Sonderveröffentlichung
Themenspecial 50 Plus

„Das ist die beste Zeit meines Lebens“

INTERVIEW: Als RTL-Moderatorin ist sie nicht mehr wegzudenken: Birgit Schrowange. Im Interview spricht die 60-Jährige über ihre Karriere, ihr aktuelles Projekt und darüber, wie sie zum Thema Altern steht.

Von Helen Gerstner  

„Birgit Schrowange – Lust auf mehr“ lautet der Titel des Personality-Magazins, dem Sie seit August dieses Jahres Ihren Namen und Ihr Gesicht leihen. Auf was haben Sie denn Lust?

Birgit Schrowange: Ich habe Lust, Frauen meiner Generation etwas zu vermitteln und ihnen mehr Selbstbewusstsein zu geben. Denn gerade die Frauen in meiner Generation sind noch besonders zu Bescheidenheit erzogen worden, dazu, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Meine Großmutter hat immer gesagt „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommst Du ohne ihr“. Daher möchte ich den Frauen wieder mehr Lebenslust vermitteln, damit sie das machen, was sie schon immer einmal machen wollten. Es gibt viele Themen, von denen ich denke, dass es wichtig ist, sie den Frauen näher zu bringen. Viele kümmern sich beispielsweise immer noch nicht um das Geld, das macht in den meisten Fällen nach wie vor der Mann. Auch solche Themen finden in meiner Zeitschrift Platz. Wir bringen aber auch Themen zu Mode, Kosmetik, Gesundheit, Fitness, dem Älter werden, eben alle Themen, die die Lebenswelt der Frauen ab 50 betreffen. Besonders gefällt mir, dass ich bei unseren Leserevents, direkten Kontakt zu den Leserinnen habe. Beim letzten Event habe ich sehr sympathische, tolle Frauen getroffen. Wir haben gemeinsam gesungen, demnächst veranstalte ich eine Lesung aus meinem Buch „Es darf gerne ein bisschen mehr sein“ und wir planen außerdem ein Late-Night-Shopping.

Wurden gerade Sie als Testimonial für das Magazin ausgewählt, weil Sie die moderne Frau von heute repräsentieren?

Schrowange: Ich repräsentiere die Frau in den besten Lebensjahren. Heute hat sich das Alter verschoben. Mit 50 + gehört man lange nicht zum alten Eisen. Ich gebe nicht nur meinen Namen, ich bringe mich auch aktiv ein und es macht einen Riesenspaß. Es ist auf jeden Fall etwas anderes als Fernsehen, es ist nachhaltiger. Eine Zeitschrift kann man immer wieder in die Hand nehmen und nachlesen.

Bereits seit 1994 moderiert Birgit Schrowange „Extra – Das RTL-Magazin“. BILD: MG RTL D
Bereits seit 1994 moderiert Birgit Schrowange „Extra – Das RTL-Magazin“. BILD: MG RTL D
Bei dem heutigen Wahn, schön sein zu müssen, haben Sie im vergangenen Jahr einen großen Schritt gewagt und der ganzen Welt Ihre mittlerweile ergrauten Haare präsentiert. Haben Sie keine Angst vor dem Älterwerden?

Schrowange: Nein, habe ich nicht. Ich bin dankbar, dass ich gesund bin und überhaupt dieses Alter schon mal erreicht habe. Das ist nicht selbstverständlich. Was meine grauen Haare angeht: Meine original Farbe herauswachsen zu lassen, war schon immer mein Herzenswunsch. Ich saß alle zwei bis drei Wochen beim Friseur und finde, diese Lebenszeit kann ich besser nutzen. Weiße Haare fand ich schon immer schön und faszinierend. Ich bin sehr früh ergraut. Das habe ich von meinem Vater geerbt. Der war mit 35 Jahren schon komplett grau und sah sensationell gut aus. Ich finde, dass es mir auch gut steht.

Das heißt, graue Haare sind für Sie kein Zeichen für Alter?

Schrowange: Nein, ich finde, dass ich mit 60 Jahren noch nicht alt bin! Natürlich bin ich nicht mehr jung, aber die heutigen 60-Jährigen kann man nicht mit den 60-Jährigen von früher vergleichen. Ich glaube, das wahre Alter fängt erst ab 80 Jahren an. Wenn man sich fit hält und das Glück hat, gesund zu sein, sollte man dankbar für jeden Tag sein. Ich möchte mein Leben auskosten und möglichst 100 Jahre alt werden. Bis dahin habe ich ja noch ein bisschen Zeit.

Gesundheit und Fitness sehen Sie also als „Schlüssel“, um 100 Jahre alt zu werden?

