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Themenspecial Nur Mut

Kernige Hilfe aus Heidelberg

HYGIENE: Mit der Aktion #ichwillseife setzt die Heidelberger Manufaktur Klar Seifen ein Zeichen gegen überteuerte Hygieneprodukte zu Beginn der Corona-Pandemie. Das Unternehmen stellte kurzerhand die Maschinen um und schnürt wohltätigen Organisationen in der Rhein-Neckar-Region kostenlose Pakete.

In Corona-Zeiten hat Klar Seifen kurzerhand die Produktion umgestellt und versorgt gemeinnützige Organisationen kostenfrei mit Kernseife. Im neuen Verkaufsladen in Plankstadt, der Anfang Juni eröffnet wurde, stehen fein säuberlich die eigentlichen Produkte der Manufaktur aufgereiht – edle Seifen in allen Duftnoten. BILD: KLAR SEIFEN

26.06.2020
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Als sich das Coronavirus im März in Deutschland ausbreitete, war neben Toilettenpapier und Desinfektionsmittel vor allem eines beliebt – Seife. „Und das zu völlig überteuerten Preisen, um möglichst viel Gewinn daraus zu schlagen“, meint Jan Heipcke, Geschäftsführer von Klar Seifen. „Das wollten wir nicht einfach mit ansehen und haben stattdessen gehandelt.“ 200 000 Stück Kernseife hat die Heidelberger Manufaktur daraufhin produziert und verschenkt. Diese dufte zwar nicht nach Blumen, diene aber dem Zweck – so die Devise.

Händewaschen gilt immer noch als eine der effektivsten Methoden, um die Verbreitung von Viren möglichst gering zu halten. Doch gerade am Anfang der Pandemie hatten nicht alle Menschen in Deutschland Zugang zu den Hygieneprodukten. Kurzerhand entschloss sich Klar Seifen, dagegen zu steuern. Privatpersonen konnten im Rahmen der Aktion #ichwillseife kostenlos drei Stück pro Anfrage online bestellen. Gezahlt werden musste nur das Porto. Wesentlich größere Mengen gingen an 25 gemeinnützige Organisationen in der Rhein-Neckar-Region und ganz Deutschland. Die Angestellten haben Kisten gepackt, die von den Einrichtungen abgeholt werden konnten. Somit profitierten unter anderem Altenheime, Einrichtungen für Frauen und Kinder sowie Blutspendedienste von der Aktion. Besonders wichtig war es dem Traditionsunternehmen, das sich selbst als die „älteste Seifenmanufaktur Deutschlands“ bezeichnet, dass die kostenlosen Produkte bei der richtigen Adresse landen und nicht einfach weiterverkauft werden. „Wir haben jede Anfrage sorgfältig geprüft, geschaut, wer hinter der Organisation steht, und ob sie einen offiziellen Charakter hat“, betont Heipcke.
    
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Für die gemeinnützige Aktion wurde die normale Produktion pausiert. So eine Situation habe es noch nie gegeben. Seit 1840 stellt das Unternehmen Edelseifen her. 180 Jahre lang in Heidelberg – Anfang des Jahres erfolgte der Umzug nach Plankstadt. Das Sortiment zeichnet sich durch vegane, palmölfreie und von Hand gemachte Produkte aus. Je nach Saison produzieren zehn bis 15 Angestellte duftende und pflegende Seifen, feste Shampoos und Rasiersseifen. „Wir legen Wert auf regionale und fair produzierte Ware. Mit unserer hochwertigen Manufakturarbeit befinden wir uns in einer Nische“, sagt Heipcke.

Das klassische Stück Seife erfahre derzeit eine Art Renaissance. Gerade deshalb könne das Unternehmen laut dem Geschäftsführer bestärkt aus der Krise herausgehen. Zu Beginn der Pandemie und der ersten Nachfrage-Welle seien bereits viele der Produkte vergriffen gewesen. Doch das Sortiment sei groß und biete zu den jeweiligen Lieblingsseifen der Kunden zahlreiche Alternativen. „Außerdem haben wir im Anschluss an die #ichwillseife-Aktion unsere normale Produktion wieder starten und nach und nach die Verzögerung aufholen können“, freut sich der 37-Jährige und bedankt sich im gleichen Atemzug bei seinem engagierten Team.

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Für die Spende habe Klar Seifen viel positive Resonanz bekommen. „Wir wurden schlichtweg überrannt“, gibt Heipke preis, „so viel Aufmerksamkeit sind wir als kleine Manufaktur gar nicht gewohnt.“ Anfangs war nur eine Menge von 40 000 Stück vorgesehen, die dann innerhalb kurzer Zeit in Absprache mit Vorlieferanten und Logistikern aufgestockt wurde. Es seien vor allem gemeinnützige Organisationen auf das Unternehmen zugekommen, weshalb sie sich entschlossen haben, zukünftig regelmäßig Seifen in großen Mengen zu verschenken. Dafür werden ab sofort jeden Monat 20 000 der 50 Gramm Seifen an soziale Einrichtungen wie Kirchen, Obdachlosenheime und wohltätige Vereine gespendet. Weiterhin zähle die Funktion des Produkts und weniger die Optik oder der Duft. „Wir verwenden nur den Grundstoff und verzichten auf ätherische Stoffe oder Pflegeöle – das macht die Seife für alle Hauttypen und Allergiker verträglich“, so Heipcke. Das besondere Walzverfahren, das das Hygieneprodukt ergiebiger macht, wird auch hier durchgeführt. Jedoch werden aufwändige Logo-Stanzungen und besondere Verpackungen weggelassen. „So entsteht simple und wirkungsvolle Kernseife.“

Von Sophia Zang

So wirkt Seife gegen Viren

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Da über die Hände die meisten ansteckenden Infektionskrankheiten übertragen werden, sollte man sie regelmäßig gründlich mit Seife waschen. Wichtig ist, alles gut abzuspülen, so werden die Viren weggewaschen. Seife ist deshalb so wirksam, weil sie die Lipidschicht der Viren angreift, also den Klebstoff, der das Virus zusammenhält, auflöst. Bis die Viren durch die Seife inaktiv werden, braucht es allerdings seine Zeit – deshalb werden 20 bis 30 Sekunden Händewaschen empfohlen.