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Bensheim: Letzte Szenen des „Horrorfilms“

KINO I: Etappenweise gehen die Lockerungen nach dem Corona-Lockdown weiter: Nach Restaurants und Hotels, Fitnessstudios, Tanzschulen und Freibädern sind auch Theater und Kinos an der Reihe – natürlich unter bestimmten Hygieneauflagen. Das Team des Bensheimer Luxor-Filmpalasts hat mit viel Fleiß, Durchhaltevermögen und Autokino-Events die vergangenen Monate überstanden. Mitte Juli soll es endlich wieder echtes Kino-Feeling geben.

Ab Mitte Juli zieht Hollywood endlich wieder in den Bensheimer Luxor-Filmpalast ein. BILDER: THOMAS NEU

26.06.2020
Letzte Szenen des „Horrorfilms“ Image 1

Der „Corona-Horrorfilm“ für die Kinobetreiber scheint sich im finalen Stadium zu befinden: Unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften dürfen die Kinos seit einigen Wochen wieder öffnen. In Hessen können die Filmtheater nach dem coronabedingten Lockdown seit dem 9. Mai bespielt werden. Der Luxor-Filmpalast in Bensheim nimmt seinen Betrieb Mitte Juli wieder auf. Ursprünglich geplant war der Wiedereinstieg im Luxor erst für August. „Wir haben uns entschieden, den Start etwas vorzuziehen“, erklärt Geschäftsführer Udo Neudecker.

Die Lockerungen der letzten Wochen geben der gesamten Branche in schwierigen Zeiten Auftrieb. Filmstudios benötigen für ihre neuen Streifen geöffnete Kinos, Filmverleiher sind auf flächendeckende Verwertungsmöglichkeiten angewiesen. Diese Marktmechanismen kommen nun wieder ins Rollen, für Juli ist die Premiere einiger großer Produktionen angekündigt. „Das ist die Voraussetzung, damit wir überhaupt wieder anfangen können“, sagt Neudecker.
    
Zwischenzeitlich sorgten in der Hochphase der Corona-Beschränkungen Auto-Kinoabende auf dem Luxor-Parkplatz für willkommende Abwechslung
Zwischenzeitlich sorgten in der Hochphase der Corona-Beschränkungen Auto-Kinoabende auf dem Luxor-Parkplatz für willkommende Abwechslung
Der Restart, das Konzept ist noch in der Ausarbeitung, erfolgt im Luxor aufgrund der behördlichen Vorgaben jedoch mit angezogener Handbremse. Aufgrund des geltenden Abstandsgebots – das bedeutet in Hessen aktuell fünf Quadratmeter pro Person – können die Kapazitäten der sieben Säle nicht ausgeschöpft werden. Kino-Besuchern ist es gestattet, neben ihren Begleitpersonen zu sitzen, allerdings müssen mehrere Plätze vor, hinter und neben ihnen frei bleiben. „Das kann man sich wie ein Schachbrettmuster vorstellen.“

Neudecker schätzt, dass sich mit dieser Sitzordnung ein Saal maximal zu 30 Prozent auslasten lässt. Zusätzlich muss über die Zahl der gleichzeitig geöffneten Säle ebenso nachgedacht werden wie über den zeitlichen Abstand zwischen einzelnen Vorführungen und die Einlass- und Ausgangsregelung. Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit erübrigt sich angesichts dieser Einschränkungen. „Es war ja klar, dass wir nicht sofort wieder voll hochfahren können. Wir wollen den Kinofans einfach ein Angebot machen und freuen uns, wieder loslegen zu können.“

„Vollgas geben, hart arbeiten und optimistisch nach vorne schauen.“

Udo Neudecker, Geschäftsführer des Luxor-Filmpalasts, Bensheim

Seit Mitte März war der Luxor-Filmpalast dicht. Die internen Planungen zur Krisensteuerung waren von Anfang an auf eine Schließung bis August ausgerichtet. Ein Ende des Bensheimer Standorts wurde im Unternehmen zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen. „Darüber haben wir nie nachgedacht.“ Das Luxor-Team bewegte sich mit stabiler Psyche durch die Tiefen der Coronavirus-Pandemie – ohne Anflüge von Verzweiflung und ohne Nervenflattern. „Vollgas geben, hart arbeiten und optimistisch nach vorne schauen“, beschreibt der Manager die Devise während der zurückliegenden Monate.

Bei der Suche nach Alternativen zur Bespielung des Hauses mit anderen kulturellen Inhalten wurden verschiedene Projekte erörtert; letztlich blieb das Luxor bei seinem Kerngeschäft: Filme zeigen. Das Autokino auf dem Parkplatz des Filmpalastes, eines der ersten in der Region, entwickelte sich vorübergehend zu einem Erfolgsmodell. Gleichwohl war das Ganze von vorneherein als Intermezzo angelegt. Der hohe Personalaufwand, die beschränkte Auswahl an Filmen, die begrenzte Anzahl der Stellplätze und das langsam nachlassende Interesse führten Anfang Juni zur Einstellung des Autokinos. „Der Reiz des Neuen ging verloren. Die warmen Temperaturen haben auch eine Rolle gespielt: Bei 30 Grad will niemand im Auto sitzen und sich einen Film anschauen.“

Auf die nächsten Wochen schaut Udo Neudecker zuversichtlich. Vom bevorstehenden Ferien-zu-Hause-Sommer können die Kinos profitieren, auch aufgrund des nach wie vor begrenzten Freizeitangebots. Statt Schwimmbad oder Badesee könnte in den nächsten Wochen häufiger ein sommerlicher Kinobesuch auf dem Programm stehen. Sorgen wegen der Belüftung der Säle müssen sich die Kinogänger nicht machen. „Wir sind ein neues, modernes Haus.“ Die Lüftungsanlage ist auf dem neuesten Stand der Technik und gewährleistet einen ständigen Luftaustausch, erläutert Neudecker.“

Von Eric Horn