Sonderveröffentlichung
Themenspecial Outdoor 2020

Weinheim: Nichts für schwache Nerven

Jakobswand: 15 Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden hat das Kletterzentrum Sektion Weinheim des Deutschen Alpenvereins zu bieten

Den „Hennes-Steig“ kann man von zwei Seiten begehen. Von unten führen eine überhängende Leiter und begehbare Trittstifte zum Ziel. BILDER: DAV SEKTION WEINHEIM

17.06.2020
Nichts für schwache Nerven Image 1
Wem Indoor-Kletterwände und Boulderhallen längst nicht mehr reichen, zieht es nach draußen an echte Felswände. Davon haben die umliegenden Regionen wie der Pfälzer Wald oder der Odenwald einige zu bieten. Die Jakobswand hat auf dem Gelände des Kletterzentrums Sektion Weinheim des Deutschen Alpenvereins (DAV) einiges für aufstrebende Outdoor-Fans in petto. Die bis zu 60 Meter hohe Jakobswand gilt als Schmuckstück des Sektionsgeländes und wurde als ehemaliger Steinbruch in den 80er Jahren aufwendig gesichert und in einen vielseitigen Klettergarten verwandelt.

Heute können sich dort Kletterbegeisterte an insgesamt 15 Routen in mehreren Varianten wagen. Bei den Sportkletterrouten vom dritten bis achten Schwierigkeitsgrad ist für jeden Anspruch etwas dabei. Mit bis zu drei Seillängen bietet die Jakobswand aber auch hervorragende Möglichkeiten, sich auf alpine Touren vorzubereiten. Zwei Klettersteige in den Schwierigkeitsgraden C/D und E/F, letzterer gilt als einer der schwierigsten Europas, fordern zudem auch Erfahrene heraus.
  
Feuer & Flamme
Vorbereitung muss sein Bevor man sich allerdings an die Felswand wagt, sollte man sich mit zwei bis drei Routen am Kletterturm warm machen, rät Sven Jonke, Gruppenleiter des DAV Sektion Weinheim. „Vielleicht auch einfach einen kleinen Klettersteig machen, bevor es an die schwierigen geht.“ Mitbringen müsse man prinzipiell nichts, da im Kletterzentrum alles an Ausrüstung – Helme, Schuhe und ganze Sets – ausgeliehen werden kann. „Nach oben hin sind dem aber keine Grenzen gesetzt“, so der Heddesheimer. „Eigene Klemmkeile, Bandschlingen, Karabiner – alles darf eingesetzt werden.“ Wenn die Montur sitzt und die Muskeln aufgewärmt sind, kann es endlich an die Felswand gehen. „Für Anfänger empfehle ich die ,Sonnenplatte’, da man im TopRope gesichert klettern kann und trotzdem Felskontakt bekommt“, erklärt Jonke. Die Route im Schwierigkeitsgrad drei bis sechs werde oft auch von Schulklassen oder Ferien-Gruppen bestiegen. „Unerfahrene brauchen dabei überhaupt keine Befürchtungen zu haben, es ist immer jemand da, der hilft.“

Um den Fels und das Gelände richtig kennenzulernen, empfiehlt der Experte den „Touristenweg“. Mit einer einfachen Mehrseillänge im Schwierigkeitsgrad drei bis vier sei die Route optimal für den ersten alpinen Einstieg mit Standplatzbau, also einem Sicherungsplatz, geeignet.
  
Klettersteige, Sportkletterrouten oder eine Boulderhalle – der DAV Sektion Weinheim hat für jedes Alter etwas zu bieten. Ein offenes Ohr für Gäste und Neulinge macht das Outdoor-Erlebnis für alle möglich.
Klettersteige, Sportkletterrouten oder eine Boulderhalle – der DAV Sektion Weinheim hat für jedes Alter etwas zu bieten. Ein offenes Ohr für Gäste und Neulinge macht das Outdoor-Erlebnis für alle möglich.
Anspruchsvoller Aufstieg

Für erfahrene Kletterer empfiehlt Sven Jonke den „Hennes-Steig“, der zwei Einstiegsmöglichkeiten bietet. „Einmal von unten mit einer überhängenden Leiter (D-Stelle) und begehbaren Trittstiften“, weiß der Gruppenleiter: „Zwei Stellen müssen dabei auf Reibung am Fels gegangen werden.“ Die zweite und leichtere Variante erfolge über einen Seiteneinstieg. „Mein persönlicher Favorit ist der ,Karolasteig’“, gibt Jonke preis, „weil er mich immer wieder herausfordert. Er ist absolut nur was für erfahrene Kletterer, die wissen, was sie tun – stürzen ist hier keine Option“, schmunzelt er. Die untere Hälfte des Karolasteigs sei senkrecht und fast nur auf Reibung zu ersteigen. Die schwierigste Stelle warte dann im Dach (F) auf die Begehenden.

Beide Klettersteige mache man am besten mit entsprechender Führung, betont Sven Jonke noch mal. „Wir legen hier im Weinheimer Kletterzentrum viel Wert auf Aus- und Weiterbildung und bieten verschiedene Kurse an. Coronabedingt können wir diese aktuell leider nicht anbieten“, bedauert er. Der DAV Sektion Weinheim blickt aber positiv in die Zukunft und hofft, bald wieder voll und ganz für Outdoor-Fans da sein zu können. Sophia Zang