Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Mannheim – von A bis Z

              

Von Peter W. Ragge

Allaa hört man in Mannheim ständig, doch das hat rein gar nichts mit Allah als dem Gott der Muslime zu tun. Vielmehr geht es auf den starken Einfluss nach mehrfachen Besetzungen durch französische Soldaten im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert sowie aus Frankreich stammende Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) zurück, die den Dialekt der Stadt stark geprägt haben. Das in der Umgangssprache in kaum einem Satz fehlende állaa kommt vom französischen állez, dient aber nicht allein als Aufforderung für "Los, auf" oder "alla, jetzt gehen wir", sondern ist auch einfach ein Füllwort, kann das zuvor Gesagte bestätigen (allaa, hab' ichs nicht gesagt!") oder die Funktion wie "als dann" haben: "állaa, machs gud!".

BASF steht für einen weltweit bekannten Ludwigshafener Chemiekonzern, doch es ist eine Mannheimer Gründung. Am 6. April 1865 hebt der Goldschmied Friedrich Engelhorn (1821–1902), Besitzer einer Leuchtgasfabrik in Mannheim und mit Partnern Gründer weiterer chemischer Betriebe im Jungbusch, das Unternehmen in der Quadratestadt aus der Taufe - als Badische Anilin- und Sodafabrik. Hergestellt werden sollen Farbstoffe, aber auch die nötigen Vorprodukte. Gerne hätte Engelhorn die Firma, da der Platz im Jungbusch zu knapp ist, auf den Mannheimer "Neuwiesen" angesiedelt, denn damals erweitert sich die Stadt gerade nach Osten. Doch auch wenn schon ein Kaufvertrag vorliegt, lehnt der Bürgerausschuss das ab - angeblich wegen eines höheren Angebots von Engelhorns Konkurrenten. Die BASF baut daher die Fabrikationsbauten am gegenüberliegenden Rheinufer im pfälzischen Ludwigshafen, das damals zum Königreich Bayern gehört. Auf dem von der BASF gewünschten Mannheimer Gelände finden ab 1869 Pferderennen statt, seit 1975 zählt es zum Luisenpark.
          
Cosimo Alessandro Collini (1727–1806) ist Spross einer adligen Florentiner Familie und eigentlich Studienabbrecher. Er dient dem oft am kurpfälzischen Hof weilenden französischen Dichter Voltaire fünf Jahre als Privatsekretär, wird zum Freund und Wegbegleiter. Schließlich vermittelt ihm der Franzose ab 1760 eine Anstellung als kurfürstlicher Geheimsekretär am Mannheimer Hof Carl Theodors. Der Regent befördert ihn gar zum „Hofhistoriografen“, also Geschichtsschreiber. 1763 zählt er zu den Gründungsmitgliedern der „Academia Theodoro Palatina“, der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften, und wird Direktor des Naturalienkabinetts im Mannheimer Schloss. Eine Straße und ein Wohnblock (Collini-Center) erinnern in Mannheim heute an ihn.
             
BILD: THOMAS TRÖSTER
BILD: THOMAS TRÖSTER
Drais, genauer Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn, hat das als Vorgänger des Fahrrads „Laufmaschine“ genannte Gerät aus Holz, Metall und Leder vor über 200 Jahren in Mannheim erfunden und erprobt. Er war damit 15 Kilometer schnell, viel schneller als ein Fußgänger. Die erste überlieferte Tour von Drais führte am 12. Juni 1817 von Mannheim nach Rheinau. Dabei hat er die sieben Kilometer lange Strecke schneller als eine Postkutsche absolviert.Auf zwei hölzernen, mit Metall beschlagenen Rädern zu balancieren, mit einer Lenkung am Vorderrad das Gleichgewicht zu halten – das war anstrengend. So richtig großen Erfolg hat Drais daher nicht damit. Auch wenn er seine Erfindung 1818 schützen lässt und Baupläne sowie eine Lizenzplakette mit dem Wappen der Familie Drais verkauft, bringt ihm das nicht viel. Das Patent erstreckt sich allein auf das Großherzogtum Baden, und überall erlaubt sind diese leisen Laufmaschinen, mit denen man so schnell heranpirscht und Fußgänger wie Pferde erschrickt, auch nicht. Den heutigen Siegeszug des Fahrrads hätte er sich nie träumen lassen.
          
