Sonderveröffentlichung
Themenspecial 150 Jahre Galopprennsport in Mannheim

„Hippologisches“ Gen

Unternehmer Carl Lochbühler auf dem richtigen Hufschlag


Pferdebegeisterte Unternehmer, die beim Galoppsport die Zügel geschickt in der Hand halten und einen zukunftsträchtigen Hufschlag wählen, haben beim Badischen Rennverein Tradition. Als es nach dem Zweiten Weltkrieg galt, den abgehalfterten Turfsport wiederzubeleben, erwies sich der Erfolgsunternehmer Carl Lochbühler als Glücksfall: Er stammte aus einer Familie mit „hippologischem“ Gen. Sein Großvater, der Schmied Georg Lochbühler, hatte 1873 mit seiner Werkstatt nicht nur in Seckenheim das Familienunternehmen für Aufzugbau – inzwischen in fünfter Generation – auf den Weg gebracht, sondern obendrein in der damals selbstständigen Gemeinde den Pferdezucht- und Rennverein gegründet. Sohn Ludwig, der sich ebenfalls für schnelle Pferde begeisterte, nahm wiederum Filius Carl zu Galopprennen auf den Wörtelwiesen mit.

Als sich Carl Lochbühler in dem 1949 von Seckenheimer Pferdefreunden und Züchtern wieder gegründeten Verein als Präsident engagierte, machte er Pace für eine neue Rennbahn im Dossenwald. Und die konnte dank des großen Einsatzes der Familie wie Firma 1950 eingeweiht werden: vor 12 000 Besuchern! Der Geschäftsmann Lochbühler wusste, dass es oftmals gilt, neue Wege zu wagen. 
Deshalb machte er sich für einen Zusammenschluss des Seckenheimer Vereins mit dem Badischen Rennverein stark und wirkte nach der 1969 besiegelten Fusion noch ein knappes Jahrzehnt als Präsident des nunmehr Badischen Rennvereins Mannheim-Seckenheim. Erneut waren Trupps der Aufzugsfirma im Einsatz – diesmal für die Modernisierung der Waldrennbahn und die Verlängerung des Turfovals auf Standard der A-Klasse: Damit das Badenia-Jagdrennen endlich wieder auf Mannheimer Gemarkung ausgetragen werden konnte. Bei den ab 1957 ins pfälzische Haßloch ausgelagerten Rennen hatte Lochbühlers „Thales“ – geritten von Leutnant Upton – die erste nach dem Krieg veranstaltete Badenia-Steeplechase gewonnen. „Mein sportlich schönster Erfolg“, wie der stolze Besitzer gern betonte. Als größten (Vereins-)Erfolg vermochte Carl Lochbühler zu verbuchen, dass er entscheiden den Anteil an der Renaissance des Galoppsportes in Mannheim hatte.

„Mein Leben fällt in eine bewegte Zeit, in der zwei Weltkriege und die damit zusammenhängenden Wirtschaftskrisen einander ablösten“, blickte der pferdebegeisterte Unternehmer anlässlich seines 80. Geburtstages zurück. Das Bundesverdienstkreuz erhielt er als Förderer des Galoppsports und als Unterstützer heimatlicher Kultur. 1994 starb der Ehrenpräsident des Badischen Rennvereins nach einem erfolgreichen Leben – kurz vor seinem 95. Geburtstag. Waltraud Kirsch-Mayer

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