Sonderveröffentlichung
Themenspecial Nur Mut

Seckenheim: Zeit für kreative Ideen

FRISEURE: Der Arbeitsalltag ist auch für Friseure ein ganz anderer als vor Corona. Die Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen ist unabdinglich – aber nicht unmodifizierbar. Friseurmeister Kim Betzold revolutioniert bei hairDIVINE mit seiner Idee des Klebemundschutzes den Arbeitsalltag in vielen Branchen.

Nützliche Maskerade: Die von Friseurmeister Kim Betzold gemeinsam mit Wirtschaftsingenieur Christian Tatzel und dem Wald-Michelbacher Unternehmen Somaritec entwickelten Klebemasken kommen nicht nur in Betzolds Salon hairDIVINE in Mannheim-Seckenheim zum Einsatz. Mittlerweile liegen auch Anfragen aus vielen anderen Branchen – darunter Optiker, Reiseunternehmen und Theaterhäuser – vor. BILDER: HAIRDIVINE

26.06.2020
Zeit für kreative Ideen Image 1

Dass einmal so etwas Alltägliches wie ein Friseurbesuch nicht mehr möglich ist, hätte bis vor kurzem keiner gedacht. Spätestens als die Haare allmählich ins Gesicht gefallen, der Ansatz längst rausgewachsen oder der Spliss langsam aber sicher die Haarlängen hochkrabbelt ist, wusste man die Fachkraft mit Kamm und Schere in der Hand wieder richtig zu schätzen. Nach wochenlanger Schließung aller Geschäfte konnten der Einzelhandel und die Dienstleister Anfang Mai wieder aufatmen. „Alle waren froh, wieder einen Termin bei ihrem Friseur zu bekommen“, berichtet Kim Betzold, Friseurmeister und Inhaber von hairDIVINE, „ich freue mich, dass wir Friseure es geschafft haben, begehrlich zu sein“.

Nach der Wiedereröffnung erfuhr der Friseursalon im Mannheimer Stadtteil Seckenheim einen großen Ansturm. Die ersten drei Wochen waren vergleichbar mit dem Weihnachtsgeschäft gewesen. Seitdem pendelt sich der Salonalltag wieder ein. So wie vor der Krise kann das Team um Betzold aber nicht arbeiten. Um wieder Kunden in Empfang nehmen zu können, mussten einige Abläufe angepasst werden. „Mittlerweile unabdinglich ist, dass Friseur und Kunde jetzt beide Mund- und Nasenschutz tragen müssen“, so der 41-Jährige, „außerdem verwenden wir nur noch Einmalumhänge“. Aber auch die Räumlichkeiten selbst mussten Corona-sicher gemacht werden. So wurden zwischen den Waschplätzen, an denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, Plexiglasscheiben installiert. Außerdem gibt es jetzt vier Bedienplätze weniger, um die geforderten Abstand von 1,5 Meter wahren zu können. Auf einer Liste werden zudem die Zeiten eingetragen, zu denen der Kunde den Salon betritt und wieder verlässt.
Reiffeisen Mannheim eG
Nach der Wiedereröffnung erfuhr der Friseursalon im Mannheimer Stadtteil Seckenheim einen großen Ansturm. Die ersten drei Wochen waren vergleichbar mit dem Weihnachtsgeschäft gewesen. Seitdem pendelt sich der Salonalltag wieder ein. So wie vor der Krise kann das Team um Betzold aber nicht arbeiten. Um wieder Kunden in Empfang nehmen zu können, mussten einige Abläufe angepasst werden. „Mittlerweile unabdinglich ist, dass Friseur und Kunde jetzt beide Mund- und Nasenschutz tragen müssen“, so der 41-Jährige, „außerdem verwenden wir nur noch Einmalumhänge“. Aber auch die Räumlichkeiten selbst mussten Corona-sicher gemacht werden. So wurden zwischen den Waschplätzen, an denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, Plexiglasscheiben installiert. Außerdem gibt es jetzt vier Bedienplätze weniger, um die geforderten Abstand von 1,5 Meter wahren zu können. Auf einer Liste werden zudem die Zeiten eingetragen, zu denen der Kunde den Salon betritt und wieder verlässt.