Europaplatz heißt offiziell die ovale Grünfläche an der östlichen Autobahneinfahrt Mannheims. Das hat der Gemeinderat zwar schon 1996 beschlossen, aber das sagt kein Mannheimer. Umgangssprachlich nennen die Bürger das Areal immer noch "Karnickelwiese", weil dort viele Langohren ihren Bau haben und - trotz viel befahrener Straße - herumhüpfen. Seit 1984 steht hier das Planetarium. Entstanden ist die Fläche, die zugleich der Einmündung in die Augustaanlage dient, beim Bau der Autobahn 1933 bis 1935. Die In der Ära der Nationalsozialisten hier geplante Riesenskulptur von Bernhard Bleeker mit vier monumentalen Plastiken , als Hommage an die deutsche Ingenieurskunst ganz im Stil der Nazis acht Meter hoch aus Muschelkalk geformt, wird nie realisiert.

Fasnacht ist wichtig in Mannheim. Die Kampagne beginnt eher im kleinen Rahmen am 11.11., aber nimmt dann mit einer großen Veranstaltung am 6. Janaur im Rosengarten Fahrt auf und erreicht am Fasnachtssonntag ihren Höhepunkt. Da gibt es, jeweils im Wechsel in Mannheim und Ludwigshafen, einen großen, gemeinsamen Fasnachtszug der pfälzischen und Mannheimer Vereine. In Mannheim verantwortlich ist die Karnealskommission, Dachorganisation von immerhin 23 Karnevalsvereinen. In jedem der Mannheimer Vororte gibt es mindestens einen, oft zwei oder drei aktive Vereine. Die älteste Gesellschaft ist der schon 1898 gegründete Feuerio, der auch außerhalb der Kampagne die Mannheimer Gesellschaft prägt, etwa durch die Mitwirkung beim Stadtfest oder die Ausrichtung des Blumepeterfests, der größten Freiluft-Benefizveranstaltung, deren Erlös die Aktion "Wir wollen helfen" des "Mannheimer Morgen" erhält.
              
BILD: BASF SE
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Grupello Pyramide ist der offizielle Name der Brunnenskulptur auf dem Paradeplatz. Seit 1743 schmückt die Pyramide des Bildhauers Gabriel Grupello (1644-1730), die als größte Metallskulptur des 18. Jahrhunderts gilt, die Mitte des Platzes. Eigentlich hatte er sie 1714/15 als Brunnenmonument für Düsseldorf, die Residenz des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm (1758-1716), entworfen. Kurfürst Carl Philipp lässt sie nach Mannheim bringen. 1895 erhält die Pyramide eine Erweiterung durch ausladende Brunnenschalen mit Figuren aus der Werkstatt des Bildhauers Johannes Hoffart (1851-1921). Die Pyramide sollte eine "Allegorie an die Tugenden eines Herrschers" darstellen - mit den vier Figuren der Gerechtigkeit, Klugheit, Stärke und Mäßigung sowie an der Spitze der Wahrheit. Dazu umlagern die Flussgötter Rhein, Neckar, Mosel und Donau (überall dort regierten die Kurpfälzer) das denkmal, kämpft ganz oben Herkules mit der Hydra. Ein eigens gegründeter Förderverein hat 1993 für eine umfassende Sanierung gesorgt.

