Sonderveröffentlichung
Themenspecial Immojournal Dezember 2019

Kosten rund ums Wohnen höher

Statistik: Immobilienpreise in zehn Jahren um fast 50 Prozent und Ausgaben für Instandhaltung und Reparatur 26 Prozent gestiegen

Vielerorts werden die Mieten teurer, aber auch die Kosten rund ums Wohnen haben von 2008 bis 2018 deutlich zugelegt. Um circa 26 Prozent sind in dieser Zeit etwa die Preise für Instandhaltung und Reparatur der Wohnung gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Destatis-Präsident Georg Thiel sagte in Berlin: „Im Vergleich erhöhte sich der Verbraucherpreisindex insgesamt von 2008 bis 2018 nur um knapp 13 Prozent“. Dort hat er die Entwicklungen der vergangenen Jahre auf dem Wohn- und Immobilienmarkt in Deutschland zusammengefasst. Ein Überblick:

Immobilienpreise: Wegen der niedrigen Zinsen investieren immer mehr Menschen in Wohneigentum. Das hat die Immobilienpreise in Deutschland in den vergangenen Jahren rasant steigen lassen. Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie für Eigentumswohnungen verteuerten sich den Statistikern zufolge zwischen 2008 und 2018 um rund 48 Prozent. Seit 2015 hat sich die Zunahme noch einmal beschleunigt. Seither stiegen die Preise jährlich zwischen 4,7 und 7,5 Prozent.

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Davon besonders betroffen sind die Großstädte. Allein zwischen 2016 und 2018 stiegen die Preise für Eigentumswohnungen in den sieben größten deutschen Städten um rund ein Viertel. Um etwa 20 Prozent legten dort im selben Zeitraum die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser zu. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen gingen die Preise um mehr als zehn Prozent nach oben.

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Bautätigkeit: „Der Bedarf an neuen Wohnungen bleibt sehr hoch“, stellte Destatis-Chef Thiel fest. Doch die Städte kommen mit dem Bau nicht hinterher. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr rund 287 000 Wohnungen fertig gestellt. Thiel erinnerte daran, dass es jährlich 375 000 Wohnungen sein müssten, wollte die Bundesregierung ihr Ziel von 1,5 Millionen Einheiten bis 2021 erreichen. „Deutschland steht also in einem Baustau“, sagte er.

Das wird auch am sogenannten Bauüberhang deutlich, also der Zahl genehmigter, aber noch nicht fertig gestellter Wohneinheiten. Im vergangenen Jahr waren den Statistikern zufolge insgesamt 693 000 Wohnungen genehmigt, aber noch nicht gebaut. 2008 waren es gerade einmal halb so viele.

Bevölkerung: Dass die Wohnungen in den Metropolen so knapp sind, liegt auch daran, dass in Deutschland immer mehr Menschen leben. Zwischen 2012 und 2018 ist die Bevölkerungszahl um 2,5 Millionen Menschen oder rund drei Prozent gewachsen. „Der Zuwachs ist bundesweit betrachtet hauptsächlich auf den positiven Außenwanderungssaldo zurückzuführen“, sagte Thiel. Es kommen also mehr Menschen nach Deutschland als von hier weg ziehen. In kreisfreien Großstädten ist das nahezu der einzige Grund des Wachstums, weil es außer in Hamburg und Berlin überall ein Geburtendefizit gibt. Vor allem junge Menschen zieht es in die Metropolen. Ab einem Alter von 40 Jahren ziehen aber wieder deutlich mehr Menschen in ländliche Regionen als von dort weg.
      
Wohnfläche: Das Wachstum der Städte und der mangelnde Wohnraum führen dazu, dass die Menschen zusammenrücken. Zwischen 2010 und 2018 nahm die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in den sieben größten Städten um 1,7 auf 39,2 Quadratmeter ab. „Der knapper werdende Wohnraum wird zunehmend geteilt“, heißt es bei Destatis. „Der Anteil der von zwei Personen bewohnten Wohnungen stieg in dieser Zeit von 30 auf 32 Prozent und der von drei und mehr Personen bewohnten Wohnungen von 19 auf 22 Prozent.“

Wohnungspolitik: Der Chef des Immobilienunternehmens Deutsche Wohnen, Michael Zahn, macht maßgeblich die Politik für die angespannte Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt verantwortlich. „Ich denke, dass die Probleme in der Immobilienbranche in erster Linie darauf zurückzuführen sind, dass die Wohnungspolitik den Trend Urbanisierung nicht gesehen hat“, sagte er in Berlin. Als Antwort nun möglichst schnell, auf möglichst günstige Weise Wohnraum zu schaffen, sei falsch. „Das Thema ist komplexer.“ Es müsse etwa darüber nachgedacht werden, wo in Zukunft Arbeitsplätze angesiedelt werden, denn auch dafür sei der Raum in den Städten inzwischen knapp. Das selbstgesteckte Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen bis 2021 werde die Bundesregierung deutlich verfehlen. „Es scheitert größtenteils an Politik und an Administration und der fehlenden Bereitschaft, Städte so zu denken, wie diese sich wahrscheinlich in 20, 30 Jahren abbilden werden“, sagte Zahn. dpa
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