Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Kleine Geschwister II

              

Feudenheim

Der Wasserturm auf einer Anhöhe an der Ecke Talstraße/Andreas-Hofer-Straße in Feudenheim wurde 1905 von Architekt Julius Benzinger als Teil der eigenständigen Wasserversorgung des damals selbstständigen Orts gebaut. Er gilt als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Der aus roten Ziegeln mit Bändern aus gelben Klinkern gemauerte Turm ist 27,30 Meter hoch. Der Durchmesser beträgt unten 11,30 Meter, oben 7,20 Meter. Mit Kuppel, Dach und Dachlaterne ist der gesamte Turm 44,10 Meter hoch. Der Wasserbehälter hatte einen Durchmesser von 9,50 Meter. Er fasste 350 Kubikmeter. Versorgt wurde er vom Feudenheimer Wasserwerk an der Ilvesheimer Straße, ab 1906 in Betrieb, 1922 elektrifiziert und 1974 stillgelegt. Dann rettete der Architekt Hubertus Kirsch ihn vor dem Abriss. Zunächst baute er unten ein Einfamilienhaus an – die runde Außenwand des Turms bildet eine Wohnzimmerwand. Dann machte er ab Ende der 1970er Jahre den Turm selbst bewohnbar. Der Kuppelteil wurde außen um einen stählernen Umgang, als Balkon wie auch Arbeitsfläche und Rettungsweg gedacht, ergänzt. Auch einen Aufzug hat der Architekt eingebaut, die vorher sehr schmalen Fenster vergrößert. Direkt unter der Kupfer-Kuppel sind zwei Kinder-Schlafzimmer, darunter – auf einer halben, eigens eingezogenen Ebene – ein Eltern-Schlafzimmer, Bad und Ankleidebereich. Das Wohnzimmer und die schmale, aber sehr funktional eingerichtete Küche umfasst den Großteil des früheren Wasserbehälters. Alles ist mit Wendeltreppen verbunden. Der Aufzug reicht nur bis auf eine Ebene unter das Wohnzimmer. Statt eines Kellers nutzen die Bewohner die Räume im Turmschaft als Lagerfläche.
             
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Seckenheim

Er ist ein Jugenstilbau, nicht so historisierend wie seine anderen „Brüder“. 1909 bis 1911 erbaut, hat der 38 Meter hohe Seckenheimer Wasserturm eine besondere Form, gilt architektonisch als herausragend – und er hat einen Spitznamen: „Glatzkopp“ wird er genannt. Im Gegensatz zu vielen anderen Türmen in Mannheim besteht er nicht aus einem gemauerten Schaft, sondern ist ein Achteck aus Stampfbeton mit zylindrischem Behälter aus Stahlbeton sowie rundem Dach aus Kupferblech an der Spitze. Bis 1956 war er in Betrieb, dann verfiel er und der Abriss drohte. 1978 erwarb ihn die Firma Lochbühler und erhielt damit ein Stück Lokal-, aber auch Familien- und Industriekulturgeschichte. Familiengeschichte dshalb, weil die Schlosserei Lochbühler einst von der Gemeinde Seckenheim den Auftrag erhalten hatte, am Bau des Wasserturms mitzuwirken. Zum 90. Geburtstag von Carl Lochbühler 1989 erfolgte die erste Renovierung – und das Kuppelgewölbe erhielt Lichter, die der Sternenkonstellation vom 31. Juli 1899, dem Geburtstag von Carl Lochbühler, nachempfunden sind. 2010 bis 2012 haben Firma und Familie Lochbühler den Turm mit viel Liebe zum Detail und großem Aufwand nicht nur komplett saniert, sondern dort auch Europas einziges Aufzugsmuseum eingerichtet – mit einem voll funktionsfähigen Paternoster, einem Mühlenaufzug und vielen weiteren technischen Raritäten.
           
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Strassenheim

Er prägt die Silhouette des kleinen Dorfes am Ostrand von Mannheim: der Wasserturm Straßenheim. 1905 gebaut, war er nur bis zur Eingemeindung 1930 in Betrieb. Der schlanke, sich stark verjüngende Turmschaft aus roten Backsteinen ist am Ende mit gelben Ziegeln verziert. Dann folgt der schalenförmige, graue Betonaufsatz und - was ungewöhnlich ist – eine verglaste Spitze mit Fahnenmast. Der Turm ist in Privatbesitz, erkennbar genutzt werden aber nur das Erdgeschoss und der umliegende Garten.
            
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Lindenhof Firma Lanz

Die zunächst in der Schwetzingerstadt ansässige Maschinenfabrik Heinrich Lanz, heute als John Deere bekannter Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen und ab 1921 vor allem Traktoren, siedelte ab 1888 bis 1906 auf den Lindenhof über. In dieser Zeit entstand, neben der nicht mehr bestehenden Gießerei, auch der heute direkt an der Landteilstraße gelegene Wasserturm. Um 1900 ist er fertiggestellt. Sein sich nach oben verjüngender Schaft aus gemauerten braunen Backsteinen ist von mehreren umlaufenden Gesimsen umgeben. Nach 33 Metern schließt sich der Wasserbehälter mit flachem Kegeldach an. Lange war er Teil der eigenen, aus fünf Brunnen gespeisten Firmen-Wasserversorgung. Heute dient er nur noch dem Unternehmensarchiv – doch die Firma pflegt ihn gut und die Fahne von John Deere weht an seiner Spitze. Allein als Löschwasserreserve errichtete John Deere 1965/66 einen modernen Wasserturm – ein 42 Meter hohes Stahlrohr, darauf ein kegelförmiger Behälter von 6,70 Metern Höhe. Er ist der jüngste Wasserturm Mannheims.
           
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Neckarau Rangierbahnhof

Er diente nie dem Druckausgleich und ist daher sehr niedrig: der Bahnwasserturm im Rangierbahnhof Neckarau. Ein Stahlfachwerk-Gerüst mit acht Pfosten trägt den Wasserbehälter in Form einer Halbkugel. Der Turm lieferte Wasser für die Dampfloks und verlor seine Funktion, als 1972 die letzte Dampflok aus Mannheim abgezogen wurde. Er steht als letztes Relikt dieser Ära aber unter Denkmalschutz – ein ähnlicher Turm in der Nähe vom Hauptbahnhof beim Kleinfeldsteg ist abgebrochen worden.
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