Heckel, Emil, ist ein 1831 geborener, 1908 gestorbener Mannheimer Musikalienhändler, der als wichtigster Wegbereiter der Musik Richard Wagners und seines Festspielhauses gilt. Er gründet am 1. Juni 1871 mit Zustimmung des Komponisten den weltweit ersten Richard-Wagner-Verein und übernimmt den Vorsitz. Über 700 Mitglieder zählt der Verein bald. Und immerhin 51 000 Taler umfasst der Betrag aus Mannheim für das Festspielhaus in Bayreuth, das ist ein Siebtel der Gesamtbausumme für das Gebäude auf dem grünen Hügel. Wagner ernennt Heckel zum Ehrenpatron, beruft ihn in den Verwaltungsrat der Festspiele. Der Musikalienhändler drängt auch darauf, dass in Mannheim mehr Wagner aufgeführt wird, und begründet so den Ruf der Quadratestadt als Wagner-Stadt. „Hat jeder Topf seinen Deckel, der Wagner seinen Heckel, dann lebt sich’s ohne Sorgen, die Welt ist dann geborgen", schreibt der Komponist daher in einer Würdigung für den Mannheimer.

Institut für Deutsche Sprache (IDS, in Mannheim 1964 gegründet, ist die zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache, sowohl in ihrem gegenwärtigen Gebrauch und in ihrer Geschichte. Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird das IDS je zur Hälfte vom Bund und dem Land Baden-Württemberg (unter Beteiligung aller Länder) finanziert. Dass es in der Quadratestadt ansässig ist, begründet auch ihren ruf als "Hauptstadt der deutschen Sprache". Schließlich sitzt hier auch die Geschäftsstelle vom Rat für deutsche Rechtschreibung, der die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum bewahren und die Rechtschreibung weiterzuentwickeln soll. 
                 
BILD: STOCK.ADOBE.COM-LEONID ANDRONOV
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Jäger aus Kurpfalz ist nicht nur ein bekanntes Volkslied über die Jagd, das vom Ende des 18. Jahrhunderts stammt. Vorbild soll ein Förster von Mannheims Kurfürst Carl Theodor oder gar der jagdbegeisterte Kurfürst selbst gewesen sein. Populär wurden Lied und Figur aber in Mannheim, als der "Jäger aus Kurpfalz" 1975 zum Maskottchen der damaligen Bundesgartenschau wurden. Einmal zeichnete der bekannte Karikaturist und Kabarettist Vicco von Bülow ("Loriot") ein Männchen mit Knollennase, Dreispitz und einem Gewehr, aus dem eine Blume sprießt. Zudem verkörperte der Mannheimer Musiker und Entertainer Fred Reibold ab 1975 bis 2013, als er unerwartet im Alter von 78 Jahren an Herzversagen starb, als "Jäger aus Kurpfalz" die Symbolfigur nicht nur der Mannheimer Stadtparks, sondern die ganze Kurpfalz.

Krempelmarkt ist auf dem neuen Messplatz - ein riesiger Flohmarkt an sieben Samstagen im Jahr. Sie knüpfen an die „Krempelmärkte“ des 19. Jahrhunderts an, damals Gebrauchtwarenmärkte für Stadtbürger. Den ersten Krempelmarkt der neuen Generation gibt es 1970 – durch Zufall. Der Mannheimer Einzelhandelsverband richtet damals eine große Aktion unter dem Motto „Mannheim aktiv“ aus, wozu ein Festzelt aufgebaut ist. An einem Tag wäre es aber ungenutzt, und so entsteht die Idee, hier einen Flohmarkt auszurichten. Die Männer der ersten Stunde sind der unverändert aktive Fritz Gärtner aus Käfertal und der – inzwischen verstorbene – frühere „Mannheimer Morgen“-Redakteur Dieter Preuss. Sie scharen einen kleinen Kreis engagierter Ehrenamtlicher um sich, die sich „Krempelmarktkomitee“ nennen. 1980 werden sie vom Land als „Vorbildliche Bürgeraktion“ geehrt. Erst 1994 erfolgt der Eintrag ins Vereinsregister. Inzwischen sind die Krämer mehrfach gewandert. Vom Paradeplatz geht es in die Borelly-Grotte, dann rund ums Nationaltheater auf dem Goetheplatz, nun auf den Neuen Messplatz. Die Überschüsse der Standgebühren werden stets gespendet für soziale, ökologische oder kulturelle Projekte.

