Sonderveröffentlichung
Themenspecial 50 Plus

„Das macht den Kopf frei“

PERSÖNLICH: Luc Dieteren liebt die Bewegung – egal, bei welchem Wetter. Jüngst absolvierte der Gronauer, der auch Rennen organisiert, seinen ersten Ironman.

Von Jürgen Pfliegensdörfer 

Wer einmal seine Uhrzeit verstellt haben sollte, kann diese auf sehr einfachem Wege wieder einstellen. Er muss nur morgens in Zwingenberg auf einen Radsportler warten, der pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk um 7 Uhr auf der B3 an der Einmündung zur Walther-Möller-Straße die Seite wechselt um auf den Radweg zu fahren. Luc Dieteren, ein Ausdauersportler im zarten Alter von 57 Jahren, ist wie jeden Tag, auf dem Weg zu seiner Firma. Bei There Sport warten dann 70 Mitarbeiter auf den Chef.

Der in den Niederlanden geborene, in Bensheim-Gronau wohnende Physiotherapeut fährt bei Wind und Wetter die Strecke von seinem Wohnort bis nach Bickenbach. Und natürlich am Abend gegen 17.30 Uhr wieder zurück. „Das mache ich schon immer, seit ich in Bickenbach meine Therapiepraxis eröffnet habe. Das macht den Kopf frei und natürlich sind das auch jeden Tag fast 40 Kilometer die ich da schon zurücklege. Ein kleines Training quasi“, freut sich Luc Dieteren, der in diesem Jahr seinen ersten Ironman in Frankfurt absolvierte. Gemeinsam mit Ehefrau Heike war er dort angetreten. Nach 10 Stunden und 34 Minuten blieb die Uhr stehen. Platz zehn in der Alterswertung für diese Leistung war der Lohn.

Luc ist ein ausgesprochener Sportfan, wie übrigens die gesamte Familie. Seine Frau Heike hat ihren ersten Ironman schon im vergangenen Jahr in Hamburg bewältigt. Und das noch vor ihrem Ehemann, der eigentlich auch in Hamburg an den Start gehen wollte. Aber eine Erkältung verhinderte das. Sohn Scott ist ständig auf dem Snowboard unterwegs, Jan ist als Radsportler ein bekanntes Gesicht, fährt derzeit für das Team Brandenburg und hat gerade eine Rundfahrt in China hinter sich.

Doch nicht nur der Radsport hat es dem Fußballfan angetan. Mit 50 absolvierte er seinen ersten Marathon, nahm am berühmten Wasa-Lauf über 90 Kilometer teil, durchquerte Finnland von der russischen Grenze bis nach Schweden und durchquerte mit dem Rad die kompletten Pyrenäen. In diesem Jahr konnte er sich als Sieger der Altersklasse des Half-Ironman in St. Pölten feiern lassen. Das Radfahren wurde im quasi in die Wiege gelegt, denn Luc Dieteren wurde in Valkenburg geboren. Valkenburg ist das Rad-Mekka der Niederlande, fünfmal fanden hier bereits die Radweltmeisterschaften der Profis statt, ist Zielort des Radklassikers Amstel Gold Race.

Doch nicht nur als Ausdauersportler hat sich der Gronauer einen Namen gemacht. Seit vielen Jahren organisiert er Radrennen in Bensheim und sorgt dafür, dass auch der Nachwuchs eine Chance hat, sich in Rennen zu messen. „Seit 1990 bin ich Mitglied der SSG Bensheim, die dank Eberhard Neue auch eine Radsportabteilung ins Leben rief. Wir haben in der Zwischenzeit eine Menge erreicht, mit der Abteilung viele Rennen organisiert“, sagt Luc Dieteren, der seit dem Jahr 2017 der Abteilung vorsteht. Immerhin 140 Mitglieder groß ist diese Abteilung der SSG Bensheim und überaus erfolgreich unterwegs. „Viele unserer Mitglieder sind auf Deutscher und Hessischer Ebene unterwegs, haben Titel gewonnen. Vor allem wollen wir den Nachwuchs fördern und werden in den kommenden Jahren viel investieren“, zeigt er sich überzeugt, den richtigen Weg zu gehen.

Zuletzt beteiligten sich Luc Dieteren und die Radsportler der SSG Bensheim an der Durchführung der Deutschen Radsportmeisterschaften der Profis im benachbarten Einhausen. Bereits 2015, als in Bensheim die Rad-DM durchgeführt wurde, waren sie dabei und Luc Dieteren ganz vorne mit dabei. Doch vor allem sind es die vielen eigenen Rennen, auf die der Gronauer und sein Team stolz sein können. „Wir haben den Crosssport nach Bensheim gebracht und geben dieser Szene damit eine große Chance.“ Im Januar fanden auf dem Gelände des Sportparks West neben dem Bensheimer Badesee die Deutschen Crossmeisterschaften statt. „Das war unglaublich. An den beiden Tagen kamen über 6000 Zuschauer an die Strecke, das Wetter war bestens und über 400 Sportler tummelten sich auf der Strecke. Die ist von allerbester Qualität und wird von allen Seiten gelobt“, zeigt sich der Organisator auch ein wenig Stolz, solch eine Veranstaltung mit seinem Team durchgeführt zu haben.

Am 2. Dezember 2018 besteht übrigens die nächste Gelegenheit, den Crosssport in Bensheim hautnah erleben zu können. Dann wird ein Internationales C2-Rennen auf der DM-Strecke gestartet. 250 Radsportler und über 2000 Zuschauer werden an diesem Sonntag in Bensheim erwartet. Und das nächste Projekt steht auch schon fest: Im Frühjahr 2019 wird die Radsportabteilung der SSG Bensheim ein eigenes Gelände neben der Rennstrecke erhalten. Dort soll dann ein Bikepark entstehen. Ambitioniert, aber für einen Ausdauersportler wie Luc Dieteren kein Problem, denn er hat schon mehrfach bewiesen, dass er über einen langen Atem verfügt.

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