Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Kleinode zum Einkaufen

EINZELHANDEL: Zwischen Planken, Kunststraße und Fressgasse in der Mannheimer Innenstadt gibt es mehrere Passagen mit Dutzenden kleinen Fachgeschäften. Sie sind meist inhabergeführt und bieten den Kunden etwas Besonderes.

Von Christian Schall  

Mannheim ist unbestritten das Zentrum zum Einkaufen in der Metropolregion. Etwa 220 000 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet nach Angaben des städtischen City-Managements der Einzelhandel in der Mannheimer Innenstadt. Auf rund fünf Kilometer Schaufensterfronten präsentieren die Händler ihre Waren und Dienstleistungen.

Es sind nicht nur die großen Handelshäuser und Geschäfte in den beiden Fußgängerzonen Planken und Breite Straße, die die Kunden anlocken. Denn zwischen einigen Schaufensterfronten tun sich Lücken auf: Sie bereiten den Weg in mehrere Kleinode, die zwar mitunter abseits und manchmal auch versteckt liegen, meist aber etwas Besonderes bieten: die Passagen. In den Verbindungsgängen zwischen zwei Straßen, vor allem zwischen Planken und Fressgasse, reiht sich auf beiden Seiten ein Geschäft an das nächste. Die kleinen Boutiquen werden häufig noch von den Inhabern betrieben und haben mitunter eine lange Tradition.

„Die Passagen haben eine historische Bedeutung, sie sind wichtige Verbindungen zwischen Fressgasse, Planken und Kunststraße“, sagt Lutz Pauels, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Mannheim City. Gerade die Siebener-Quadrate seien sehr groß, eher rechteckig. „Die Passagen helfen dabei, die Wege kurz zu halten.“ Den Einzelhändlern in den Passagen – laut Pauels „mindestens 50 Geschäfte“ – kommen die im Vergleich zu „draußen“ deutlich kleineren Flächen zugute. Auch sind die Geschäfte meist einstöckig – ein weiterer Vorteil für Händler, die für ihr Sortiment keine großen Räumlichkeiten benötigen.
             
Kleinode zum Einkaufen Image 1
Exakte Zahl variabel 

Wie viele Passagen es in der Mannheimer Innenstadt gibt, hängt ganz von der Betrachtung ab. Da sind zum einen die offenen Durchgänge, wie die Vetter-Passage (O 7) zwischen Planken und Kunststraße, sowie die drei Durchgänge zwischen Planken und Fressgasse, nämlich die Plankenhof-(P 6), die Kurfürsten- und die ÖVA-Passage in P 7. Letztere ist allerdings seit kurzem geschlossen und wird mindestens eineinhalb Jahre lang saniert. Pauels ist froh darüber, dass sie eine Zukunft bekommt: „Es war ein klares Ziel, dass die ÖVA-Passage erhalten bleiben muss.“ Geholfen hätten dabei die Vorgaben des Denkmalschutzes.

Des Weiteren gibt es in sich geschlossene Durchgänge, die aber auch als Passage gewertet werden. Dazu gehören nach Angaben Pauels die Kunstarkaden in N 6, aber auch das Stadthaus N 1, der Durchgang am Cineplex-Kino in P 4 und die Q 4-Passage. Zwei große Bauprojekte in der Innenstadt bedeuteten vor einigen Jahren das Ende für zwei weitere Passagen. In P 7, etwa in Höhe der Straßenbahn-Haltestelle Wasserturm, gab es in diesem Quadrat einen dritten Durchgang zwischen Planken und Fressgasse. Die Zürich-Passage genannte Verbindung musste Anfang 2013 schließen, weil ein Projektentwickler dort ein neues Büro- und Handelshaus errichtete, in dem auf großflächigen Einzelhandel gesetzt wurde.
           
Die Heinrich-Vetter-Passage ist beliebter Treffpunkt, die ÖVA-Passage wird saniert.
Die Heinrich-Vetter-Passage ist beliebter Treffpunkt, die ÖVA-Passage wird saniert.
Fast direkt daran schloss sich in Q 7 die „Kleine Fressgasse“ an. „Vor allem im hinteren Teil der Passage hat das zum Schluss hin aber nicht mehr so gut funktioniert“, erklärt Pauels. Die Fläche ist im Großprojekt Q 6/Q 7 aufgegangen, an ihrer Stelle liegt heute die Primark-Filiale.

Hochwertiges Angebot 

Ob edle Weine, Feinkost, hochwertiges Fleisch, Schokoladenspezialitäten, dekorativer Blumenschmuck, Parfüm, Mode, Schmuck oder Wohnaccessoires – das Angebot der Passagen-Geschäfte ist vielfältig, ausgefallen und bietet die eine oder andere Idee für ein Geschenk.
              
So unterschiedlich wie das Warenangebot ist auch die Gestaltung der Durchgänge. Sie kommen mal schlicht und funktional daher, wie beispielsweise die Vetter-Passage, die bis Anfang der 2000er Jahre den Namen des Kaufhauses Horten trug. Tagsüber eher unauffällig, ist sie abends und zum Wochenende hin besonders bei Nachtschwärmern angesagt: Seit 50 Jahren ist dort die Kult-Disko „Tiffany“ angesiedelt.
               
Auch in der Plankenhof-Passage gibt es viele Besonderheiten zu entdecken. BILD: CHRISTOPH BLÜTHNER
Auch in der Plankenhof-Passage gibt es viele Besonderheiten zu entdecken. BILD: CHRISTOPH BLÜTHNER
Zum längeren Verweilen lädt die Plankenhof-Passage ein, die mit dem Palm’s (früher Café Kiemle) einen gastronomischen Betrieb beherbergt. Dort kann man im Freien sitzen und etwas Essen oder Trinken und hat trotzdem ein Dach über dem Kopf. Ähnlich sind die Möglichkeiten im rückwärtigen Teil von N 1 und in der Kurfürstenpassage. Sie mutet von der Gestaltung her mit den hohen Decken, den Fußböden und den chromfarbenen Rahmen um die Schaufenster am edelsten an.

Ein Schmuckstück ist indes die ÖVA-Passage, die einer aufwändigen Sanierung unterzogen wird. Doch ihren Charme der 1950er Jahre mit geschwungener Wegeführung und Schaufenstern und dem besonderen Licht, das von oben auf die Geschäfte fällt, wird sie behalten. Nach dem Landesdenkmalschutzgesetz steht sie als „Kulturdenkmal“ unter Ensembleschutz. Anfang 2021 soll sie wieder eröffnen.

Um die Bedeutung der Passagen und ihre Besonderheiten hervorzuheben, hat die Werbegemeinschaft Mannheim City vor neun Jahren erstmals ein Passagenfest veranstaltet. Seitdem ist der erste Samstag im November zu einem festen Termin im Kalender geworden. Am 2. November wird das Fest zum zehnten Mal gefeiert.
              

Warum Mannheim Heimat ist ...

BILD: TRÖSTER
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BILD: GOLD UNITED GMBH WERBEAGENTUR
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Caroline Golly
Projektmanagerin bei der Klimaschutzagentur

„Ob kulturell, sozial oder strukturell: Die Vielfalt, die Mannheim zu bieten hat, ist wirklich besonders. Das gilt auch für den Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Unverpacktladen, Geschäfte für faire Mode, vegane Restaurants, Fahrradleihsystem, Mehrwegbecher: In den letzten Jahren hat sich vieles getan. Das möchte ich nicht nur privat nicht mehr missen, sondern auch beruflich. Denn bei der Klimaschutzagentur bringt jedes neues Projekt ein weiteres spannendes Thema auf den Tisch.“
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