Lauer´sche Gärten nennt sich eine Grünfläche in M 6, früher die Parkanlage der Fabrikantenfamilie von Friedrich Lauer und sein Wohnhaus, 1918 von der Stadt erworben. Hier ist einer der wenigen oberirdisch erhaltenen Rest der alten, "Bastion" genannten Mannheimer Befestigung. Das in rotem Sandstein ausgeführte Fundament stammt aus der Zeit zwischen 1727 und 1739. Die Stadt will hier 1921 erst einen Handelshof, dann ein Bürogebäude errichten - doch es bleibt Grünanlage. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges fordert die nationalsozialistische Herrschaft hier ihre letzten Opfer: Am 28. März 1945, die Soldaten der US-Army sind schon im Mannheimer Norden, werden Hermann Adis, Adolf Doland und Erich Paul an der Mauer standrechtlich erschossen, weil sie auf dem Kaufhaus Vetter in N 7 die weiße Fahne gehisst haben sollen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Dass die beteiligten Polizisten nach dem Krieg nur geringen Strafen erhalten, können viele Mannheimer nicht verstehen.
                
BILD: CHRISTOPH BLÜTHNER
BILD: CHRISTOPH BLÜTHNER
Maimarkt ist in Mannheim ab dem letzten Samstag im April bis zum zweiten Dienstag im Mai. Die Wurzeln gehen auf das Jahr 1613 zurück, als Pfalzgraf Johann II. der Stadt die Marktprivilegien verleiht. Innerhalb Mannheims wechseln mehrfach die Standorte - Innenstadt, Kaufhaus N 1, Paradeplatz, Rosengarten, Schlachthof. Inzwischen hat sich daraus die größte regionale Verbraucherausstellung entwickelt, die dank zahlreicher attraktiver Sonderschauen und abwechslungsreicher Angebote um die 300 000 besucher an elf Tagen anlockt. 1984 findet sie letztmals am Friedensplatz, der seit 1962 ihre Heimat darstellt, statt. Doch weil Mannheim 1979 den Zuschlag für den Bau des Landesmuseums für Technik und Arbeit (heute Technoseum) erhält und dasdort errichtet werden soll, sind Maimarkt sowie Fertighaus-Ausstellung im Weg. Die Verlegung ins Mühlfeld ist heftig umstritten, wird aber 1981 dennoch mit großer Mehrheit beschlossen. 1985 öffnen sich erstmals die Tore des neuen Geländes auf dem Mühlfeld.

Neckargärten stellen die allererste Erweiterung Mannheims dar, als die Stadt noch von einer Festungsmauer umgeben ist. Die Bürger legen ab 1679 nördlich des Neckars auf dem „Pflügersgrund“ Gärten an. Mit dem Erlös des Verkauf oder der Verpachtung der Flächen will die Stadt eine Brücke finanzieren. Anfangs sind es wirklich Gärten, aber dann wird immer mehr gesiedelt und gebaut - anfangs nicht so offiziell, ab 1872 als „Neckarvorstadt“ genannter neuer Mannheimer Stadtteil, heute Neckarstadt-West. Heute steht der Name "Neckargärten" für einen Verein, dessen Mitglieder gemeinsam ein großes, öffentliches Gartengrundstück an der Waldhofstraße bepflanzen.

Oststadttheater, 1990 als „Mannheims heitere Bühne“ für Komödien, Krimis, Kinderstücke und Mundart gegründet. Es ist Mannheims zweitgrößtes Theater - inzwischen mit dem Untertitel "Das Lächeln in N 1" - und steht für fröhlich-locker-leichte Unterhaltung ohne Zeigefinger, wonach das Publikum lechzt und wofür sich manche großen Theater zu schade sind. Seit der Gründung bespielte es den Kahnweilersaal im Untergeschoss der Kunsthalle, 2014 zog es in den dafür eigens umgebauten Bürgersaal im Stadthaus N 1 um. Bekannt ist es für eine herzlich-persönliche Atmosphäre in schönem Ambiente und dass man hier bei kurpfälzer Mundartstücken, spannend inszenierten Krimis und erfrischend witzigen, teils auch einfach urkomischen Schenkelklopfer-Boulevardkomödien herrlich Lachen kann.
                
