Sonderveröffentlichung
Themenspecial Abschied nehmen

Hospiz bedeutet Herberge

Hospize werden von der Gesellschaft häufig mit den Begriffen Tod und Sterben in Verbindung gebracht. Dabei geht es dort vorrangig um das Leben, ganz gleich, wie lange es noch sein mag. Und so gibt es dort beides: Leben und Tod, Lachen und Weinen. Das Leben in seiner ganzen Fülle eben.

Im Hospiz werden Menschen in ihrer letzten Lebensphase unterstützt, begleitet und gepflegt. Die Angehörigen werden dabei ausdrücklich miteinbezogen. „Wir setzen die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Medizin und Pflege ein, damit der Gast bis zuletzt seine Würde behält“, erläutert Roland Hartung, Vorsitzender der Fördervereins St. Vincent, diesen humanitären Gedanken und fügt an: „Hospiz bedeutet Herberge, aus diesem Grund sprechen wir nicht von Patienten, sondern von Gästen. Damit wird auch eine komplett andere Grundhaltung dem Menschen und der Art seiner Versorgung gegenüber zum Ausdruck gebracht.“

Pionierarbeit geleistet

Das erste Hospiz St. Vincent entstand bereits im Jahr 2000 im Joseph Bauer Haus in Käfertal. Zu dieser Zeit war Hospizarbeit in Deutschland noch viel Pionierarbeit. 2015 folgte dann der Umzug ins Obergeschoss des neu errichteten Franziskus Zentrums auf dem Waldhof. Helle Räume und ein großer Dachgarten erwarten hier die Gäste. Dank der Arbeit des Fördervereins und den vielen Menschen, die diesen durch ihre Spenden tragen, konnte dort vieles realisiert werden, was das Hospiz einladend macht und die besondere Atmosphäre mitprägt. Zum Beispiel der „Besondere Raum“ oder der „Raum der Stille“ als Rückzugsmöglichkeit für Gäste, Angehörige und Mitarbeiter. Es ist ein spiritueller Ort der Ruhe und des menschlichen Miteinanders. Ebenso wie die Gedenkwand „Der Weg“, gestaltet von der Mannheimer Künstlerin Gudrun Schön-Stoll, der einen zentralen Blickfang darstellt. Eine Figur, die einer weißen Fläche entspringt, steht an einem Weg. Ist jemand verstorben, wird eine Kerze entzündet, und zusätzlich beleuchtet ein Strahler die Gestalt, deren Schattenbild auf dem Weg sichtbar wird. Der Weg besitzt seit Urzeiten große Symbolkraft und weißt über das Ende des Lebensweges hinaus.

Besondere Auseinandersetzung mit Leben und Tod
Die Gedenkwand in Ilvesheim gestaltete die Künstlerin Svenja Doyen.
Die Gedenkwand in Ilvesheim gestaltete die Künstlerin Svenja Doyen.
Im September 2017 konnte das zweite Hospiz St. Vincent Süd in Ilvesheim realisiert werden. Hier befinden sich die Räume im Erdgeschoss des Regine Kaufmann Hauses, als getrennter Bereich. Besonders hervorzuheben ist die Terrasse mit schönem Garten sowie der Zugang zum Skulpturenpark der Heinrich Vetter Stiftung. Zu einem Hospiz gehört ein besonderer Raum und eine Gedenkwand, und so freute man sich, dass wieder Künstler gefunden werden konnten, die mit ihrem Schaffen das Besondere an der Hospizarbeit und ihrer Auseinandersetzung mit Leben und Sterben künstlerisch gestaltet haben.

Ein Hospiz braucht ebenso eine Seele. Die Seele sind die Menschen, die dort leben und arbeiten. Svenja Doyen, die Künstlerin der Gedenkwand, drückt es so aus: „Das Hospiz ist ein Ort, an dem sich zwei Welten berühren. An diesem Ort gehen Menschen wie durch ein Tor in eine andere, für uns unsichtbare Welt. Und doch bleibt etwas zurück – sei es ein Lächeln, ein Wort, eine Geste oder ein fach eine Spur. Oder eine Perle, die von den Angehörigen ausgesucht, nach dem Tod in die Gedenkwand aufgenommen wird. “Die dreiteilige Installation greift den Gedanken aus dem 1. Korintherbrief auf: Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei bleiben immer, doch am größten ist die Liebe. Und so ist die Liebe in der Mitte auch das Kernstück der Installation, in die die Perle eingefädelt wird. Sie hinterlässt dort eine sichtbare bleibende Spur.

