Sonderveröffentlichung
Themenspecial Immojournal April 2019

Branche zum Feindbild abgestempelt

BFW: Immobilienbranche im Südwesten sieht sich zu Unrecht am Pranger

Die Immobilienbranche im Südwesten sieht sich in der Debatte um knappen Wohnraum und hohe Mieten von vielen zum Feindbild abgestempelt. Die Unternehmen verdienten gut, keine Frage. „Aber Gewinn zu machen ist keine Schande“, sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), Henning Kalkmann. Der Verband vertritt mittelständische Bauträger, Projektentwickler, Vermieter und Verwalter in Baden-Württemberg.

Immobilien GmbH der VR Bank Rhein-Neckar eG

Mehr Differenzierung gefordert

Diese Unternehmen würden in der öffentlichen Debatte oft in eine Schublade mit internationalen Spekulanten gesteckt, kritisierte Kalkmann und forderte mehr Differenzierung. Wer Grundstücke zu hohen Preisen kaufe und unter zum Teil hohen Sozial-Auflagen bebaue, gehe als Unternehmen große wirtschaftliche Risiken ein. Zugleich forderte er von der Politik, sich klar von allen möglichen Bestrebungen zur Enteignung von Wohnungsunternehmen zu distanzieren. Wer über Enteignungen diskutiere, zerstöre dauerhaft das Vertrauen privater Investoren. „Damit verlassen wir den Boden freier Marktwirtschaft und spalten unsere Gesellschaft“, sagte Kalkmann.

In Berlin werden derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren über die Enteignung großer Wohnungsunternehmen gesammelt. Damit war eine heftige Debatte über den Sinn solcher Maßnahmen ausgelöst worden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und auch sein Vize Thomas Strobl (CDU) halten davon aber nichts. „Die Debatten um Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften führen wir mit Sicherheit nicht. Die sind unsinnig meiner Meinung nach“, sagte Kretschmann. Wenn man Wohnungsbaugesellschaften enteigne, müsse man sie entschädigen. „Das sind gigantische Summen.“

Bonava

Bei der BFW-Fachtagung in Stuttgart appellierten sowohl Vertreter der Branche als auch Vertreter der Kommunen, sich gegenseitig nicht als Gegner, sondern als Partner zu betrachten. „Nutzen Sie die Partnerschaft vor Ort“, riet Gudrun Heute-Bluhm, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetages, den Unternehmen. Die Verwaltungen wüssten, dass sie Partner brauchten, um den dringend benötigten Wohnraum zu bekommen. Branchenvertreter hatten zuvor beklagt, dass in der lokalen Politik und bei betroffenen Bürgern oft mehr der Wille zur Verhinderung als zur Gestaltung herrsche.

Auch Steffen Jäger vom Gemeindetag plädierte dafür, die Entscheider in den Kommunen zu stärken und zu stützen, um Bauvorhaben schneller auf den Weg zu bringen. Zugleich müsse die Politik den Bürgern aber auch klarmachen, dass das für Einzelne mit Einschnitten verbunden sei. Der Wohlstand hänge maßgeblich davon ab, dass Wohnungen, Straßen und auch Mobilfunkmasten gebaut würden. „Sonst wird Politik auf Dauer nicht glaubwürdig sein können“, sagte Jäger. dpa

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