Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Kleine Geschwister I

DENKMALE: Der Wasserturm am Friedrichsplatz – er ist Mannheims Wahrzeichen. Die Mannheimer lieben ihn, treffen sich dort, feiern dort, verewigen ihn auf Fotos, Postkarten, Souvenirs. Aber auch wenn ihn viele im Herzen haben, so hat er viele kleinere Geschwister, die ebenso bedeutende technische Denkmale des beginnenden Industriezeitalters und in den jeweiligen Vororten ebenso beliebt sind und oftmals auch als Wahrzeichen gelten.

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Von Peter W. Ragge   

Wallstadt

Wallstadt bezog sein Wasser zwar aus Feudenheim, errichtete für den nötigen Druck in den Leitungen aber seinen eigenen Turm. 1906 ging der Bau aus roten Klinkern mit umlaufenden Bändern aus gelben Ziegeln in Betrieb. Er ist bis zur Dachspitze 40,43 Meter hoch. Im Turm gibt es den Wasserbehälter als Halbkugel mit zylindrischem Oberteil. Die Wasser-Spiegelhöhe betrug 34 Meter. Privat genutzt wird er schon lange. 1970 drohte der Abriss, dann wollte jemand eine Disco oder ein Drehrestaurant oben im Turmkopf einrichten – doch das scheiterte wegen fehlender Fluchtwege und statischer Probleme. Der 5,50 Meter hohe Wasserbehälter aus Stahl, der einen Durchmesser von 7,50 Meter hat und ursprünglich 190 Kubikmeter fasste, kann nämlich nicht entfernt werden, da nur er Dach und Umfassungswände stützt. 1978 erwarb das Wallstadter Ehepaar Mandl den Turm – musste ihn aber erst mal sanieren. Zudem errichteten sie – in Abstimmung mit dem Denkmalschutz und in optisch angepasster Klinkerbauweise – zwei Anbauten mit Wohnfläche, Dusche, Bad, Toiletten Garage und – nach hinten – einer Terrasse. Aber auch im Turm selbst, der vom Untergeschoss bis zum zweiten Obergeschoss – mit eingezogenen Galerien – ausgebaut ist, gibt es eine Wohnung. Ab 1998 war der Wasserturm Sitz einer Agentur für die Betreuung von Hauptversammlungen, die aber Ende 2018 geschlossen wurde. Daher steht der Wasserturm nun zum Verkauf.
            
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„Schildkröte“ Neckarau

Er ist der letzte Bote einer einst großen, berühmten Fabrik – der „Schildkröt“. So nennen die Mannheimer heute noch die Rheinische Gummi- und Celluloid-Fabrik in Neckarau, die insbesondere für die „Schildkröt“-Puppen bekannt und berühmt wurde. Ab 1965 hieß die Firma auch „Schildkröt“, doch Jahre später war Schluss mit der Puppenproduktion und in den 2000er Jahren wurden viele der alten Gebäude abgerissen – bis auf einige Hallen und den Wasserturm. In ihm brachte man Hausmeisterräume und Technikzentrale des neu entstehenden Gewerbeparks unter. Der von Architekt Leopold Stober geplante, ab 1905 gebaute, 43 Meter hohe Turm diente zur Zeit der Gummifabrikation überwiegend dem Brandschutz, hatte es in dem Werk doch schon mehrere Brände gegeben. Seine Form ist ungewöhnlich – schlank, völlig mit gelben Klinkern verkleidet, folgt nach einem quadratischen Sockel ein achteckiger Schaft. Der Behälter befindet sich in einem schieferbedeckten, ummauerten Dachstuhl aus Holz. Eine kleine Ausbuchtung stellt das Treppenhaus dar, über das man den – komplett auf dem Mauerwerk aufsitzenden – Wasserbheälter erreicht und warten kann.
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