotz einiger Fragezeichen Image 1
Mannheim. Die Saison nach einer Meisterschaft ist nie leicht. Nach dem Titelgewinn 2019 wurden die Adler vom Jäger zum Gejagten. Die Mannschaft von Trainer Pavel Gross meisterte diese Herausforderung. Trotz einiger Probleme knackten die Mannheimer die 100-Punkte-Marke erneut. Es bestand kein Grund, das Grundgerüst des Teams zu verändern, die Adler wurden dazu aber gezwungen. Mit Borna Rendulic und Jan-Mikael Järvinen sprang ein Duo ab, das ohne die Corona-Pandemie wohl geblieben wäre. Zudem galt es, Marcel Goc nach dessen Karriereende zu ersetzen.

Rückblick

Das Coronavirus machte den Adlern einen dicken Strich durch die Rechnung. Zwar kamen sie nach einer Hauptrunde, die nicht immer optimal verlief, hinter München auf dem zweiten Platz ins Ziel. Die Mannheimer sahen sich aber auf einem guten Weg, in den Play-offs ihre Mission Titelverteidigung zu erfüllen.

Tor

Der eine kehrte nach Schweden zurück, der andere nach Mannheim. Nach nur einem Jahr endete das Gastspiel von Johan Gustafsson bei den Adlern schon wieder. Dennis Endras bildet nun mit Felix Brückmann das Torhütergespann. Der 30-Jährige trug schon bis 2014 das blauweiß-rote Trikot. „Felix zeichnet die Ruhe aus, die er im Tor ausstrahlt. Er und Dennis sind fleißige Arbeiter und gute Menschen“, sagt Gross, der auf einen gesunden Konkurrenzkampf setzt: „Es ist wichtig, dass sich beide pushen und das Team davon profitiert.“ Der Coach kennt den Goalie aus gemeinsamen Grizzlys-Tagen. Dass Gross seit der Saison 2018/19 in Mannheim das Zepter schwingt, war ein Grund für Brückmanns Rückkehr. „Ich kenne das Umfeld der Adler, das hilft mir sehr“, sagt der Nationaltorhüter, der sich auf die Zusammenarbeit mit Endras freut: „Wir verstehen uns gut, haben Spaß im Training und gehen fair in diesen Zweikampf.“

Dass Brückmann überhaupt wieder zwischen den Pfosten stehen kann, ist beachtlich. Wegen einer schweren Hüftverletzung mit anschließender Operation verpasste er eine ganze Saison. Seit einem Jahr steht er aber wieder im Rampenlicht der DEL-Stadien. Das nötigt auch Verteidiger Björn Krupp Respekt ab, der mit Brückmann für Wolfsburg spielte: „Er hat wie ein Tier an seinem Comeback gearbeitet und ist mega-gut zurückgekommen.“

Abwehr

Die Adler vertrauen einer eingespielten Abwehr. Janik Möser zog es nach Wolfsburg, ansonsten gibt es keine Veränderungen. Das bedeutet nicht, dass nicht noch Luft nach oben wäre. Besonders Chad Billins und Björn Krupp, die in der vergangenen Saison einen schweren Stand hatten, wollen sich einen Platz im Team erkämpfen.

„Björn ist auf einem guten Weg“, sagt Coach Gross. „Wir haben viel mit ihm geredet. Er wusste, dass es für ihn in Mannheim schwer werden würde, weil die Konkurrenz größer ist als in Wolfsburg. Das hat ihn stärker gemacht. Er marschiert, kämpft und blockt Schüsse.“

In der Vorbereitung zeigte Krupp, dass er ein wichtiger Faktor im Adler-Spiel sein kann. Er geht dem Gegner unter die Haut, kann ihn mit konsequentem Körperspiel so sehr nerven wie eine Wespe, die im Sommer um die Grillsachen schwirrt und sich einfach nicht abschütteln lässt. Dass sein Start in Mannheim hart war, leugnet Krupp nicht: „Die Jungs haben mich aber immer unterstützt. Einige haben ja die gleiche Erfahrung gemacht und mir gesagt, dass das erste Jahr in Mannheim sehr anstrengend ist. Du hast hier einfach einen anderen Druck, weil die Adler immer um die Meisterschaft mitspielen wollen.“

Angriff

In der Abteilung Attacke spielen einige Fragezeichen mit. Wie lange bleiben die von ihren NHL-Clubs ausgeliehenen Marc Michaelis (Vancouver Canucks) und Lean Bergmann (San Jose Sharks) den Adlern erhalten? Hat Tim Stützle sein letztes Spiel für Mannheim im März schon bestritten? Die Senators hätten den 18-jährigen Nummer-drei-Pick jedenfalls lieber gestern als heute in Ottawa. All das hängt auch damit zusammen, wann in Nordamerika die neue Saison beginnt.

Im Sommer gaben die Adler mit Brent Raedeke, Samuel Soramies und Phil Hungerecker drei Stürmer mit deutschem Pass ab, zudem beendete Marcel Goc seine Profikarriere. Sollten mit einem Schlag Michaelis, Bergmann und Stützle wegbrechen, stünden die Mannheimer vor einem mittelgroßen Problem. Mit Jason Bast und dem in der Vorbereitung verletzten Stefan Loibl haben die Blau-Weiß-Roten in diesem Sektor zwar nachgelegt. Es wäre aber zu viel von ihnen verlangt, wenn sie auch die Lücke schließen sollten, die Kapitän Goc hinterlassen hat.

Brendan Shinnimin hat beim MagentaSport Cup gezeigt, dass er einige Tore des nach Schweden (Örebro) abgewanderten Borna Rendulic kompensieren kann. „Shinni hat einen ausgeprägten Hockey Sense. Er ist ein flexibel einsetzbarer, giftiger Spieler, der auch finishen kann“, sagt Gross über den Kanadier. Da auch Jan-Mikael Järvinen nicht mehr für Mannheim spielt, müssen die Adler im Angriff nachlegen. Dabei haben sich während der Vorbereitung die Prioritäten verschoben. Da Andrew Desjardins wegen seiner Beinverletzung lange ausfallen wird, steht ein Nummer-eins-Center ganz oben auf der Wunschliste.

Fazit

Sportmanager Jan-Axel Alavaara muss einmal mehr zeigen, dass er auf alle Eventualitäten die richtige Antwort hat. Der Schwede kann auf ein hervorragendes Netzwerk zurückgreifen. Deutsche Stürmer, die den Adlern im Notfall sofort weiterhelfen, kann er aber nicht backen. Desjardins, der mit David Wolf und Matthias Plachta eine eingespielte Power-Reihe bildete, war zudem als Führungsspieler fest eingeplant.

Auch in Mannheim wissen alle, dass eine außergewöhnliche Saison bevorsteht, das ändert aber nichts an den Zielen. „Wir wollen und sollen eine starke Mannschaft zusammenbauen, die wieder um die Meisterschaft spielt. Deshalb sind wir Trainer da, deshalb sind die Jungs da“, sagt Pavel Gross. Von Christian Rotter