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Themenspecial Nur Mut

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E-SPORT: Es ist eine Erfolgsgeschichte, die 2017 in Oftersheim begann. Mit der Gründung einer E-Sport-Abteilung traf der TSV absolut den Zeitgeist. Doch mit ein bisschen Zocken ist es seitdem nicht getan, die Abteilung professionalisiert sich immer mehr und nimmt auch soziale Verantwortung gerne an.

Im vergangenen November eröffnete eSport Rhein-Neckar in Mannheim ein hochmodernes Leistungszentrum. BILD: ESPORT RHEIN-NECKAR

26.06.2020
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Raus aus dem Schatten – und zwar in beeindruckender Geschwindigkeit. Der E-Sport boomt. Auch, oder gerade in der Region. In Mannheim wurde in diesem Frühjahr das nächste Kapitel einer Erfolgsgeschichte geschrieben, die in Oftersheim vor drei Jahren ihren Anfang und seitdem eine rasante Entwicklung nahm. Knapp 600 Teilnehmer ermittelten in fünf unterschiedlichen Spielen unter der Schirmherrschaft der Stadt Mannheim die verschiedenen E-Sport- Stadtmeister. Mittendrin die E-Sport-Abteilung des TSV Oftersheim, die eine Vorreiterrolle einnimmt: eSport Rhein-Neckar (ERN).„Ohne Corona wäre so eine Veranstaltung sicher nicht denkbar gewesen“, schildert Geschäftsführer Jonas Stratmann, der gemeinsam mit Maximilian Breier und Katharina Spinner die Abteilung leitet. Die Stadt suchte eine Möglichkeit, in der Zeit des Lockdowns für Unterhaltung zu sorgen: „Da konnten wir helfen. Beim E-Sport gab und gibt es kaum Einschränkungen.“ Schließlich reicht ein heimischer Gaming-PC oder eine Konsole und schon können sich die Spieler untereinander vernetzen. Durch Corona nahm die Aufmerksamkeit deutlich zu, gerade medial: „So können wir unsere Leidenschaft einem breiten Publikum weiter vorstellen.“
   
Doch das ERN-Team engagiert sich noch im weiteren Maß und übernimmt soziale Verantwortung. Gemeinsam mit dem Rotary Club Schwetzingen-Kurpfalz bereiteten die Experten Computer für sozial Benachteiligte auf, dass diese in Zeiten des „Homeschoolings“ nicht abgehängt werden. Seit Februar unterstützt ERN zudem die Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) bei der Durchführung der E-Sport-AG.
    
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Dabei begann alles ganz beschaulich in Oftersheim. Der dort ansässige TSV startete 2016 über Facebook einen Aufruf und suchte E-Sport-Begeisterte. Im Februar 2017 erfolgte die Gründung der Abteilung, 2018 die Umbenennung in eSport Rhein-Neckar. „Damit wollten wir zum Ausdruck bringen, dass wir die gesamte Region ansprechen“, erklärt Stratmann. Es wirkte – und wie! Nun kam richtig Bewegung in die Sache. Eine Kooperation mit dem Fußball-Zweitligisten SV Sandhausen, der mit einem Team in der Virtuellen Bundesliga antritt, war der nächste große Schritt. Es folgten namhafte Partnerschaften und Sponsoren wie MLP, in diesem Mai kam auch die SAP dazu.

Ein Meilenstein war die Eröffnung des E-Sport-Leistungszentrum im vergangenen November. „In Oftersheim haben wir zweieinhalb Jahre einen 15 Quadratmeter großen Gamingroom zur Verfügung gehabt“, so Stratmann. Nun ist es in Mannheim auf 350 Quadratmetern das vermutlich modernste E-Sport-Center Deutschlands mit Schlafräumen, Küche, Möglichkeiten für Elternabende, Turniere oder Trainingslager. Die Mitglieder trainieren einmal in der Woche gemeinsam offline, dazu kommen bis zu sechs Einheiten online von Zuhause. „Beim Training im Leistungszentrum haben wir natürlich auch Einschränkungen durch Corona“, erklärt Stratmann. Den mit 120 Quadratmetern größten Raum dürfen aktuell nur fünf Spieler gleichzeitig nutzen. Drei Meter Abstand sind Pflicht, die Corona-Warn-App ist Standard und jeder bringt seine eigene Hardware mit. Knapp 150 Mitglieder – größtenteils zwischen zwölf und 30 Jahre alt – zählt aktuell die Abteilung. „Bis Ende des Jahres rechnen wir mit über 200. Damit wären wir dann auch am Ende unserer Kapazitäten“, erklärt der 35-Jährige. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Doch was zeichnet den E-Sport aus? Klar gibt es oft Vorurteile, dass es sich nicht um einen richtigen Sport handle. „Bei uns geht es auch um Wettkampf, Fairplay und die Verbesserung durch Teamtraining. Es gibt Videoanalysen und Individualförderung. Wir bedienen dieselben Themen wie der klassische Sport“, so Stratmann: „Ich sehe uns ganz nah am Motorsport.“

Und auch die Bandbreite des Niveaus ist enorm. So gibt es Spieler, die einfach gerne gemeinsam zocken wollen. Genauso sind im Verein Teams vertreten, die zur Spitze Deutschlands zählen. Die Mischung macht’s – in vielerlei Hinsicht: „Wir holen mit dem E-Sport alle Menschen ab. Auch die, die vielleicht am Rand der Gesellschaft stehen.“

Von Ludwig Ricke
  

eSport Rhein-Neckar

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Am 26. Februar 2017 hat der TSV Oftersheim als erster Amateursportverein Deutschlands E-Sport in sein Repertoire aufgenommen. Am 1. Juni 2018 erfolgte die Umbenennung der Abteilung in „eSport Rhein-Neckar” (ERN). Seitdem wurden die Angebote stetig erweitert. Im November 2019 eröffnete ERN sein 350 Quadratmeter großes E-Sport-Leistungszentrum in der Relaisstraße in Mannheim.