Sonderveröffentlichung
Themenspecial Die Adler Saison 2020/2021

„Das ist wie bei einer Brauerei, die ein Jahr lang kein Pils verkaufen kann“, so Adler-Boss Daniel Hopp

Interview: Adler-Boss Daniel Hopp spricht über die Herausforderungen der Corona-Saison, lobt das Entgegenkommen der Spieler und hofft auf eine Vertragsverlängerung mit der Sportlichen Leitung

„Wir vermissen unsere Zuschauer, unsere Fans“, sagt Daniel Hopp. BILD: SÖRLI BINDER

17.12.2020
„Das ist wie bei einer Brauerei, die ein Jahr lang kein Pils verkaufen kann“ Image 1
Mannheim. Daniel Hopp spricht von der bisher größten Herausforderung in seinem Berufsleben: Erst mit dreimonatiger Verspätung hat sich die Deutsche Eishockey Liga zum Saisonstart durchgerungen. Im Interview mit dieser Redaktion nennt der Gesellschafter der Adler Mannheim und Geschäftsführer der SAP Arena die Gründe.

Herr Hopp, um wie viele Jahre sind Sie seit März gealtert?

Daniel Hopp: Für mich war das eine äußerst schwierige Zeit. Das war die größte Herausforderung, seit ich mit dem Eishockey-Sport zu tun habe – und auch generell meine größte berufliche Herausforderung.

Kann man die Krise mit 1998 vergleichen, als Ihre Familie die Adler vor dem Konkurs gerettet hat?

Hopp: Nein, da hatten wir es ein Stück weit selbst in der Hand, die Zukunft des Clubs zu bestimmen, die Risikoabwägung zu treffen, es zu tun oder es bleiben zu lassen. Nun befinden wir uns aber in einer Situation, in der wir gar nichts in der eigenen Hand haben. Wir sind völlig abhängig von Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Deshalb macht es die Sache noch schwieriger.  
  
Gab es einen Punkt, an dem Sie gedacht haben, dass die komplette Saison ausfällt?

Hopp: Nein. Es gab aber schon viele Situationen, in denen am Himmel ganz viele Fragezeichen aufgetaucht sind. Wir wussten teilweise wirklich nicht, in welche Richtung viele Entscheidungen der Clubs gehen würden, ob überhaupt genügend Vereine bereit stehen, um eine Saison über die Bühne bringen zu können.

Haben Sie sich phasenweise verflucht, dass Ihr Herz ausgerechnet am Eishockey hängt, das in der Corona-Pandemie einen extrem schweren Stand hat?

Hopp: Ganz im Gegenteil, um ehrlich zu sein. Die Gespräche und die Offenheit untereinander haben mich in meinem Tun bestärkt. Man muss im Sport weit blicken, um eine Solidarität zu finden, die es bei uns gegeben hat, und die es auch immer noch gibt. Dieses Miteinander hat mir gezeigt, dass ich mich vor fast 30 Jahren für die richtige Sportart entschieden habe, mich in die richtige Sportart verliebt habe. Wir haben Hand in Hand diese Krise durchgestanden – das ist eine schöne Erfahrung.

Sie mussten in den vergangene Monaten viele Rückschläge wegstecken. Wann ist bei Ihnen die Hoffnung zurückgekehrt?

Hopp: Der erste Hoffnungsschimmer war unsere DEL-Gesellschafterversammlung Ende September in Frankfurt. Wir wurden im Nachgang zwar lautstark kritisiert, weil wir auf den Tisch gelegt haben, wie viel Geld der Liga durch die ausbleibenden Zuschauereinnahmen fehlt. Das wurde gerne mal als Forderung an die Politik dargestellt, war es aber gar nicht. Wir haben an diesem Tag zwar lange miteinander gerungen, aber gemerkt, dass wirklich alle in eine Saison starten wollen. Ob das am Ende auch alle schaffen würden, wussten wir damals noch nicht.