BILD: STOCK.ADOBE.COM- CPN
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Palais Bretzenheim ist das Gebäude in A 2 gegenüber vom Schloss, das Kurfürst Carl Theodor für seine Geliebte und die vier gemeinsamen Sprösslinge errichtet hat. Es handelt sich um eines der wichtigsten Alt-Mannheimer Adelshäuser, 1782 bis 1788 nach den Plänen von Peter Anton von Verschaffelt im strengen klassizistischen Stil erbaut. Wolfgang Amadeus Mozart soll den unehelichen Kindern von Carl Theodor in dem Palais Klavierunterricht gegeben haben – woran eine Gedenktafel im Treppenhaus erinnert. Die Maitresse des Herrschers musste damals direkt gegenüber des Schlosses leben und hier die vier Kinder (drei Töchter und ein Sohn) aufziehen. Carl Theodor hatte die Tänzerin, offiziell „Figurantin am Opernballett“, Josepha Seyffert später zur Gräfin Heydeck erhoben und mit der Grafschaft Bretzenheim, an der Nahe gelegen, bedacht. Der uneheliche Sohn Karl August Friedrich Joseph wurde erster Reichsfürst von und zu Bretzenheim – die Linie starb aber dann im 19. Jahrhundert aus. Die Erben der unehelichen Kinder veräußerten das Palais 1842 an Konrad Rutsch. Danach wurde es in Wohnungen aufgeteilt, 1899 erwarb es die Rheinische Hypothekenbank. Im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört, hat man danach nur die Fassade mit schmiedeeisernen Fenstergittern sowie das Haupttreppenhaus mit den Stuckreliefs rekonstruiert. Der Öffentlichkeit blieb das weitgehend verborgen, bis die Bank aufgelöst wurde. Heute dient das Gebäude dem Amtsgericht.

Quadrate prägen Mannheim, zumindest die Innenstadt. Dort gibt es keine Straßennamen, sondern man wohnt zum Beispiel in B 5,12 oder F 4,14. Das geht zurück auf die Stadtgründung 1606. Den Plan dazu fertigte der niederländische Baumeister Bartel Janson, der sich wiederum am Schachbrettmuster der Renaissance-Idealstadt des Italieners Pietro Cataneo orientierte. Nach zwei Zerstörungen (im Dreißigjährigen Krieg und im Orleanschen Krieg) baute der niederländische Festungsbaumeister Coehorn Mannheim ab 1697 wieder auf, erneut in Quadraten. Die heutige Zählung der Quadrate mit Buchstaben und Ziffern wurde im Jahr 1811 eingeführt. Innerhalb des Rings gibt es 143 Quadrate, vom Schloss und entlang der Breiten Straße gesehen links mit A bis K, rechts mit L bis U bezeichnet sowie dann innerhalb der Reihe jeweils nach außen fortlaufend numeriert. Die Hausnummern beginnen in der dem Schloss zugewendeten Ecke und laufen bei den Quadraten A-K gegen den Uhrzeigersinn, bei den Quadraten L-U indes werden die Hausnummern von der dem Schloss zugewendeten Seite beginnend mit dem Uhrzeigersinn gezählt.

