Sonderveröffentlichung
Themenspecial 150 Jahre Galopprennsport in Mannheim

Hochkaräter auf der Waldrennbahn

Das Badenia-Jagdrennen nimmt eine herausragende Rolle ein


Die besten Steepler aus der Glanzzeit des Hindernissports sind hier an den Start gekommen, die erprobtesten der ausländischen Importationen wurden in Mannheim zum ersten Mal vor eine große Aufgabe gestellt und gegen die Steepler-Elite gestartet.“ So blickte anno 1940 „Das Deutsche Reiterbuch“, ein opulentes 700-Seiten-Werk, auf die goldene Ära der „besten europäischen Herrenreiter auf Pferden aus allen Ländern“ zurück. Vor den beiden Weltkriegen hatte der Badische Rennverein seine Glanzzeit erlebt – auch wegen seiner günstigen Lage. Und die „war ebenso wie Baden-Baden, wenn auch in anderer Art, dazu ausersehen, internationale Beziehungen zu pflegen“.

Strahlkraft entwickelte vor allem das Badenia-Jagdrennen – was bei der Premiere anno 1870 keineswegs absehbar war. Das Feld bestand aus gerade mal fünf Pferden. Aber das sollte sich ändern. Als der Badische Rennverein 1914 für die Steepler-Elite eine bis heute legendäre Dotierung von insgesamt 74 000 (Gold-) Mark auslobte, gingen 14 Herrenreiter aus fünf Ländern an den Start. Damals lief hinter den Kulissen ein Wettrennen der besonderen Art ab: Und das ging darum, ob der Magdeburger Kronprinzenpreis oder die Mannheimer Badenia zum attraktivsten Hindernisrennen avancieren würde. Der Badische Rennverein sattelte im Frühjahr 1914 finanziell noch mal drauf und zog in puncto Geldpreise an dem Offiziers-Jagdrennen der Elbstadt vorbei – was die „Sportwelt“ anerkennend kommentierte: „Hätte man eine ängstliche Sparsamkeitsmeierei betrieben, wie es anderswo geschieht, so besäße Mannheim die Bedeutung, die sie heute hat, nicht annähernd.“ Was damals niemand ahnte: Einige Wochen nach der super dotierten Badenia-Steeplechase brach der Erste Weltkrieg aus.

Wer alte Fotos betrachtet, stellt fest: Damalige Reiter, meist blaublütige Offiziere, hatten wenig mit der kauernden Schwebehaltung heutiger Jockey zu tun. Freiherr von Cramm, der 1875 wie 1877 die Badenia gewann, soll selbst über mächtige Hindernisse „seine Haltung wenig geändert haben“, wie ein Chronist notierte. Außerdem hievten sich die Herrenreiter schwergewichtig in den Sattel – 80 Kilogramm waren keine Seltenheit. Dass Berufsjockeys später einmal nur 55 Kilogramm wiegen dürfen, seinerzeit unvorstellbar. Auch wenn sich viel verändert hat: Die Badenia überlebte. Und wie! Mit dem Internationalen Heinrich-Vetter-Badenia-Jagdrennen wird auf der Seckenheimer Waldbahn die wichtigste Hindernisprüfung ausgetragen – heute wie damals Hochkaräter im Veranstaltungsprogramm. wam
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