Sonderveröffentlichung
Themenspecial 150 Jahre Galopprennsport in Mannheim

Ein Leben nach der Rennbahn

Saibaba, Never Tell, Secret Edge und Pumpgun genießen ihren Ruhestand


Menschen und Pferde haben eines gemeinsam: Sind sie Leistungssportler, ist ihre Karriere begrenzt. Was geschieht mit Galoppern, wenn sie mit spätestens 15 Jahren – der erlaubten Obergrenze – in Rente gehen? „Viel Geld verdienen kann man in Deutschland im Pferderennsport nicht. Für die meisten Besitzer ist es ein Hobby. Da nur wenige selbst reiten, fehlt ihnen eine weitere Verwendung“, weiß der Mannheimer Trainer und Stallbesitzer Marco Klein aus eigener Erfahrung. „Wenn sie noch gesund sind, werden sie als Freizeitpferde oder für die Zucht verkauft. Bei uns läuft das zu 90 Prozent über mich. Wir sorgen dafür, dass die Pferde in gute Hände kommen.“

Seinen Saibaba, den er 13-jährig vergangenes Jahr aus den Rennen nahm, hat er jedoch selbst behalten. „Ich werde ihn nie weggeben. Er war mein erster eigener Galopper und ich hänge an ihm, habe mit ihm viele schöne Erfolge gefeiert.“ Unvergesslich ist ihm der Sieg des Wallachs, den er 2007 dreijährig kaufte, bei der traditionsreichen Hasslocher Meile 2010. „Mit neun Jahren war Saibaba verletzt, wurde am Huf operiert. Niemand rechnete mit einer Rückkehr. Doch dann gewann er mit zehn Jahren noch drei Rennen und hatte richtig viel Spaß dabei.“ Seit 2017 lebt er nun auf einem Reiterhof in Weinheim, wird von zwei Frauen, die bei Klein arbeiteten, betreut. „Ich besuche ihn regelmäßig selbst. Ich hatte so viel Freude an ihm und bin so dankbar, dass er gesund ist.“ 

Bestens aufgehoben: Pumpgun mit Sonja Hauck.
Bestens aufgehoben: Pumpgun mit Sonja Hauck.
Schon mit acht Jahren kam für Pumpgun das Karriere-Ende auf der Rennbahn. Von Besitzertrainer Horst Rudolph zum Seriensieger bis Ausgleich III ausgebildet, beendete er seine Laufbahn im Mai 2015 mit Platz eins in Mannheim. Seither steht er in der Nähe der Waldrennbahn in einem privaten Stall, ist täglich auf der Koppel und wird hauptsächlich im Gelände geritten. Meistens von seiner neuen Besitzerin Sonja Hauck selbst, die ihn schon zu seiner aktiven Zeit im Training ritt und keinen Moment zögerte, ihn zu übernehmen. Mit ihr kümmern sich zwei Pflegerinnen um den 2007 geborenen Wallach.

Wegen einer Verletzung musste Never Tell schon im Alter von erst fünf Jahren in den Ruhestand. 2008 geboren, wurde auch die Stute von Horst Rudolph bis zum vorzeitigen Karriere-Ende aufgebaut. Seit 2013 gehört sie Nadine Bahr und lebt auf einem Reiterhof in Friedrichsfeld. „Sie genießt ihr Leben als voll belastbares Freizeitpferd sowohl unter dem Dressursattel als auch bei langen Ausritten durch den angrenzenden Wald. Sie hat sich nach ihrer Verletzung gut erholt, und auch kleine Sprünge bereiten ihr viel Freude.“

Vor einigen Jahren sorgte Secret Edge immer wieder für Aufsehen auf der Waldrennbahn. Denn der Wallach von Gabriele Gaul gewann nach Platz zwei 2014 im Jahr darauf überraschend das große Badenia-Jagdrennen und entschied einen Monat später auch die Revanche beim B.A.U.-Renntag für sich. „Er hatte aber schon 2014 Probleme mit der Sehne. Wir haben ihn deshalb Ende 2015 aus dem Sport genommen, ihn aber behalten.“ Seit sie mit der Zucht anfing, hat Gaul tatsächlich kein Pferd mehr verkauft. „Edgar – so sein Rufname – steht noch immer im Stall von Albert Dehoust und genießt sein Rentnerdasein. Es ist wie ein Wellnessurlaub.“ 2019 werden auch Gauls noch aktive Sportler Eric (7 Jahre) und Erica ihre Karriere beenden. Die dann Sechsjährige soll als Mutterstute in die Zucht gehen. Sibylle Dornseiff


SZA Schilling, Zutt & Anschütz Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Datenschutz