Sonderveröffentlichung
Themenspecial 150 Jahre Galopprennsport in Mannheim

„Ein Rennstall ist kein Ponyhof“

Public-Trainer Marco Klein – detailverliebt und mit dem besonderen Gespür


Marco Klein hat als erster Trainer auf der Seckenheimer Waldrennbahn sein Hobby zum Beruf gemacht: als Public-Trainer und ausbildungsberechtigter Pferderwirtschaftsmeister. 2015 wagte der Rettungssanitäter und Berufssoldat den Schritt – bereut hat er ihn nicht. „Wir konnten in den vergangenen Jahren stetig wachsen – was die Zahl der Pferde wie Mitarbeiter angeht. Und auch in puncto Erfolg“, freut sich der Mann mit Pferdeverstand, der lieber festen Boden unter den Füßen hat. In dem Stall gleich neben der Rennbahn betreut er mit seinem Team mittlerweile 30 Vollblüter – vom Jährling bis zum Siebenjährigen. Jene Vierbeiner, die bereits an den Start gehen, laufen keineswegs hinterher. „2017 waren unsere Pferde 14 Mal siegreich, 65 mal in der Platzierung – was bedeutet, dass wir mit 70 Prozent unserer Starter im Geld waren.“ Die noch laufende Saison kommentiert er: „Bereits im September durften wir uns über 13 Siege, einen davon in Frankreich, und außerdem über 55 Platzierungen freuen.“ Klar, dass „Ganz-vorn-Erfolge“ auf der Derbybahn in Hamburg oder beim Großen Meeting in Baden-Baden besonderen Jubel auslösten.

Starkes Duo: Marco Klein mit seinem Jockey Tommaso Scardino. BILD: EMMA PREIKSCHAT
Starkes Duo: Marco Klein mit seinem Jockey Tommaso Scardino. BILD: EMMA PREIKSCHAT
„Ein Rennstall ist keine Ponyhof“, pflegt Marco Klein zu sagen. Es gilt, präzise Trainingspläne auszutüfteln und herauszufinden, was jedes Pferd an Zuwendung wie Abwechslung braucht. Vollblüter sind nun mal keine Rennmaschinen, sondern sensible Wesen mit eigenem Willen. Klein weiß um die höchst unterschiedlichen Charaktere seiner vierbeinigen Schützlinge, die ihm Besitzer oder Besitzergemeinschaften anvertrauen. Er kennt Galopper, die immer gewinnen wollen – auch gegen Trainingspartner. Während andere Pferde die prickelnde Atmosphäre einer Rennveranstaltung brauchen, um Adrenalin in Siegeswillen umzusetzen. „Wir verstehen uns als Familienunternehmen“, betont der Stallbetreiber. „Meine Eltern, besonders meine Schwester, mein Partner – wir ziehen an einem Strang.“ Und Stalljockey Tommaso Scardino gehöre mittlerweile ebenfalls zur Familie. Stolz ist Marco Klein auf die erfolgreiche Entwicklung seines Lehrbetriebes. 2017 haben beide „Azubis“ – Tommaso Scardino und Kerstin Elsässer – die Ausbildung zum Pferdewirt mit Schwerpunkt Rennreiten als Jahrgangsbeste absolviert.

Bei dem gerade einen Monat zurückliegenden BWM-Renntag sorgte Trainer Klein auf der Heimatbahn gleich mit drei seiner Pferde für Furore: Im Soho-Turley-Cup Ausgleich 3 schaffte es beispielsweise Tommaso Scardino auf „Exclusive Potion“, die Konkurrenz auf der Zielgeraden hinter sich zu lassen – vor der überraschend zweit platzierten Stallgenossin „Wüstenlady“. Marco Klein war erfreut, dass Jockey Tommy „genau den richtigen Moment abgepasst hat“. Der fünfjährige Wallach komme nämlich langsam in Fahrt – „aber hinten raus explodiert er“.

Pferde für Rennen vor Publikum zu begeistern und ihren Siegeswillen zu stärken, sie zu fördern, aber nicht zu überfordern – ein schmaler Grat. Wichtig sind dabei auch gute Bodenbedingungen. Deshalb hat der Badische Rennverein die Sandtrainingsbahn überarbeiten lassen. Klein: „Es wurden optimale Bedingungen geschaffen, Pferde schonend auf Rennen vorzubereiten.“ Waltraud Kirsch-Mayer

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