Reißinsel nennt sich ein Urwald direkt am Rande der Stadt, mit üppigen Weiden, verschlungenem Wurzelwerk, sattgrünem Dickicht und riesigem Geäst ein romantischer Ort. Aber eigentlich wollte man dort Lehm abbauen, eine Ziegelei errichten, dazu rauchende Fabriken. Carl Reiß aber war fasziniert von der Natur, stiftet der Stadt die von ihm 1881 eigentlich zur Ausbeutung erworbene Fasaneninsel. Damit ist die heutige Reißinsel eine der großen Stiftungen für Mannheim. „Hochherzigen Stifter“ nennt Großherzog Friedrich II. daher den Industriellen Carl Reiß. Er ist Gründer von Banken, gehört zeitweise den Aufsichtsräten von über 25 Unternehmen an, ist nationalliberaler Abgeordneter seiner Heimatstadt. Er geht auch gerne auf die Jagd. „Die Insel soll auf ewige Zeiten erhalten bleiben und den Einwohnern meiner Vaterstadt zur Erholung dienen“, schreibt Reiß in seinem Testament. Und nicht nur die Insel vermacht er Mannheim. „Meine Verwandtschaft ist die Allgemeinheit“, sagt er schon zu seinem 70. Geburtstag. Als er 1914 stirbt und seine – ebenso kinderlose – Schwester Anna Reiß ein Jahr später, geht das ganze Familienvermögen an die Stadt.
               
BILD: THOMAS TRÖSTER
BILD: THOMAS TRÖSTER
Schloss Mannheim zählt mit seinem weiten Ehrenhof und einer Schaufassade von 440 Metern Länge zu den größten Schlössern Europas. Es geht auf die 1606 von Kurfürst Friedrich IV. gegründete Festung „Friedrichsburg“ zurück, die aber im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört wird. 1720 gerät Kurfürst Carl Philipp in Streit mit den Heidelbegern, wo er bisher residiert, zieht nach Mannheim. Hier lässt er den Grundstein zu einem neuen, repräsentativen Schlossbau legen. 1731 sind die ersten Räume im westlichen Corps de Logis, dem Schlossmittelbau, bezugsfertig. Carl Philipps Nachfolger, Kurfürst Carl Theodor, lässt die Residenz weiter ausbauen. 1777verlässt er aber Mannheim, um das bayerische Erbe anzutreten, und siedelte mit dem Hofstaat nach München über. 1803 fällt das Schloss wie ganz Mannheim an Baden und dient von 1806 bis 1811 dem Erbgroßherzogspaar Carl von Baden und Stéphanie de Beauharnais. Dann wählt es Stéphanie 1818 als Witwensitz, hält hier groß Hof und sorgt für eine zweite Blüte. Heute nutzt die Universität einen Großteil des Barockbaus. Im Mittelbau befindet sich ein Schlossmuseum, zudem gibt es rekonstruierte historische Räume - aber erst wieder ab Januar 2020, weil derzeit eine Sanierung läuft.

TÜV, eigentlich Technischer Überwachungs-Verein, ist eine Mannheimer Gründung. Er entsteht als Dampfkesselrevisionsverein, 1866 in Mannheim durch Betreiber von Dampfkesselanlagen als Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft, ausgelöst durch die Explosion des Kessels in der Mannheimer Aktienbrauerei im Januar 1865 mit einem Toten und vier Verletzten. Der Unternehmenszweck bestand darin, "Mensch, Umwelt und Sachgüter vor den nachteiligen Auswirkungen der Technik zu bewahren". Man will die Kessel regelmäßig prüfen und sich für den Schadensfall gegenseitig versichern. Die „Gesellschaft zur Ueberwachung und Versicherung von Dampfkesseln mit dem Sitze in Mannheim“, abgekürzt DÜV, ist die Vorläuferorganisation des heutigen TÜV-SÜD.

Umweltprobleme will Mannheim mit Hilfe der Bundesregierung in den Griff bekommen. Sie ist vom Bund zur Modellstadt für die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Stickstoffdioxid-Reduktion ausgewählt worden. Ein wichtiger Baustein des Modellstadt-Projektes ist die Förderung von günstigen ÖPNV-Tickets. Dazu werden seit Januar 2019 in der Großwabe Mannheim/Ludwigshafen sogenannte „GreenCity-Tickets“ angeboten. Der Einzelfahrschein für einen Erwachsenen beispielsweise reduziert sich hier um circa ein Drittel von regulär 2,60 Euro auf 1,80 Euro. Auch der Preis für die Jahreskarte reduziert sich, es werden günstigere Job-Tickets angeboten, die Taktung von Buslinien verdichtet.

