Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Im Grünen arbeiten

ARBEITSBOXEN: Einfach einmal das Büro verlassen und im Gras unter Bäumen auf neue Ideen kommen. Für viele Arbeitnehmer ist dies ein Traum. In Mannheim könnte er Wirklichkeit werden.

Von Stefan Burkhardt  

Der Traum vieler Arbeitnehmer ist etwa 2,5 mal 3 Meter groß, mit großem Fenster und sogar gedämmt. Die „Arbeitsbox“ kann man an einen bestehenden Co-Working-Bereich andocken oder frei auf die grüne Wiese stellen. Geplant sind drei frei kombinierbare Module, die gemeinsames Arbeiten ermöglichen, Einzelarbeitsplätze bereitstellen und auch einen Sanitärbereich bieten, wenn keine öffentliche Toilette in der Nähe ist. Die Ausstattung ist zweckmäßig: W-LAN, elektrischer Anschluss, Schreibtisch, Stühle, eine Tafel für Präsentationen. Mehr nicht. Der erste Prototyp der Arbeitsbox konnte auf dem diesjährigen Maimarkt bestaunt werden. Die Handwerker der Mannheimer Dachdecker-, der Schreiner- und der Zimmermannsinnung hatten Hand angelegt, um eine Vision zu verwirklichen, die Teil der Stadt von morgen sein könnte.
In den vergangenen drei Jahren suchten nämlich die Stadt Mannheim, die TU Berlin und das Berliner inter 3 Institut für Ressourcenmanagement gemeinsam mit Migrantinnen und Migranten nach Lösungen für die Stadt von morgen: Wie kann die Stadt der Zukunft lebenswert und nachhaltiger gestalten werden? Wie können Bürgerinnen und Bürger mit internationaler Biografie ihr Wissen und ihre Erfahrungen gezielt in die Stadtentwicklung einbringen? Können so auf lokaler Ebene Antworten für die Herausforderungen weltweiter Urbanisierungsprozesse gefunden werden? Die Lösungen, die im Rahmen des Projektes „Willkommene Perspektiven – Migrants4Cities“ in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Zusammenleben und Beteiligung erarbeitet wurden, sollen auch in anderen Städten umsetzbar sein.

Der besondere Clou dieser Co-Produktion war das Urban Design Thinking. Die an der TU Berlin entwickelte Methode erlaubte die kreative Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern, Stadtverwaltung, Wissenschaft und privatwirtschaftlichen Akteuren. Für Harald Pfeiffer war es sofort klar, dass er als Themenpate für den Bereich „Arbeit“ zur Verfügung stehen würde. In der Mannheimer Stadtverwaltung ist Pfeiffer für die Förderung von Menschen und Talenten verantwortlich. Für ihn war das Projekt etwas ganz Besonderes: „Wir haben sehr viel über moderne Bürgerbeteiligung gelernt. Es hat mich beeindruckt, wie viele engagierte Menschen in Mannheim leben, die sich – obwohl sie erst vor wenigen Jahren in die Stadt kamen – sofort einbringen wollen.“ Auch Claudia Möller ist begeistert: „Dieses ehrenamtliche Engagement in dieser Intensität und über einen so langen Zeitraum war schon sehr außergewöhnlich“.

Arbeiten und Lernen im Grünen: So könnte ein Teil der Stadt von morgen aussehen. GRAFIK: MIGRANTS4CITIES / MARIO KOLKWITZ
Arbeiten und Lernen im Grünen: So könnte ein Teil der Stadt von morgen aussehen. GRAFIK: MIGRANTS4CITIES / MARIO KOLKWITZ
Möller war von Seiten der Stadt Mannheim für das Projekt verantwortlich. Sie kennt alle Fakten: Die Gruppen waren bunt gemischt, 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Anfang 20 bis Ende 50, darunter Politikwissenschaftler, Bankkaufleute, Musiker, Unternehmer und Architekten. In neun ganztägigen Workshops standen Bedarfsermittlung, Brainstorming, Konkretisierungen, die Erstellung von Prototypen und verschiedene Tests auf dem Programm. Am Ende wurden sogar Businesspläne für mögliche Geschäftsmodelle entwickelt. „Wir schauten immer, ob die erdachten Lösungen auch praktikabel sind und in welche Richtung wir diese weiterentwickeln können“, berichtet Möller. Sie freut sich über die gebaute Arbeitsbox: „Jetzt ist ein Ergebnis sichtbar. Mit diesem Prototyp können wir für weitere Unterstützung werben. Das ist unbezahlbar.“

In den nächsten Wochen geht es in die Abstimmungsphase der städtischen Arbeitsgruppen. Nun kommen Fragen auf den Tisch, die Betrieb, Haftung und Genehmigungen betreffen. An Interessenten mangelt es wohl nicht. Die Stadt Mannheim ist mit der MWS Projektentwicklungsgesellschaft sowie Vertretern der geplanten Bundesgartenschau 2023 in Kontakt. „Ich denke, dass Studierende eine Nutzergruppe sind, bei der die Arbeitsbox auf großes Interesse stößt“, meint Harald Pfeiffer. Studieren im Grünen – man könnte schon neidisch werden.
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