Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Ökologisch auf dem Gaspedal

LOGISTIK: Wie das Mannheimer Unternehmen „Alpensped“ Nachhaltigkeit in der Praxis umsetzt.

Von Ingo Leipner  

Wirkliche Nachhaltigkeit bedeutet: Unternehmen sollten Schlagworten der Werbung tatsächlich Leben einhauchen. Das gelingt nicht immer, aber die Mannheimer „Alpensped GmbH“ ist dabei erfolgreich. Obwohl sie im Transportgewerbe tätig ist. Obwohl diese Branche zunächst an Dieselabgase und LKW-Staus denken lässt...Was macht „Alpensped“ anders? Es gibt drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Entlang dieser Dimensionen zeigt sich, welchen besonderen Weg „Alpensped“ geht.

ÖKONOMIE

„Wir wollten den Charakter des Unternehmens nicht verändern“, sagt einer der Geschäftsführer, Christian Faggin. „Wir setzen auf ein organisches Wachstum.“ Das zeigt sich auch in Zahlen: 2005 bis 2014 hat sich der Umsatz rund verdoppelt, seit 2015 liegt diese Kennziffer durchschnittlich bei 20 Millionen Euro. Trotz großer Wachstumschancen durch immer stärkere Verkehrsströme in Europa... Aber: „Wachstum um jeden Preis ist für uns keine Option“, so Faggin.

Heute beschäftigt das Unternehmen 37 festangestellte Mitarbeiter, aber keine eigenen Fahrer. Die Transporte übernehmen 30 Sub-Unternehmer („vertraglich gebundene Frachtführer“). Organisation und Logistik bleiben in der Hand von „Alpensped“. Der Name erklärt sich aus der Firmengeschichte: Vater Rinaldo Faggin gründete 1993 die Spedition, um Güter von Deutschland nach Italien und zurück zu transportieren. Er berät noch das Unternehmen, Bruder Massimo Faggin arbeitet als zweiter Geschäftsführer. Inzwischen ist „Alpensped“ in 22 europäischen Ländern aktiv, mit einem Schwerpunkt auf Süd- und Osteuropa. Ein Familienunternehmen in zweiter Generation.

ÖKOLOGIE

Die wichtige Kennziffer heißt „Corporate Carbon Footprint“ (CCF). Das ist der „Fußabdruck“ im Klimasystem, den das ganze Unternehmen durch Treibhausgas-Emissionen hinterlässt. Hinzu kommt eine zweite Kennzahl, der „Transport Carbon Footprint“ (TCF). Er erfasst den speziellen „Fußabdruck“ pro Sendung. Die zwei Kennzahlen spiegeln ein Dilemma der Klimapolitik wider, das auch Faggin bewusst ist: „Wir haben zwar den Fußabdruck pro Sendung (TCF) deutlich gesenkt, aber der gesamte Fußabdruck (CCF) des Unternehmens ist nicht zurückgegangen.“ Der Grund: Steigende Transportströme führen oft in der Summe zu höheren oder gleichbleibenden Emissionen, auch wenn pro Sendung viel weniger CO2 anfällt. Ein Bumerang-Effekt, der auch als „Rebound-Effekt“ bezeichnet wird und Effizienzgewinne auffrisst. „Daher tue ich mich mit dem Begriff ‚Klimaneutralität’ schwer“, sagt Faggin nachdenklich. „Klimafreundlichkeit“ sei das bessere Wort.

Dennoch bleibt das Unternehmen am Ball: „Wir ergreifen“, so Faggin, „viele Maßnahmen, um die CO2 -Emissionen zu senken.“ Dazu gehören: LKWs der neuesten Generation (Euro 6), das Bündeln von Sendungen und Fahrer-Schulungen für effizientes Fahren. Zudem verfolgte „Alpensped“ ein Pilotprojekt. Titel: „Transporte von der Straße auf die Schiene“, gemeinsam mit Masterstudenten der Hochschule Heilbronn. Die Umsetzung beginnt im laufenden Jahr. Eine weitere Maßnahme ist die Kompensation: „Alpensped“ fördert ein Solarprojekt im afrikanischen Tansania, wodurch 2017 das Unternehmen 1250 Tonnen CO2 ausgleichen konnte, rund 7,1 Prozent der gesamten Emissionen.

SOZIALES

„Mitarbeiter sollen Mitunternehmer sein“, fordert Faggin. Daher erhalten sie Boni als Beteiligung am Unternehmenserfolg; die Richtlinien für die interne Zusammenarbeit haben sie maßgeblich mitgestaltet („Code of Conduct“). Flache Hierarchien sorgen dafür, „dass das Organigramm kein Gefängnis wird“, wie es der Geschäftsführer ausdrückt. Ein „kooperativer Führungsstil“ sei notwendig. „Wer will“, so Faggin, „kann ‚Projektpatenschaften’ übernehmen“, was eigenverantwortliches Handeln fördert.

Einen sozialen Effekt hat auch das Solarprojekt in Tansania: Gesundheitlich schädliche Kerosin-Lampen verschwinden – und im Licht der Glühbirnen können Kinder besser ihre Hausaufgaben machen.
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