Sonderveröffentlichung
Themenspecial Die Adler - Saison 2019/2020

Führungsspieler ohne Allüren

Kapitän: Marcel Goc hat in seiner langen Karriere jede Menge Erfahrungen gesammelt / Nach dem Weggang von Marcus Kink trägt der 36-Jährige das „C“ auf der Brust

Von unserem Redaktionsmitglied Jan Kotulla  

MANNHEIM. Marcel Goc ist abseits des Eises ein höflicher, fast zurückhaltender Zeitgenosse. Dass die Mannschaft der Mannheimer Adler den 36-jährigen Stürmer als Kapitän wollte, zeigt, dass seine Kollegen genau wissen, welche Führungsqualitäten der langjährige Profi in der nordamerikanischen Top-Liga NHL besitzt. „Mit dem ,C’ auf der Brust aufs Eis zu gehen, ist schon etwas Besonderes. Ich bin von der Mannschaft gewählt worden. Es freut mich sehr, dass ich mir dieses Vertrauen, diesen Respekt und diese Anerkennung erarbeitet habe“, erklärt der gebürtige Calwer.

Seit 1999 steht Goc als Profi auf dem Eis, dennoch zeigt er sich mit Blick auf seine zukünftigen Aufgaben demütig: „Ich hoffe, ich kann diesem Amt gerecht werden.“ Sofort schließt er an: „Ich werde mich aber nicht ändern, sondern meine Dinge weiterhin so machen, wie ich sie die ganzen Jahre gemacht habe.“

Sprich, mit gutem Beispiel vorangehen, sich für nichts zu schade sein, gerade für die jungen Spieler als Ansprechpartner da sein, ohne belehrend zu wirken.

In der vergangenen Saison hatte davon unter anderem Moritz Seider profitiert. Als beide für die Reha – das 17-jährige Verteidiger-Talent wegen einer Schulterverletzung, der Routinier nach seinem Kniescheibenbruch – gemeinsam nach Zuzenhausen fuhren, holte sich Seider jede Menge Tipps beim 699-fachen NHL-Spieler ab.

Respekt für den Vorgänger

„Da haben sich oft gute Gespräche entwickelt. Es hat Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Wir hätten stundenlang fahren können und mir wäre nicht langweilig geworden. Es ist schön, wenn so ein Mensch dir Tipps gibt und versucht, dir den Druck zu nehmen und unter die Arme zu greifen“, beschrieb Seider die Touren. Nachdem er von den Detroit Red Wings gedraftet wurde, kann er derzeit in den Vorbereitungscamps von den Erfahrungen Gocs profitieren.

Für den 36-Jährigen ist das Kapitänsamt allerdings nicht ganz neu. Die Nationalmannschaft führte der Stürmer 2018 zur Silbermedaille bei den Winterspielen in Pyeongchang, bei den Adlern vertrat er ab dem Halbfinale Marcus Kink. Den Meisterpokal präsentierten am Stadthaus dann beide gemeinsam – Ehrensache. „Wir kennen uns schon lange und hatten in der Nationalmannschaft vertauschte Rollen. Aber es ist schon etwas Besonderes, dieses Amt von Marcus zu übernehmen. Selbst Menschen, die sich im Eishockey nicht so auskennen, verbinden mit seinem Namen die Mannheimer Adler. Er war zehn Jahre lang Kapitän. Das spricht für sich. Aber wie bei ihm, ist es auch bei mir. Es ist egal, ob ich das ,C’, das ,A’oder keinen Buchstaben auf dem Trikot habe“, war und ist Goc ein Führungsspieler.

Das weiß auch Torhüter Dennis Endras: „,Kinki’ war seit 2004 ein Adler. Er weiß natürlich, wie der Club und das Umfeld ticken. Wir werden seinen Nachfolger Marcel Goc unterstützen, der mit seiner Erfahrung weiß, worauf es ankommt.“

Gocs Assisenten sind David Wolf und Ben Smith. Den Mannschaftsrat komplettieren Denis Reul und Andrew Desjardins.

Euphorie mündet in Rekord

Hintergrund: Adler verkaufen 7800 Dauerkarten / „Spiel der leuchtenden Herzen“ am 22. Dezember

Von unserem Redaktionsmitglied Christian Rotter  

MANNHEIM. Es ist eine beeindruckende Zahl, die im deutschen Eishockey einmalig bleibt: Bis Ende August haben die Adler 7800 Dauerkarten verkauft – so viele wie nie zuvor. „Das ist gigantisch“, sagt Geschäftsführer Matthias Binder. „Wir reiten auf einer riesigen Euphoriewelle.“ Dabei kann der Rekord noch gesteigert werden. Da sich Fans bis Ende Oktober/Mitte November Saisontickets sichern können, wackelt sogar die 8000er-Schallmauer.

„Natürlich ist der sportliche Erfolg Basis dieses Booms“, erklärt Binder. „Genauso wichtig ist aber die Art und Weise, wie die Mannschaft in der vergangenen Saison aufgetreten ist. Sie hat die Zuschauer mitgerissen und beste Eigenwerbung betrieben. Wir wissen, dass der große Vertrauensvorschuss unserer Fans keine Selbstverständlichkeit ist.“

In der Champions Hockey League, für die sich die Adler als Gründungsmitglied nach einem Jahr Abstinenz wieder sportlich qualifiziert haben, sind die ersten vier Partien absolviert. Die Mission Titelverteidigung in der Deutschen Eishockey Liga beginnt für die Mannschaft von Trainer Pavel Gross am 13. September mit dem Auftritt bei den Nürnberg Ice Tigers. Zum ersten Mannheimer DEL-Heimspiel gastiert zwei Tage später der Erzrivale Kölner Haie in der SAP Arena.

Im Dezember nur vier Heimspiele

„Mal geht es besser auf, mal schlechter“, sagt Binder mit Blick auf den Spielplan. „Wir müssen ja schauen, wann die SAP Arena verfügbar ist.“ Teilweise gleicht es einer kniffligen Puzzlearbeit, bis alle Termine abgestimmt sind. So fällt auf, dass die Adler 2019 „zwischen den Jahren“ kein einziges Heimspiel haben. Vom 25. bis 29. Dezember belegt der „Cirque du Soleil“ die SAP Arena, am 30. Dezember wollen die Ehrlich Brothers ihr Publikum verzaubern. Da am Tag vor Heiligabend keine Partie angesetzt ist, findet das „Spiel der leuchtenden Herzen“ in diesem Jahr bereits am 22. Dezember statt. Gegner sind die Straubing Tigers. „So können alle den Montag für die allerletzten Weihnachtsvorbereitungen nutzen“, sagt Binder lachend. Dass zwischen dem 25. und 29. Oktober ein Heimspiel-Dreierpack gegen Straubing, Nürnberg und Iserlohn terminiert ist, die Adler im gesamten Dezember dagegen nur viermal in der Festung SAP Arena antreten, ist sicherlich nicht optimal, ließ sich diesmal allerdings nicht vermeiden.

Die Adler haben sich mit den Fußballern des SV Waldhof über deren Drittliga-Aufstieg gefreut und registriert, dass das Interesse an den Blau-Schwarzen zugenommen hat. Mehr als 10 000 Zuschauer sind im Carl-Benz-Stadion keine Seltenheit mehr. „Wir können sehr gut nebeneinander existieren“, betont Binder. „Beide Clubs haben ein enormes Zuschauerpotenzial. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir uns keine Fans wegnehmen.“

Adler Mannheim – Spielplan 2019/2020

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