„Der Shut-Down traf uns nicht unerwartet – aber hart und mit voller Wucht“, gibt der Friseurmeister zu. Dank einiger Rücklagen musste der Salon aber nicht ums Überleben bangen. Seinen Mitarbeitern konnte Betzold sogar in der Kurzarbeitsphase den Lohn auf 100 Prozent aufstocken. Aber der Mannheimer machte sich vor der Wiedereröffnung nicht nur Gedanken um sein Personal, sondern auch um seine Kunden. Der Mund- und Nasenschutz sei mit seinen Schlaufen um die Ohren der Kunden einfach unpraktisch für das Friseurhandwerk. Um das Arbeiten am Kopf zu erleichtern, sollte eine Alternative her. „In der Zeit der Schließung, als ich nicht gearbeitet habe, war der Kopf frei für neue Anregungen.“ So war Mitte April die Idee zum Klebemundschutz entstanden. Als er nichts dergleichen im Internet finden kann, macht er sich auf die Suche nach einer Produktionsfirma und wendet sich an deutsche Großkonzerne in der Hygiene-Branche. Aufgrund der enormen Menge an staatlichen Aufträgen erhält Betzold trotz Interesse allerdings Absagen. Bis Anlagen-Spezialist Somaritec aus Wald-Michelbach plötzlich vor der Tür steht. In Kooperation mit den Industrie-Experten feilt der Friseurmeister wochenlang an einem atemfreundlichen Design sowie den richtigen Vlies- und Klebestoffen. Letztendlich wurde gemeinsam ein muschelförmiger Mund- und Nasenschutz mit hydrophoben Schichten entwickelt. Diese lassen weder Feuchtigkeit herein, noch heraus und eignen sich daher perfekt für den Friseursalon. „Ich habe in letzter Zeit viel gelernt“, freut sich Betzold, „und weiß jetzt bestens Bescheid über verschiedene Vliesarten und ihre Herstellung. Aber auch über medizinischen Kleber, Warenwirtschaftssysteme und Online-Shops.“ Ihm sei es vor allem wichtig gewesen in Deutschland zu produzieren, nicht zuletzt auch, um beim Thema schadstoffbelastete Ware kein Risiko einzugehen. Außerdem wisse er so genau, wofür er unternehmerisch geradestehe.

„Für mich ist das gerade eine sehr spannende Zeit. Neues Wissen ist gut fürs Hirn und bringt einen persönlich sowie fachlich weiter“, so der hairDIVINE-Inhaber. Trotz allem sei es auch ein stressiger Prozess, da auch der Salonalltag weitergeführt werden möchte.Dort waren die Masken bereits im Einsatz – und sorgten für positive Resonanz. Mittlerweile kommen Anfragen für die selbstklebenden Masken aus den unterschiedlichsten Branchen: Optiker, Hörgeräteakustiker, Reiseunternehmen, Theaterhäuser und mehr. Das Gebrauchsmuster hat sich Betzold beim Bundespatentamt schützen lassen und die Produktion ist bereits angelaufen. Er freue sich, das neue Produkt erfolgreich zu etablieren. „Und auf die konstruktive Zusammenarbeit mit MBA Wirtschaftsingenieur Christian Tatzel, der eine sehr wichtige Rolle im Unternehmen ‚Klebemundschutz’ eingenommen hat.“

Von Sophia Zang

Maske schützt vor Virenübertragung

Viren werden durch Tröpfcheninfektion übertragen - sie gelangen über Mund und Nase in Umlauf und werden vor allem über die Hände weitergegeben. Da wir uns durchschnittlich 300 Mal am Tag ins Gesicht fassen, haben Viren ein leichtes Spiel, an unsere Schleimhäute zu geraten. Das Tragen einer Maske kann bei einem Erkrankten einen Teil der Erreger abfangen. Speicheltröpfchen, die beim Niesen oder Sprechen versprüht werden, bleiben so in der Maske hängen. Der Mundschutz verhindert außerdem, dass wir Mund und Nase ständig berühren. soz