Sonderveröffentlichung
Themenspecial 25 Jahre Carl-Benz-Stadion

Ein Schmuckkästchen

SV Waldhof lässt Fans über das traditionelle Stadionessen mitentscheiden

Die Geschichte: Am 25. Februar 1994 wird das Carl-Benz-Stadion eingeweiht

Die Geschichte des Carl-Benz-Stadions reicht deutlich weiter zurück als in das Jahr 1994, in dem die damals als modern geltende Arena mit einem Flutlicht-Ligaspiel gegen Hertha BSC (2:2) eingeweiht wurde. Das Fundament dieses einst als Schmuckkästchen bezeichneten Runds steht an der Stelle einer Sportstätte, die eine der größten architektonischen Katastrophen im Stadionbau und damit für höherklassigen Wettbewerbs-Fußball ungeeignet war. Doch auch auf kommunaler Ebene endete 1994 eine Jahrzehnte andauernde Posse. Schon im Oktober 1952 wurde im Mannheimer Amtsblatt über einen Umbau des alten Mannheimer „Städtischen Stadions“ nachgedacht. Doch aus finanziellen Gründen wurde dieses Vorhaben schnell wieder verworfen.

Es dauerte mehr als 25 Jahre, ehe in Mannheim wieder Gedanken in eine solche Richtung geboren werden. Im Mai 1978 empfahl der Gemeinderat den Bau einer Mehrzweck-Arena in Neuostheim, doch die Bestrebungen wurden hauptsächlich von dem Club selbst torpediert. „Der SV Waldhof gehört in den Norden der Stadt. Er ist hier tief verwurzelt und erfüllt dort eine wichtige Funktion“, hatte Gerhard Widder, damals noch SPD-Fraktionschef und später Mannheimer Oberbürgermeister zu Protokoll gegeben. Als Konsequenz wird 1981 der Ausbau des Stadions am Alsenweg in vier Schritten für einen Aufwand von drei bis fünf Millionen Mark auf den Weg gebracht. Stufe vier, die den Bau einer Flutlichtanlage vorsah, fand nie statt. Der SV Waldhof stieg in die Bundesliga auf und wechselte Stadt und Bundesland – ein bis heute einzigartiges Szenario. Der SVW spielte im Ludwigshafener Südweststadion. Am 20. Januar 1988, im Herbst der Waldhöfer Bundesliga-Zugehörigkeit, beschloss der Gemeinderat den Umbau des alten Rhein-Neckar-Stadions, früher „Städtisches Stadion Mannheim“.

„Wir haben ein Stadion errichtet, das seinesgleichen sucht“

Sport-Bürgermeister Lothar Mark 1994

Ein Lärmgutachten wird erstellt und am 4. September 1989 die Kosten auf heute vergleichsweise lächerliche 24,4 Millionen Mark festgelegt. Am 22. November 1990, der SV Waldhof war mittlerweile nur noch Zweitligist, erteilte das Regierungspräsidium Karlsruhe die Baugenehmigung, allerdings verbunden mit engen Fußfesseln – die Auflagen erlaubten anfangs nur 25 Fußballspiele pro Jahr, davon maximal fünf Abendspiele, die bis 22 Uhr beendet sein mussten. An Sonn- und Feiertagen musste der Ball ruhen. „Durch Maßnahmen der Polizei muß Mannheim gewährleisten, dass Zuschauer und Fans mit ihren Autos nicht in die Wohnbereiche von Neuostheim ausweichen“, heißt es in einem Bericht im „Mannheimer Morgen“ vom 23. November 1990 über ein Zugeständnis gegenüber den Anwohnern.Wilhelm Grüber, Präsident des SV Waldhof, malte gleichzeitig ein düsteres Szenario, sollte der Bau noch scheitern: „Dies ist die letzte Chance, Erst- oder Zweitliga-Fußball in Mannheim zu erhalten und zu verantworten.“ Es folgten Einsprüche von Stadiongegnern – und letztlich wurde am 17. Februar 1992 die Baugenehmigung am Verwaltungsgericht Karlsruhe doch wieder aufgehoben.

1993: Die Bauarbeiten im Carl-Benz-Stadion laufen auf Hochtouren. BILD: ARCHIV
1993: Die Bauarbeiten im Carl-Benz-Stadion laufen auf Hochtouren. 
BILD: ARCHIV
Dr. Manfred Stopfkuchen-Menzel, Vorsitzender Richter des 3. Senats am Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, erlöste die Fußballgemeinde in der Quadratestadt am 18. Juni 1992. Er erteilte erneut die Baugenehmigung, dieses Mal scheiterten Stadiongegner mit ihren Einsprüchen. Im Juli 1992 begannen die Vorarbeiten für den Bau, die Kosten wurden nun auf 28 Millionen Mark zuzüglich 5,2 Millionen Mark für das Stadionumfeld veranschlagt. Der Bau schritt zügig voran, im September 1993 wurde der Rollrasen verlegt.

„Wir sind in der Lage, mit knapp 30 Millionen Mark ein Stadion zu errichten, das seinesgleichen sucht“, sagte damals Sport-Bürgermeister Lothar Mark. „Dafür kriegt man anderswo gerade mal eine Tribüne.“

Der Arbeitstitel „Rhein-Neckar-Stadion“ wurde im September 1993 nach einer Spende der Daimler Benz AG für eine Anzeigetafel aufgehoben. Die neue Arena trug fortan den Namen „Carl-Benz-Stadion“, gleichzeitig eine Hommage an einen der größten Söhne der Stadt, Nutzer wurde der SV Waldhof als ranghöchster Mannheimer Verein. Andi Nowey

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