Warum ist das so schwer gefallen?

Hopp: Man muss sich nur einmal vor Augen führen, wo wir an diesem Tag standen. Die zweite Corona-Welle, die uns leider stark getroffen hat, war gerade am Anrollen. Wir standen vor der Situation, keine Ticketeinnahmen, keine Einnahmen aus Essen und Trinken, viel weniger Merchandising-Erlöse zu haben. Das ist wie bei einer Brauerei, die ein Jahr lang ihr Hauptprodukt, das Pilsner Bier, nicht verkaufen darf. Jeder Club hat bei der Gesellschafterversammlung intensiv geprüft, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um spielen zu können. Für mich war das die Initialzündung, damit wir einige Wochen später sagen konnten: Wir starten das Wagnis!

Was waren die wichtigsten Bausteine, um die Saison zu retten?

Hopp: Sicherlich die Gespräche mit den Spielern, den Trainern und dem Management sowie mit allen drum-herum. Das muss man ganz klar sagen, da hat jeder auf Geld verzichtet. Anders wäre es auch nicht möglich gewesen! Alle haben eine große Solidarität gezeigt. Dazu kommen die Coronahilfen Sport in Höhe von maximal 800 000 Euro, die die Clubs bewilligt bekommen haben. Wir haben außerdem viele positive Gespräche mit unseren Partnern und Sponsoren geführt.

Wurden für die Adler die Coronahilfen bewilligt und sind diese sogar schon ausgezahlt worden?

Hopp: Ja, sowohl als auch. Wir haben den Maximalbetrag erhalten.

Wie wichtig ist es, dass der Staat den Proficlubs auch 2021 unter die Arme greift?

Hopp: Die Coronahilfen haben ganz klar dazu beigetragen, dass die Clubs in die Saison starten. Wenn wir längerfristig ohne Zuschauer planen müssen, wäre es wichtig, wenn es ein zweites Paket gibt. Ich finde, man darf auch mal an einem Punkt sagen: Vielen Dank an den Staat, an die Bundesregierung für diese Hilfe, dass sie den Profisport außerhalb der Fußball-Bundesliga nicht vergessen hat.

Beim MagentaSport Cup sind die Adler-Spiele in Berlin und Schwenningen ausgefallen, weil bei diesen Clubs Corona-Fälle auftraten. Ist das ein Vorgeschmack auf die DEL-Saison?

Hopp: Ich hoffe natürlich nicht, aber Flexibilität ist das Gebot der Stunde. Die Gesundheit aller Beteiligten ist das höchste Gut, das es zu verteidigen gilt. Der Fall von Janik Möser (der Verteidiger, der vor der Saison von Mannheim nach Wolfsburg gewechselt ist, leidet nach einer Corona-Infektion an einer Herzmuskelentzündung/Anmerkung der Redaktion) zeigt einmal mehr, wie gefährlich das Coronavirus ist, und welche Auswirkungen es haben kann. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es zu Spielverlegungen kommen kann – oder im schlechtesten Fall zu Absagen. Wir hoffen, dass wir dennoch einen vernünftigen sportlichen Wettbewerb auf die Beine stellen können. In den Zeiten, in denen wir leben, ist Unsicherheit etwas, das uns begleitet.

In der SAP Arena gibt es ein striktes Hygienekonzept. Haben Sie Ihren Spielern auch einen Verhaltenskodex für ihr privates Umfeld mitgegeben?

Hopp: Das sind alles erwachsene Männer und zum großen Teil Familienväter, die sehr verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen. Wir haben aber natürlich darüber gesprochen, dass sie Menschenansammlungen und den ÖPNV meiden sollen. Die Motivation, sich an die Hygieneregeln zu halten, muss die Motivation von jedem sein. Wir spielen nicht nur mit unserer eigenen Gesundheit, sondern auch mit der unseres Umfeldes.