Vororte sind wichtig, nicht ohne Grund heißt es in Mannheim immer wieder, sie sei die "Stadt der Vororte". Schließlich kamen durch Eingemeindung zwischen 1897 (Käfertal) und 1930 (Seckenheim) zahlreiche vorher selbstständige, große und auch selbstbewusste Dörfer zu Mannheim. Heute wird das Stadtgebiet in 17 Stadtbezirke und, noch kleinteiliger, 24 Stadtteile (so besteht der Bezirk Neckarau aus Neckarau, Almenhof, Niederfeld, der Bezirk Waldhof aus Waldhof, Luzenberg, Gartenstadt) unterteilt. Für die Bürger hat eine große Bedeutung, dass sie in Außenstellen der Verwaltung - Bürgerdienst genannt - viele Behördengänge vor ort erledigen können. Viele Stadtteilfeste sowie Heimat- und Bürgervereine halten das Vorort-Bewusstsein wach.

Wolfsangel ist Teil des Stadtwappens. Dabei handelt es sich ursprünglich um ein Jagdgerät mit zwei Zacken. Es gilt früh als Symbol für das Dorf Mannheim, spätestens aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist es auf Grenzsteinen, Münzen, Stadtansichten und Siegeln belegt. Im Wappen befindet es sich auf der heraldisch rechten Seite, rot auf gelbem Grund. Auf der heraldisch linken Seite findet man einen goldenen Löwe mit doppeltem Schweif, roter Krone, roter Zunge und roten Krallen auf schwarzem Grund. Er symbolisiert die ursprüngliche Zugehörigkeit Mannheims zur Kurpfalz.

Xavier Naidoo ist immer noch einer der bekanntesten Mannheimer. Er sang im Gospelchor Wallstadt, wo er aufwuchs, war nach der Realschule zunächst Koch-Lehrling und dann Türsteher. Mit dem Titelsong des regionalen Musicals "Human Pacific", der Hit bei Radio Regenbogen wurde, fing seine Karriere an. Wenn er auch mit seinen religiösen Liedtexten und poltischen Stellungnahmen manchmal Kontroversen auslöste, so hat er durch seine Solokarriere wie auch durch die von ihm gegründeten "Söhne Mannheims" die Stadt doch sehr bekannt gemacht.

Yavuz Sultan Selim Moschee, zwischen 1993 und 1995 im Mannheimer Stadtteil Jungbusch erbaut, war anfangs die größte, seit der Eröffnung eines größeren Bauswerks 2008 in Duisburg die zweitgrößte deutsche Moschee. Das 32 Meter hohe Minarett seht direkt gegenüber einer katholischen Kirche - und beide vertragen sich. Die Moschee ist nach dem osmanischen Sultan Selim Yavuz aus dem 15. Jahrhundert benannt. Sie hat 2500 Plätze.

Zeughaus nannte sich ursprünglich das in C 5 errichtete Arsenal des kurpfälzischen Heeres, gebaut von Peter Anton von Verschaffelt (1710 – 1793) für das Kriegsgeschütz, Waffen und Uniformen. Auch die Bürgerwehr nutzt es später, im Krieg von 1870/71 dient es als Lazarett, dann belegt es das Badische Grenadier-Regiment. Inzwischen dient es den Reiss-Engelhorn-Museen, die hier mehr als 6000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte dokumentieren, etwa die "Belle Époque" als wichtiges Kapitel der Mannheimer Stadtgeschichte, sakrale Kostbarkeiten von der Romanik bis zum Barock, Exponate der Antike von den Griechen über die Etrusker und Römer bis in den Orient, Kunst- und Theatergeschichte. Die Fassade schmückt die Lichtinstallation LUX der Künstlerin Elisabeth Brockmann.
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