Schrowange: Nein, aber ich finde schon, dass man auf seinen Körper achten sollte. Sich exzessiv runterzuhungern, täglich ins Studio zu rennen und sich jede Lebensfreude zu verkneifen finde ich jedoch falsch. Einfach auf den Körper hören, der sagt einem schon, was man braucht. Das haben viele, glaube ich, verlernt. Ich kümmere mich nicht um die ganzen Ernährungsdogmen, sondern ernähre mich so, wie es meine Eltern damals schon gemacht haben. Wenig Fleisch und viel frisches Gemüse. Zweimal in der Woche mache ich Sport und gehe zum Beispiel wandern mit meinem Freund. Das hält fit.

Diese Fitness und Ausdauer haben Sie sicherlich auch während Ihrer Fernsehkarriere benötigt.

Schrowange: Ja, ich bin jetzt fast 40 Jahre dabei. Beim WDR habe ich mit Anfang 20 als Fernsehansagerin im Schulfernsehen angefangen, dann war ich elf Jahre beim ZDF und nächstes Jahr habe ich mein 25-jähriges Jubiläum bei RTL.

Wie haben Sie es geschafft, so lange präsent zu bleiben?

Schrowange: Das frage ich mich manchmal auch. In diesem gesamten Zeitraum war ich nie auch nur einen Monat ohne Beschäftigung. Mein Vertrag wurde immer verlängert. Glück gehört natürlich auch dazu. Frauen in meinem Alter gelten heute ja glücklicherweise nicht mehr als uralt. Als ich anfing, wurden sie oftmals noch nach dem Motto „Was will die Oma denn da noch auf dem Bildschirm?“ mit Anfang 40 entsorgt. Das hat sich gewandelt. RTL hält an seinen Gesichtern fest. Das sieht man ja auch an Katja Burkhard, Frauke Ludowig, Ilka Essmüller und Ulrike von der Groeben, die alle weit über 50 Jahre alt und noch auf Sendung sind. Was hat das auch mit dem Alter zu tun? Man muss aber natürlich auch mit der Zeit gehen und sich immer wieder ein bisschen neu erfinden. Ich hatte das Glück, mit „Extra“ eine Sendung machen zu können, die sich immer wieder auf die Wünsche der Zuschauer eingestellt hat. Ich habe Reportagen gemacht, Interviews, Ansagen und die reine Magazinmoderation – ich habe mich also breit aufgestellt.

Die neue Zeitschrift lief erfolgreich an, bei RTL agieren Sie nach wie vor als Aushängeschild und seit Längerem haben Sie mit Frank Spothelfer auch privat Ihr Glück gefunden. Gibt es da noch etwas, was Sie sich für die Zukunft wünschen?

Schrowange: Ich bin total glücklich und möchte, dass das so bleibt. Meine Eltern leben mit Mitte 80 noch, mein Sohn wird jetzt 18 Jahre alt. Die Zeit vergeht rasend schnell, aber ich kann sagen „Das ist die beste Zeit meines Lebens“. Ich sage immer „Die Pflicht ist getan, jetzt kommt die Kür“, das ist doch was Schönes.

Ist die Rente für Sie dann schon ein Thema?

Schrowange: Ich bin immer bestimmte Risiken eingegangen, aber ich war auch gleichzeitig ein sicherheitsbewusster Mensch. Schon mit 17 Jahren, während meiner Lehre zur Rechtsanwaltsgehilfin, habe ich Minimum zehn Prozent meines Einkommens zurückgelegt und gespart. Ich habe schon früh in Aktien investiert, in Sparpläne, ETF. Ich finde es sehr schade, dass das immer noch so wenig Leute machen. Wir haben eine Niedrigzinsphase, und die Deutschen haben viel zu viel Geld auf Sparbüchern oder Festgeldkonten, die immer mehr an Wert verlieren. Dazu habe ich schon immer unter meinen Möglichkeiten gelebt und mir nicht sofort eine neue Wohnungseinrichtung gekauft, nur weil ich die finanziellen Mittel hatte. Das macht langfristig auch nicht glücklicher. Ich habe eine wunderschöne Wohnung mitten in der Stadt mit 120 Quadratmetern, die ich mit meinem Sohn teile. Mir reicht das, mehr brauche ich nicht. Ich möchte mein Alter genießen, und dazu braucht man eben etwas Geld – um zu Reisen und schöne Sachen zu erleben. Daher kann ich nur jedem jungen Menschen raten, auch an die Rente zu denken und sich frühzeitig darum zu kümmern.

Zur Person

Alter: 60 Jahre (7. April 1958)

Ausbildung: Rechtsanwalts- und Notargehilfin

Wichtigste Karrierestationen:

■ 1978-1983 Redaktionsassistentin beim WDR
■ 1983-1994 Programmansagerin beim ZDF
■ Seit 1994 Moderation von „Extra – Das RTL-Magazin“
■ 1995 bis 2004: Moderatorin von „Life – Die Lust zu leben“
■ Seit 2018: Editor-at-large beim Magazin „Birgit – Lust auf mehr“

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