Zwei Hospize, ein Geist

Hospize werden von Pflegekräften geleitet, das macht die Bedeutung der Pflege in dieser Lebensphase deutlich. Die Pflege erfolgt durch Palliativ Care Fachkräfte. Zum Einsatz kommen dabei auch komplementäre Methoden, zum Beispiel Aromapflege. Ein weiterer wichtiger Baustein der Hospizarbeit sind ehrenamtliche Hospizhelfer/ innen. Diese unterstützen die Pflegekräfte und haben Zeit sowie ein offenes Ohr für längere Gespräche, einen Spaziergang, zum Vorlesen oder einfach da zu sein. Zusätzlich kommen rotierend Atem-, Musik- und Physiotherapie zum Einsatz.

Zentrale Leitgedanken, die im gesamten Team zum Tragen kommen, sind die Fragen nach individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Gäste. Vieles kann dabei ermöglicht und umgesetzt werden. Diese individuelle Pflege gibt den Betroffenen ein Stück Würde und Selbstbestimmung zurück. Angehörigenarbeit erfolgt auf vielfältigen Wegen. Diese werden mit einbezogen und umfangreich beraten und aufgeklärt. Sie werden mit dem Abschied nehmen nicht allein gelassen, und auch nach dem Versterben sind das Café Vincent und die Gedenkfeiern wichtige Stützen in der Trauerarbeit. Des Weiteren stehen Informationen zu weiterführenden Angeboten in der Region zur Verfügung.

Finanzierungsdefizit durch Spenden getragen
   
Im Hospiz St. Vincent in der Alten Frankfurter Straße 5 lädt der einladend gestaltete „Rosenraum“ zum Austausch ein.
Im Hospiz St. Vincent in der Alten Frankfurter Straße 5 lädt der einladend gestaltete „Rosenraum“ zum Austausch ein.
Hospize werden mit 95 Prozent nicht ausreichend finanziert. Ohne die Arbeit der Fördervereine und vieler Spender/innen wäre diese Art der Versorgung nicht möglich. Daher ist der Wunsch, langfristig eine Deckung der Kosten durch die Kassen zu erreichen. Bis dahin wird das Defizit durch Spenden getragen.

Eine Aufgabe des Fördervereins ist es, den Hospizgedanken zu verbreiten – durch Öffentlichkeitsarbeit auf vielfältigen Wegen und verschiedene Veranstaltungen. So wird einmal im Jahr bei einem Herbstsymposium auf einen besonderen Aspekt der Hospizarbeit eingegangen. Dieses Symposium ist seit Jahren fest etabliert und verzeichnet immer zahlreiche Besucher. Eine andere Reihe, die in Kooperation mit der Abendakademie Mannheim verwirklicht werden konnte, sind die Letzte-Hilfe-Kurse. Frei nach dem Motto „Lasst uns darüber reden“. Es ist ein Stück weit verständlich, dass Gedanken an Krankheit und Tod lieber ausgeklammert werden. Die Frage ist jedoch, was für eine Art der Versorgung man sich wünscht und wo man sein möchte, wenn es einen selbst oder einen nahestehenden Menschen trifft. pr/imp
   
Gabriele Andres Hospitzleiterin
Gabriele Andres Hospitzleiterin
Hospiz St. Vincent
Alte Frankfurter Straße 5,
68305 Mannheim
Telefon: 0621/30 86 66 00

Hospiz St. Vincent Süd
Goethestraße 21,
68549 Ilvesheim
Telefon: 0621/1 72 90 95 11
hospiz-st.vincent@caritas-mannheim.de
www.hospiz-st-vincent.de

Roland Hartung 1. Vorsitzende
Roland Hartung 1. Vorsitzende
Förderverein St. Vincent Hospiz
Dürkheimer Straße 94
68309 Mannheim
Telefon: 0621/30 86 66 00
www.foerderverein-hospiz-mannheim.de

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