Sonderveröffentlichung
Themenspecial Nur Mut

„Corona mal vergessen“

GASTRONOMIE: Adler-Stürmer David Wolf hat der Lockdown gleich doppelt getroffen. Der Traum von nächsten Meistertitel auf dem Eis wurde abrupt beendet und auch das zweite Standbein als Café-Betreiber bekam Kratzer ab. Doch Optimismus und Kampfgeist hat David Wolf nie verloren und in seinem „Wolfsbau“ kann er den Gästen – mit allen Hygienemaßnahmen – endlich wieder „ein paar schöne Stunden“ bescheren.

Trotz Doppel-Treffer durch den Corona-Lockdown hat Adler-Stürmer David Wolf nie den Mut verloren. In sein „Café Wolfsbau“, das er gemeinsam mit Frau Enny, Mutter Birgit (Bild) und seinen Schwestern führt, ist mittlerweile wieder Leben eingekehrt. BILD: PRIVAT

26.06.2020
„Corona mal vergessen“ Image 1

Unterkriegen lässt sich David Wolf nicht so leicht. Auf dem Eis ist der Stürmer-Hüne der Adler Mannheim für seine geradlinige Art bekannt. Für seine unermüdliche und harte Arbeit und seinen Teamgeist wird der „Monnemer Bu“ von den Fans der Blau-Weiß-Roten geliebt. Kein Wunder, dass der 30-Jährige – der gemeinsam mit seiner Frau Enny, seiner Mutter Birgit und den Schwestern Caroline und Amelie das „Café Wolfsbau“ in der Gartenstadt betreibt – auch in der schwierigen Corona- Zeit nicht tatenlos rumsitzt.

„Ich bin ein positiver Mensch“, sagt Wolf und strahlt jede Menge Energie aus. Dass noch nicht klar ist, ob es in der Deutschen Eishockey Liga tatsächlich am 18. September wieder mit dem Spielbetrieb losgeht – „Ja, da gibt es noch eine gewisse Unsicherheit“, gesteht Wolf, nur um sofort anzufügen: „Aber ich bin guter Dinge. Der 18.9. ist unser Plan. Man muss Ziele haben. Dafür trainieren meine Teamkollegen und ich. Wenn es nicht klappen sollte, dann peilen wir das nächste Ziel an.“
    
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Doch angesichts der sinkenden Fallzahlen ist der Kaffee-Liebhaber zuversichtlich. Da er wegen des „Wolfsbaus“ immer auf dem neuesten Stand der Regelungen ist, war er gefragter Ratgeber bei seinen Kameraden, wenn es darum ging, was erlaubt und was noch verboten ist. „Als Café-Betreiber müssen wir ja alle Vorgaben sofort umsetzen“, erklärt Wolf.

Ja, der Lockdown habe wehgetan, man habe Kurzarbeit beantragen, nur noch To- Go-Betrieb anbieten können und vor der Öffnung jede Menge Hygiene- und Abstandsregeln beachten müssen, bestätigt Wolf. Und der Lockdown ist auch am „Wolfsbau“ nicht spurlos vorübergegangen. „Unter der Woche öffnen wir erst um 11 Uhr und bieten nur am Wochenende Frühstück an“, erklärt der 30-Jährige. „Wir hoffen, dass die Kitas und Schulen bald wieder normal öffnen und sich die Lage weiter normalisiert, damit dann die Muttis und auch ein paar Vatis wieder zum Frühstücken vorbeikommen“, sagt der stolze Papa von Sohnemann Jamie David, der gerade ein Jahr alt geworden ist.

Um Meister zu werden, muss man an allen Schrauben drehen. Um erfolgreich ein Unternehmen zu führen, ist das nicht anders.“

David Wolf, Eishockey-Profi und Inhaber des Mannheimer „Café Wolfsbau“

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Wolf ist froh über die staatlichen Hilfen. „Kurzarbeit war und ist ein großes Thema. Dieses Instrument hat uns wirklich sehr geholfen. Aber man merkt, dass man noch an der einen oder anderen Schraube drehen und den Rhythmus finden muss“, sagt Wolf. Das hört sich an, als würde der Stürmer auf das nächste Eishockey-Spiel vorausschauen und nicht über das Café sprechen. „Beides ist wirklich vergleichbar“, stimmt er zu und lacht. „Um Meister zu werden, muss man an allen Schrauben drehen. Um erfolgreich ein Unternehmen zu führen, ist das nicht anders.“

Das versuchen die Wolfs jeden Tag aufs Neue. „Die ersten ein, zwei Wochen lief es nach der Öffnung noch schleppend, weil viele Gäste noch verunsichert waren, ob wir offen haben, wie das alles mit der Maske und dem Abstand läuft. Aber mittlerweile haben wir uns alle wohl daran gewöhnt, dass wir noch lange mit Corona leben werden“, berichtet er und freut sich: „Jetzt trauen sich die Menschen wieder raus, kommen zu uns. Und oft hören wir, ,Das war Zeit’ oder ,Wir haben ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen’“.

Das Motto im „Wolfsbau“ ist klar: „Wir wollen den Menschen zumindest für die Stunden, in denen sie bei uns sind, eine schöne Zeit machen“, sagt der 30-Jährige. Wolf möchte den Menschen die Furcht nehmen. „Es geht darum, den gesunden Menschenverstand einzusetzen und sich nicht durch die Masse von sich teils widersprechenden Meldungen verunsichern zu lassen.“

Es gehe darum, sich sein Leben nicht vom Virus dominieren zu lassen. „Wir Wolfs sind alles sehr offene, positive Menschen. Wer zu uns kommt, kann Corona mal vergessen. Wir versuchen, Spaß und Freude zu verbreiten. Und wann immer ich trotz des Trainings Zeit habe, helfe ich mit und nehme mir die Zeit, mich mit den Gästen zu unterhalten“, ist Wolf keinesfalls das unnahbare Zugpferd des Cafés – sondern mittendrin. Seine Leidenschaft ist die Bedienung der großen italienischen Barista-Maschine.

Trotz seines Optimismus’, die vergangenen Monate haben auch Wolf Kraft gekostet. Die Deutsche Eishockey Liga hatte als erste Profiliga sehr schnell die Saison abgebrochen. Und das kurz vor den Play-offs, in denen die Adler sich sehr gute Chancen ausgerechnet hatten, ihren Titel zu verteidigen. „Natürlich fühlt es sich wie eine Niederlage an, nicht um die Meisterschaft spielen zu können. Als Sportler hat man nur ein paar Jahre, insofern ist dieses Jahr schon verloren. Aber es war höhere Gewalt. Wir hätten gerne um den Titel gekämpft. Vor allem, weil wir alles getan hatten, um weit zu kommen“, sagt der zweifache Meister (2010, 2019).

Seinen Traum, am 18. September am ersten Spieltag der DEL in einer hoffentlich ausverkauften SAP Arena zu stehen, hat er natürlich noch nicht aufgegeben: „Für mich ist das realistisch. Wenn man sich die Zahlen der letzten Zeit anschaut, dann wird die Menschheit darauf drängen, dass auch Großveranstaltungen wieder durchgeführt werden.“

Von Jan Kotulla