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Frühzeitig zum Facharzt gehen

Wie Arthrosepatienten eine erfolgreiche Behandlung erhalten

Eine ausführliche ärztliche Anamnese und Beratung ist die wichtigste Voraussetzung, um eine zielgerichtete Therapie zu bekommen. FOTO: DJD/SANOFI/GETTY IMAGES/ALEXANDER RATHS

29.09.2020
Frühzeitig zum Facharzt gehen Image 1
Steifigkeit in den Gelenken sowie ab und zu Bewegungsschmerzen: So fängt es meist an. Weil die Beschwerden zwischendurch aber oft wieder nachlassen, gehen viele Menschen mit beginnender Arthrose zu spät zum Arzt. Ein Fehler, denn je früher eine Behandlung startet, desto effektiver lässt sich der Gelenkverschleiß ausbremsen. Also nicht lange zögern. Um dann beim Spezialisten, etwa dem Orthopäden oder Sportmediziner, auch die bestmögliche Therapie zu erhalten, sollten Patienten sich allerdings gründlich auf das Gespräch vorbereiten.

Am besten nimmt man sich vor dem Termin die Zeit, alle Beschwerden, Fragen und Anliegen schriftlich zu notieren und nach Prioritäten zu ordnen. Die Liste hakt man dann gemeinsam mit dem Arzt der Reihe nach ab. So wird in der hektischen Eile oft überfüllter Praxen nichts Wichtiges vergessen. Wer eine Antwort oder bestimmte Zusammenhänge nicht versteht, sollte unbedingt nachfragen und die wichtigsten Stichpunkte aufschreiben. Reagiert der Arzt kurz angebunden, gilt es, ruhig zu bleiben und ganz sachlich um genauere Informationen zu bitten. Für viele Erkrankungen gibt es Broschüren, Websites und Patientenvereine, die fundierte Fakten liefern. Vor allem aber sollten Betroffene den Experten nach den verschiedenen Behandlungsoptionen fragen. Bei Arthrose kommen etwa konservative Methoden wie Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Schmerzmittel, Orthesen und andere Hilfsmittel infrage. Wer sich allerdings von seinem Arzt trotz aller Bemühungen nicht ernst genommen fühlt oder von der empfohlenen Behandlung nicht überzeugt ist, sollte sich notfalls eine zweite Meinung einholen. djd
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Auch wenn es eindeutig scheint: Rheuma ist nicht gleich Rheuma. „Der Begriff umfasst sehr viele unterschiedliche Erkrankungen und bedeutet eigentlich Schmerzen im Bewegungsapparat“, sagt der Internist und Rheumatologe Stefan Schewe. Ganz grob lasse sich zwischen entzündlichen und nicht entzündlichen Erkrankungen unterscheiden.

Dazu kommen Schmerzempfindungsstörungen, das Fibromyalgiesyndrom zum Beispiel. Die genauen Ursachen dieser Erkrankung sind nicht bekannt. Die Patienten klagten über wechselnde Schmerzen, schildert Schewe. Meist würden sie mit Antidepressiva und Psychotherapie behandelt. Auch Gicht oder Osteoporose zum Beispiel zählen laut Deutscher RheumaLiga zu Formen des Rheumas.

ENTZÜNDUNG ODER ABNUTZUNG

Wer von Rheuma spricht, meint oft die rheumatoide Arthritis: Dann sind die Gelenke entzündet. „Meist fängt es in den Fingern oder Zehen an“, sagt der Internist Edmund Edelmann aus Bad Aibling (Bayern). Im weiteren Verlauf könnten jedoch sämtliche Gelenke betroffen sein. „Durch die Entzündung kann ein Gelenk zerstört werden, wenn nichts unternommen wird“, warnt Stefan Schewe, der auch als medizinischer Berater für die Deutsche Rheuma-Liga tätig ist.

Nach Angaben von Hanns-Martin Lorenz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, können die Entzündungen bei vielen rheumatischen Erkrankungen nicht nur in den Gelenken, sondern an den verschiedensten Stellen auftreten – von Gefäßen über Haut, Augen, Gehirn, Darm bis hin zur Muskulatur. Haarverlust könne ebenfalls Teilsymptom einer rheumatischen Erkrankung sein.

Patienten mit rheumatoider Arthritis haben nachts oft Schmerzen. „Wenn man morgens aufwacht, ist man ganz verklebt und steif“, sagt Lorenz. Durch Bewegung würde es im Laufe des Tages wieder besser. Erschöpfung und Müdigkeit gehören zum Krankheitsbild dazu.

Im Unterschied zur rheumatischen Arthritis ist die Arthrose nicht entzündlich. Hier sind die Gelenke abgenutzt. „Die Patienten haben nachts keine Schmerzen, aber beim Aufstehen oder nach einer langen Autofahrt“, erläutert Stefan Schewe. Morgens gehe es ihnen gut, zum Abend hin schlechter, ergänzt Hanns-Martin Lorenz. Was hier hilft: Muskeln trainieren, um die Gelenke zu entlasten. Zudem gibt es medikamentöse Behandlungsansätze und je nach Schwere der Arthrose auch verschiedene Operationsmöglichkeiten.

Sowohl bei Arthrose als auch bei rheumatoider Arthritis können Schübe auftreten. Arthrose-Patienten hätten häufig Probleme bei nass-kaltem Wetter und merkten Wetterumschwünge deutlich, so Lorenz. In diesem Fall helfe Wärme - beispielsweise, in dem man die Hände in warmes Wasser hält. Die Arthritis ist wetterunabhängig – hier hilft dem Experten zufolge eher Kälte, da sich die Gelenke warm anfühlten.

„Rheumatoide Arthritis kann man in jedem Lebensjahr bekommen“, sagt Stefan Schewe. Es gebe eine genetische Veranlagung, aber es sei keine Erbkrankheit, ergänzt Edmund Edelmann. Raucher und Frauen seien etwas häufiger betroffen, sagt Hanns-Martin Lorenz. Prävention ist laut den Ärzten nicht möglich. Es sei jedoch eine gute Prophylaxe, nicht zu rauchen und Übergewicht zu vermeiden. Die gute Nachricht: Rheumatoide Arthritis ist mit Medikamenten behandelbar. Wichtig ist eine frühzeitige Therapie. „Allerdings warten die Patienten derzeit im Schnitt neun Monate auf einen Facharzttermin, weil es zu wenig Rheumatologen gibt, bemängelt Hanns-Martin Lorenz. Zeit für die Entzündung, weiter im Körper zu wüten. So werde es schwieriger, sie wieder einzufangen. dpa/tmn