Es soll bald mit der Impfung begonnen werden. Gibt es da einen Fahrplan für die DEL-Clubs?

Hopp: Man muss festhalten, dass die Impfung auf Freiwilligkeit basiert – das gilt auch für Spieler und Clubangestellte. Keiner wird dazu gezwungen. Wir halten uns an den Fahrplan der Ständigen Impfkommission, der Leopoldina und von allen, die sich damit befassen. Daran halten wir uns, für den Profisport wird es keine Ausnahmen geben.

Sie haben den Gehaltsverzicht der Spieler angesprochen. Wie groß ist deren Verständnis, wenn die Adler noch einmal Geld in die Hand nehmen und auf dem Transfermarkt tätig werden?

Hopp: Wir haben mit den Spielern ganz offen darüber diskutiert. Der Club braucht die Flexibilität, Personalentscheidungen zu treffen. Die ist auch da.

Wie viele Positionen sind noch frei?

Hopp: Das hängt davon ab, wann verletzte Spieler wie Stefan Loibl zurückkommen und wann die Saison in der NHL beginnt. Wie lange bleiben unsere NHL-Leihgaben Lean Bergmann und Marc Michaelis? Was passiert mit Tim Stützle? Wenn wir mit längerfristigen Ausfällen konfrontiert werden, werden wir tätig.

Gehen Sie davon aus, dass aufgrund der Situation in Nordamerika hochkarätigere Spieler als in normalen Jahren zu haben sind?

Hopp: Wir haben einen ganz anderen Markt als sonst, weil ganz einfach viel mehr Spieler nach einem Job suchen. Wir haben uns entschieden, dass wir keine Lizenz an einen ausländischen Profi vergeben, der während der Saison wieder gehen kann, sollte anderswo der Spielbetrieb beginnen. Wenn wir von einem Spieler überzeugt sind, holen wir ihn.

Die Jungadler dürfen derzeit nicht spielen. Wie schwerwiegend sind die Konsequenzen für den Nachwuchs?

Hopp: Das ist sicherlich ein Problem. Noch größere Sorgen bereitet mir allerdings, dass wir einen kompletten Jahrgang in der Laufschule verlieren. Das ist ein Jahrgang aus dem Kindergartenalter, der jetzt Schlittschuhlaufen gelernt hätte. Wenn man ein paar Jahre vorausschaut, fehlt uns dieses Jahr 2020 in der Kern-Ausbildung – dort, wo gesät wird. Das größte Drama in der Pandemie ist, dass der Nachwuchssport stillsteht.

2021 laufen die Verträge von Manager Jan-Axel Alavaara, Chefcoach Pavel Gross und Co-Trainer Mike Pellegrims aus. Was ist Stand der Dinge?

Hopp: Ich habe großes Interesse daran, dass wir in dieser Konstellation weitermachen. Das ist ein großer Erfolgsfaktor unseres Clubs. Daran arbeite ich im Moment.

Welches Arena-Erlebnis vermissen Sie derzeit am meisten und hoffen, es im Jahr 2021 wieder genießen zu dürfen?

Hopp: Die erste Veranstaltung ohne Beschränkungen wird eine ganz besondere sein. Wir vermissen einfach unsere Zuschauer, unsere Fans, alle, die in der Vergangenheit gerne in die SAP Arena gekommen sind. Von Christian Rotter
  

Adler-Boss und Arena-Chef

· Geboren wurde Daniel Hopp am 10. Oktober 1980 in Sinsheim, er wuchs in Walldorf auf.
· Der Sohn von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp ist Geschäftsführer der SAP Arena sowie Gesellschafter der Adler Mannheim in der Deutschen Eishockey Liga (DEL).
· Der 40-Jährige sitzt im DEL-Aufsichtsrat und ist zudem seit Juli 2014 Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB).
· Hopp ist verheiratet und hat zwei Söhne (Jonas und David).