Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Auf der Zielgeraden zur Nachhaltigkeit

MOTORSPORT: Heulende Motoren, quietschende Reifen, schnelle Wagen und – Ressourcen schonen. Das scheint nicht zusammenzupassen. Doch der Rennstall Four Motors aus Reutlingen macht es in Kooperation mit Crop-Energies möglich.

Von Stefan Burkhardt 

Thomas von Löwis of Menar stammt aus einem alten schottischen Adelsgeschlecht. Tempo und Energie liegen ihm im Blut. Schon in jungen Jahren wollte er wie sein Vater Rennfahrer werden. Vom Vater erbte von Löwis auch das gute Auge für die Technik: Motoren, Getriebe, Öle und Kraftstoffmischungen sind seine Leidenschaft. Und so verwirklichte von Löwis ( Bild) seinen Traum und fuhr 1987 bis 1992 in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. In den 1990er Jahren wechselte von Löwis in das Veranstaltungsmarketing. Dort lernte er eine aufstrebende deutsche Rap-Band kennen – die Fantastischen Vier. Und es dauerte nicht lange, bis der eingefleischte Autonarr Smudo und von Löwis zusammenfanden. Sie fuhren nicht nur gemeinsam Rennen, sondern gründeten 2003 auch den Rennstall Four Motors.

Seyffer GmbH

Der Ansatz von Four Motors war damals revolutionär: Nachhaltig betriebener Motorsport. So entwickelte das Team für seine Boliden zusammen mit Wissenschaftlern und Ingenieuren eine Leichtbaukarosserie aus Naturfasern und biobasierten Kunststoffen. Diese Materialien bieten eine nachhaltige Alternative zu den normalerweise verwendeten Glas- und Kohlefasern. Eine zweite Säule der Nachhaltigkeit sind die Schmierstoffe: Die von Four Motors verwendeten Hochleistungsöle für Motor und Getriebe sind reraffiniert, sie werden bis auf Molekülniveau zerlegt und neu zusammengesetzt. Der Einsatz dieser Öle reduziert die CO2 -Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Schmierstoffen aus Rohöl um 80 Prozent.
           
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Etwas länger dauerte es, bis der richtige Kraftstoff gefunden war. Zunächst fuhr Four Motors mit Biodiesel. Diesel ist am Nürburgring aber mittlerweile nicht mehr erlaubt. Außerdem hat er olfaktorische Nachteile: „Wir wurden ab und zu mit einer Frittenbude verwechselt“, lacht von Löwis. Dann kam E20 ins Spiel, ein Ottokraftstoff, dem 20 Prozent Bioethanol beigemischt sind. Bereits die berühmten Silberpfeile verwendeten einen Treibstoff, der Ethanol enthielt. Four Motors kam rasch mit Crop-Energies aus Mannheim in Kontakt, dem führenden europäischen Hersteller von E20. Crop-Energies stellt das verwendete Bioethanol vor allem aus Überschüssen der Agrarwirtschaft – primär Futtergetreide und Zuckersirup – her.

Sitzt auch selbst am Steuer des rassigen Porsche-Bio-Trio.
Sitzt auch selbst am Steuer des rassigen Porsche-Bio-Trio.
Vorstandschef Joachim Lutz kennt die Vorteile seiner Kraftstoffe: „Heute sind rauchende Auspuffrohre kein Zeichen von Leistung mehr. Bei E10 werden gegenüber herkömmlichem Benzin nicht nur bis zu 7 Prozent weniger CO2 pro Liter ausgestoßen, sondern auch ungefähr 70 Prozent weniger Feinstaub und 20 Prozent weniger Stickoxyde - und das alles bei ungefähr gleichem Verbrauch.“ Deshalb könnten E10 und das noch leistungsfähigere E20 in den nächsten Jahren dazu beitragen, die CO2 - Emissionen im Transportsektor zu reduzieren. Das Team von Four Motors war sofort überzeugt, andere Rennställe folgten. Mittlerweile ist E20 der führende Treibstoff in der Klasse AT (Alternative Treibstoffe).

Heute kurven für Four Motors je nach Strecke und Rennen ein Porsche Cayman GT4 Clubsport, ein Porsche 911 GT3 Cup oder ein Porsche Cayman 981 durch die Schikanen, alle mit E20 im Tank. So werden die VLN-Langstreckenmeisterschaft und das 24-Stunden-Rennen mit ihren harten Bedingungen auf der schwierige Nordschleife des Nürburgrings zu einem Testlabor für nachhaltigen Rennsport. Die Leistung, die Four Motors hier erbringt, macht auch auf die rein fossile Konkurrenz Eindruck: Das Team konnte mehrere Siege in der Klasse der Alternativen Treibstoffe einheimsen. Die Ergebnisse der Rennen helfen dabei, das Zusammenspiel von nachhaltigen Treibstoffen und leistungsfähigen Motoren weiter zu verbessern. Und damit ist noch lange nicht Schluss: Four Motors überlegt nicht nur, künftig Reifen aus nachwachsenden Rohstoffen zu testen, sondern denkt auch über den Einsatz weiterer umweltfreundlicher Technologien nach. Es bleibt spannend, was der „fliegende Baron“ und der „rasende Rapper“ noch so alles auf die Räder stellen.
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